Cyberabwehr und Spionage Ukrainische Regierung bittet Hacker ihres Landes um Hilfe

Die Zahl der Onlineattacken auf die Ukraine steigt. Laut Insidern appelliert die Regierung nun an IT-Experten jenseits offizieller Stellen, im Krieg mit Russland ihre Fähigkeiten einzubringen.
Nutzer elektronischer Geräte in einem Luftschutzbunker in Kiew: Die Regierung sucht nach Personen mit Hackerfähigkeiten

Nutzer elektronischer Geräte in einem Luftschutzbunker in Kiew: Die Regierung sucht nach Personen mit Hackerfähigkeiten

Foto: VIACHESLAV RATYNSKYI / REUTERS

Die ukrainische Regierung ruft im Krieg mit Russland angeblich auch Hackerinnen und Hacker dazu auf, sich für ihr Heimatland einzusetzen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen. In Hackerforen tauchte demnach am Donnerstagmorgen eine Anfrage auf, die offenbar im Auftrag der Regierung eingestellt wurde. »Ukrainische Cybercommunity! Es ist an der Zeit, sich an der Cyberverteidigung unseres Landes zu beteiligen«, heißt es laut Reuters in dem Posting.

Gesucht werden dem Bericht zufolge IT-Expertinnen und -Experten, die bereit sind, die kritischen Infrastrukturen des Landes zu schützen oder Cyberspionage-Aufträge gegen russische Truppen anzunehmen. Bewerbungen seien über ein Google-Doc möglich, heißt es, in dem die Freiwilligen auch berufliche Referenzen und ihre Fachgebiete angeben könnten, wie zum Beispiel Malware-Entwicklung.

Yegor Aushev, Mitgründer eines Cybersicherheitsunternehmens in Kiew, erklärte Reuters, er habe den Beitrag auf Anfrage eines hochrangigen Beamten des Verteidigungsministeriums verfasst, von dem er am Donnerstag auch kommentiert worden sei. Aushevs Firma Cyber Unit Technologies ist dafür bekannt, dass sie mit der ukrainischen Regierung an der Verteidigung kritischer Infrastrukturen arbeitet.

Eine andere Person, die laut Reuters ebenfalls direkt an den Bemühungen beteiligt war, bestätigte Aushevs Aussage, dass die Anfrage ursprünglich vom Verteidigungsministerium kam.

Defensiv und offensiv tätige Abteilungen

Yegor Aushev sagte der Nachrichtenagentur, die Freiwilligen würden in defensiv und offensiv agierende Cybereinheiten unterteilt. Die defensive Einheit würde zum Schutz kritischer Infrastrukturen wie Kraftwerken und Wassersystemen eingesetzt. Die offensive Freiwilligeneinheit, die Aushev nach eigenen Angaben aufbaut, solle dem ukrainischen Militär helfen, digitale Spionageoperationen gegen russische Truppen durchzuführen. »Wir haben eine Armee in unserem Land«, sagte Aushev. »Wir müssen wissen, was sie tun.«

Aussagen von Yegor Aushev zufolge sollen bereits Hunderte Bewerbungen von Hackern eingegangen sein. Sie würden nun geprüft, um sicherzustellen, dass sich unter den Bewerbern kein russischer Agent befinde.

Vertreter des ukrainischen Verteidigungsministeriums reagierten bisher nicht auf die Bitte um eine Stellungnahme. Ein Verteidigungsattaché in der ukrainischen Botschaft in Washington erklärte, er könne Informationen über den Aufruf weder bestätigen noch dementieren.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Gerade wurde eine neue Schadsoftware entdeckt

Der ukrainische Datenschutzbeauftragte sagte, die Zahl der Hackerangriffe auf die Ukraine steige derzeit. »Phishing-Angriffe auf Behörden und kritische Infrastrukturen, die Verbreitung von Schadsoftware sowie Versuche, in Netzwerke des privaten und öffentlichen Sektors einzudringen und weitere destruktive Aktionen haben zugenommen«, hieß es in einer E-Mail.

Am Mittwochabend hatten IT-Sicherheitsexperten in der Ukraine eine neue Schadsoftware entdeckt. Nach Angaben des IT-Sicherheitsunternehmens Eset wurde auf »Hunderten von Computern im ganzen Land« ein sogenannter Wiper installiert. Diese Art von Schadsoftware hat das Ziel, die Daten auf einer infizierten Festplatte dauerhaft unbrauchbar zu machen (Englisch: »to wipe«). Mehr zu diesem Angriff lesen Sie hier.

mbö/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.