Umgang mit Hass und Hetze Unilever stoppt US-Werbung bei Facebook, Twitter und Instagram

Unilever will in den USA bis Jahresende keine Anzeigen mehr bei Facebook und Twitter schalten, sie gingen nicht ausreichend gegen Hetze und Falschinformationen vor. Die Aktienkurse der Onlinedienste brachen ein.
Unilever will in den USA keine Werbung mehr über Facebook und Twitter verbreiten: Aktien der Onlinekonzerne an der Wall Street brechen ein

Unilever will in den USA keine Werbung mehr über Facebook und Twitter verbreiten: Aktien der Onlinekonzerne an der Wall Street brechen ein

Foto: Richard Drew/ AP

Facebook gerät wegen seines umstrittenen Umgangs mit rassistischen, hetzerischen und manipulativen Inhalten immer stärker unter Druck. Nun dürfte das lasche Vorgehen gegen Hatespeech und Falschinformationen das Unternehmen auch finanziell treffen: Der Konsumgüterhersteller Unilever gab bekannt, bis zum Jahresende keine US-Werbung mehr bei dem Online-Netzwerk zu veröffentlichen. Dies soll demnach auch für das Facebook-Tochterunternehmen Instagram gelten.

Unilever nimmt auch den Kurznachrichtendienst Twitter in die Pflicht - hier soll es vorerst ebenfalls keine Werbung mehr geben. Die Aktien von Facebook und Twitter brachen nach der Ankündigung zwischenzeitlich um jeweils rund sieben Prozent ein.

Unilever begründete seine Entscheidung mit der Verantwortung der Unternehmen im Umgang mit kontroversen Beiträgen im Netz - speziell angesichts der angespannten politischen Atmosphäre in den USA und den im November anstehenden Präsidentschaftswahlen.

Weiter auf den Online-Plattformen zu werben bringe den Menschen und der Gesellschaft keinen Wert, hieß es von dem niederländisch-britischen Konzern. "Die polarisierte Atmosphäre erlegt Marken eine erhöhte Verantwortung auf, ein vertrauenswürdiges und sicheres digitales Ökosystem aufzubauen", schrieb Unilever auf Twitter.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Damit erhält ein in der vergangenen Woche gestarteter Anzeigen-Boykott gegen die Plattform bedeutenden Zulauf. Am Vortag hatte bereits der US-Telekommunikationskonzern Verizon angekündigt, dass er seine Werbung auf Facebook aussetze. Der zum Unilever-Konzern gehörende Eiscreme-Hersteller Ben & Jerry's sowie die Outdoorbekleidungskonzerne Patagonia und North Face hatten ebenfalls angekündigt, Anzeigen zu streichen.

Auch der japanische Autohersteller Honda teilte mit, im Juli keine Anzeigen mehr bei Facebook und Instagram zu platzieren, um ein Zeichen gegen "Hass und Rassismus" zu setzen. Auch die Café-Kette Starbucks teilte inzwischen mit, vorerst auf Werbung auf Facebook und in anderen Online-Netzwerken zu verzichten.

Facebook will Standards erhöhen

Die Organisation Anti-Defamation League hatte zuvor im Rahmen einer Kampagne unter dem Motto "Stoppt den Hass aus Profit" zum Boykott von Facebook aufgerufen. Sein US-Werbebudget will Unilever indes nicht kürzen, die geplanten Ausgaben sollen nun auf andere Unternehmen verteilt werden. Starbucks schloss sich dem Boykottaufruf ebenfalls explizit nicht an. Für die Kommunikation mit Kunden und Mitarbeitern wolle das Unternehmen die Plattform auch weiterhin nutzen, hieß es.

Facebook teilte mit, künftig stärker gegen Hassnachrichten vorgehen und Falschmeldungen vor den US-Präsidentschaftswahlen löschen zu wollen. Inkorrekte Inhalte, die Menschen in den drei Tagen direkt vor der Abstimmung im November vom Wählen abhalten sollen, würden entfernt, sagte Facebook-Chef Mark Zuckerberg.

Außerdem würden die Standards für Werbung erhöht, um auch dort abwertende und hasserfüllte Botschaften bezüglich ethnischer Zugehörigkeit, Religion oder sexueller Vorlieben zu blockieren. Zuckerberg kündigte zudem an, einige Facebook-Inhalte, die eigentlich gegen die Richtlinien des sozialen Netzwerks verstoßen, aber zum Beispiel aufgrund eines prominenten Absenders nachrichtenrelevant sind, künftig mit Hinweisen zu flankieren. "Ich stehe gegen Hass und alles, was zu Gewalt anstachelt", sagte Zuckerberg.

Facebook erzielt fast seinen gesamten Umsatz mit Werbeerlösen. Die US-Protestwelle gegen Rassismus und Polizeigewalt hat die Kritik an Facebook, zu nachlässig mit kontroversen Beiträgen umzugehen, wieder aufflammen lassen. Auch der Konzernchef selbst geriet in die Kritik, weil er sich weigerte, gegen umstrittene Aussagen von US-Präsident Donald Trump einzuschreiten. Dafür gab es sogar Kritik von eigenen Mitarbeitern.

fek/dpa/Reuters/afp
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.