Ungewollte Anrufe So wehren Sie sich gegen Telefonspam

Jemand schwatzt Ihnen Gratisproben oder einen neuen Stromvertrag auf? Bei der Bundesnetzagentur steigt die Zahl der Beschwerden gegen solche Anrufe. Hier erfahren Sie, was außer Auflegen noch hilft.
Was bitte habe ich da abgeschlossen?! Ungewollte Anrufe ziehen manchmal noch mehr Ärger nach sich

Was bitte habe ich da abgeschlossen?! Ungewollte Anrufe ziehen manchmal noch mehr Ärger nach sich

Foto: Christin Klose / tmn

Viele Verbraucherinnen und Verbraucher ärgern sich in der Coronakrise über ungefragte Anrufe. Mehr als 63.000 Beschwerden erreichten die Bundesnetzagentur im vergangenen Jahr – ein neuer Höchstwert. »Das ist ein Dauerärgerthema, das nicht ausstirbt«, sagt Carola Elbrecht vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). »Obwohl die Verbraucherzentralen und die Bundesnetzagentur fortlaufend gegen unerlaubte Telefonwerbung vorgehen, scheint es sich für die Unternehmen zu lohnen.«

Eigentlich sind Werbeanrufe nur erlaubt, wenn die angerufene Person vorher ihre Einwilligung dazu gegeben hat, weiß Rechtsanwalt Harald Rotter, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Allgemeinanwalt des Deutschen Anwaltvereins (DAV). »Die wenigsten erlauben das wissentlich«, sagt er. »Häufig greifen Unternehmen die Daten aber bei kostenlosen Gewinnspielen ab und holen sich dabei die Bestätigung, dass sie die Daten zu Werbezwecken weitergeben dürfen.«

Im Streitfall kann eine solche Einwilligung schon reichen, wenn der Werber sie nachweisen kann. Doch nicht immer haben die Unternehmen tatsächlich eine Erlaubnis erhalten.

Verbraucher können sich wehren

Wer nicht mehr möchte, dass das Telefon ständig klingelt, kann sich an die Bundesnetzagentur wenden. Hier findet sich eine Info-Seite der Behörde zum Thema unerlaubte Telefonwerbung  und hier eine zum Thema belästigende Anrufversuche .

Zusammen mit einem Anwalt können Verbraucher auch mit einer Abmahnung gegen das Unternehmen vorgehen. Manche Anwälte verlangen dafür lediglich ein niedriges Pauschalhonorar. »Oft genügt es aber schon, vom Unternehmen einen Nachweis zu verlangen, dass eine Einwilligung zur Telefonwerbung vorlag«, sagt Harald Rotter. »Die wissen dann meist, dass eine Abmahnung droht, und streichen die Telefonnummer.« Gab es eine Einwilligung, können Verbraucher die Löschung ihrer Daten verlangen.

Ruft doch noch jemand an und lässt sich der oder die Angerufene in ein Gespräch verwickeln, ist Vorsicht angebracht. Denn wer nicht sofort auflegt oder abweisend reagiert, bekommt vom Anrufer mitunter einen Vertrag untergejubelt. Die Verbraucherzentralen berichten zum Beispiel von Unternehmen, die Nahrungsergänzungsmittel unter anderem gegen Gelenkschmerzen verkaufen. Wer für Pillenproben seine Adresse herausgibt, bekommt mit den versprochenen Tabletten ein teures Pharma-Abo untergeschoben.

»Solche Vertriebler sprechen oft die emotionale Ebene an, es gibt zuerst ein nettes Gespräch«, beschreibt Carola Elbrecht die Masche der Anrufer. »Aber kein Unternehmen hat etwas zu verschenken. Wenn es Testprodukte gratis gibt, sollten die Alarmglocken läuten«, erklärt die Referentin im Team Marktbeobachtung Digitales.

Energieanbieter arbeiten mit Tricks

Umtriebig sind auch manche Energieunternehmen. Sie locken mit Geld und Ersparnis bei Strom und Gas. Fordert der oder die Angerufene lediglich Infomaterial an, folgt darauf manchmal direkt eine Auftragsbestätigung.

Das Problem: »Energieversorger können schon mit relativ wenigen Angaben des vermeintlichen Kunden seinen Vertrag einfach kündigen. Das nutzen unseriöse Anbieter offenbar aus«, sagt Elbrecht. Ohne Strom steht bei so einem Wechsel zwar niemand da, aber Ärger gibt es. Denn der alte Stromanbieter muss seinen ehemaligen Kunden nicht wieder aufnehmen, schon gar nicht zu den früheren Konditionen.

Eigentlich ist so eine Vereinbarung, die Verbrauchern untergeschoben wurde, gar nicht wirksam – theoretisch könnte man sie also einfach ignorieren. »Aber die Unternehmen beharren auf ihren Forderungen. Sie bestehen darauf, dass es einen Vertrag gibt, und wollen Geld sehen«, weiß Elbrecht. Manchmal schicken sie auch das Inkassounternehmen vor.

Rechtsanwalt Rotter empfiehlt daher, solch einen Kontrakt besser sofort zu widerrufen. »Sobald die Vertragsbestätigung kommt, sollten Verbraucher reagieren. Kam die Bestätigung per Mail, schicken sie am besten direkt eine E-Mail mit dem Widerruf zurück. Und zusätzlich, um sicherzugehen, sollte man das Geld investieren und auch ein Einschreiben mit Rückschein schicken.« Dubiose Unternehmen neigten dazu, solche Schreiben sonst zu ignorieren, berichtet er aus seiner Beratungspraxis. Kostenlose Musterbriefe gibt es bei den Verbraucherzentralen .

Notizen können sinnvoll sein

14 Tage haben Verbraucher für einen Widerruf Zeit, die Frist läuft ab Vertragsschluss oder ab Lieferung der Ware. »Unbestellte Ware muss übrigens niemand zurückschicken. Stattdessen ist der Versender dafür verantwortlich, die zurückzuholen«, sagt Carola Elbrecht.

Damit es gar nicht erst so weit kommt, dass Auftragsbestätigungen oder Pakete ungefragt zugeschickt werden, gibt es für das Telefonat einige Tipps. So ist es sinnvoll, kritisch nachzuhaken und sich neben dem Unternehmensnamen auch die Rufnummer, Datum und Uhrzeit zu notieren. Auch ein paar Stichpunkte zum Gesprächsinhalt können helfen, sollte es später zu einer Abmahnung des Unternehmens kommen.

»Fassen Sie am Ende des Gesprächs noch einmal zusammen, worauf Sie sich geeinigt haben. Also beispielsweise auf Gratisproben ohne Vertragsverpflichtung. Damit zeigt man dem Anrufer auch, dass man nicht auf den Kopf gefallen ist«, bekräftigt Elbrecht. Sensible Daten wie Geburtsdatum, Adresse oder gar Bankverbindung sollten Verbraucher bei solchen Anrufen aber ohnehin möglichst gar nicht preisgeben. Es ist ja nervig genug, dass irgendjemand ungefragt die eigene Telefonnummer anruft.

Annika Krempel, dpa
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