Und noch ein Kartenspiel Das Blatt der Kriegsgewinnler

Nachdem das Pentagon ein "Blatt" mit den Konterfeis der meistgesuchten Iraker herausgab, scheinen sich Kartenspiele nun als Plattform für plakative Politik zu etablieren. Auch Amerikas Kriegskritiker wollen da nicht zurückstehen.


Kriegsgewinnler-Kartenspieler: Die Polit- und Wirtschaftselite auf der virtuellen Anklagebank

Kriegsgewinnler-Kartenspieler: Die Polit- und Wirtschaftselite auf der virtuellen Anklagebank

Als das Pentagon ein Kartenspiel mit den Konterfeis und Beschreibungen der meistgesuchten Iraker veröffentlichte und - zunächst - an die Soldaten vor Ort verteilen ließ, da konnte man das noch als handliche Fahndungshilfe deuten. Als die Kartenspiele wenig später die Verkaufskanäle des Webs fluteten, wirkten sie jedoch eher wie ein zynischer Gag - oder wie ein geschmackloses Kriegssouvenir.

Sie brachten aber auch eine Botschaft auf den Punkt: Eigentlich ist die innere Logik eines Kartenspieles ideal, um die innere Vernetzung verschiedener Gruppen von Menschen darzustellen und deren "Wichtigkeit" innerhalb ihrer Gruppe. Schön zeigte das in der letzten Woche das nicht minder zynische "Deck of Weasels": Chirac ist da ein "Ass", Gerhard Schröder gereade einmal eine "9".

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Doch längst nicht alle Amerikaner teilen die so transportierten politischen Meinungen - und viele können darüber auch nicht lachen. Ihnen mag ein neues Spiel besser gefallen, das aus einer radikal anderen Ecke kommt: Das "Kriegsgewinnler-Kartenspiel" der "Ruckus Society". Die wurde erst 1995 als Aktionsplattform radikaler Naturschützer und Globalisierungsgegner gegründet.

Sie haben sich eigentlich der nicht-gewalttätigen "direkten Aktion" verschrieben - und nun offenbar das politische Kartenspiel als Methode des Kommentars wie des Spendensammelns entdeckt. Anders als ihre offen auf Profite zielenden Konkurrenten vom rechten Rand bitten sie um Spenden, was zwar kaum auf etwas anderes hinausläuft, zumindest aber einem gemeinnützigen Zweck dienen soll. Wer will, kann sich das Spiel allerdings auch selbst drucken: Ruckus bietet den vollen Kartensatz als PDF zum Download an.

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Ruckus' "Kriegsgewinnler-Kartenspiel" lädt ein zu einem Rendevouz mit Amerikas politischer Elite - und geht knallhart mit ihr ins Gericht. Tief, behaupten die Ruckus-Aktivisten, reiche die Verstrickung der Öl-, Rüstungs- und Medienindustrien mit der Regierung und werfen diesem Personenkreis letztlich vor, den Irak-Krieg als klassischen Raubzug betrieben zu haben.

Die Kritik ist beißend und radikal parteiisch. Für Ruckus sind die involvierten Personen, Firmen und Institutionen nicht nur "Kriegsgewinnler", sondern auch "Kriegsverbrecher" - bis hin zum amtierenden Präsidenten. Von der anderen Seite des politischen Spektrums kommend repräsentiert das Kriegsgewinnler"-Set das andere Extrem zum "Weasel"-Spiel. Weitere werden wohl folgen.

Frank Patalong



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