Universal Music Angriff ist die beste Verteidigung

In Sachen Online-Vertrieb von Musik geht die Universal Group in die Offensive: Der Musikkonzern gibt rund 43.000 Titel zum Einzelverkauf über diverse Web-Shops frei - eine Strategieänderung hin zum Warenverkauf, weg von Eintrittsgeldern zu Musikläden.


Bitte, bitte, kauft mich: Schmalz-Sirene Mariah Carey soll dem Beginn der neuen Digital-Verkaufsära das Willkommenslied singen
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Bitte, bitte, kauft mich: Schmalz-Sirene Mariah Carey soll dem Beginn der neuen Digital-Verkaufsära das Willkommenslied singen

In den letzten Jahren setzte die Musikindustrie weitgehend vergeblich auf die Entwicklung von Abo-Musikdiensten, um der wachsenden Konkurrenz durch Musiktauschbörsen, über die raubkopierte Lieder vertrieben werden, Herr zu werden. Jetzt scheint sich ein anderer, pragmatischerer Ansatz zum Trend zu entwickeln: Nach EMI versucht es nun auch der weltweit größte Musikkonzern Universal mit dem Einzelverkauf von Liedern oder gesamten CD-Datenbeständen über Web-Shops.

Der Ansatz erscheint weit logischer: Digitale Musik wäre dann potenziell dort erhältlich, wo man im Web auch andere Waren einkauft. Auch dem Entstehen von One-Stop-Shops, über die man an die Waren aller Konzerne herankäme, stünde dann nichts mehr im Wege.

Bisher setzten die Musikkonzerne auf verschiedene, Label-basierte Verkaufsplattformen - eine Einkaufssituation, die in der "Steinwelt" keine Entsprechung hat: In herkömmlichen Musikgeschäften erwartet man das volle Programm, nicht nur die Songs und Künstler eines bestimmten Musikkonzerns. Auch monatliche Abo-Zahlungen, die zum Betreten eines Label-gebundenen Shops berechtigen, sind ein Ansatz, der sich seit Bestehen von Diensten wie MusicNet oder Pressplay offenbar nicht im erhofften Maße bewährt hat.

Nun soll das Kopieren von Liedern und ganzen Alben einzeln bezahlt werden können und die Ware nicht nur Abonnenten zugänglich sein, teilte der zum amerikanisch-französischen Medienunternehmen Vivendi gehörende Musikkonzern am Mittwoch mit. Emi preschte vor wenigen Tagen mit einer entsprechenden Initiative vor, andere große Musiklabel bieten Musik im Internet bislang nur gegen monatliche Mitgliedsgebühren an.

Universal will einzelne Lieder von Musikern wie dem Rapper Eminem, der Sängerin Diana Krall und der Band U2 in den USA für 0,99 Dollar und Alben für 9,99 Dollar digital verkaufen. Die Musik könne auf CD gebrannt oder auf sichere tragbare Geräte kopiert werden. Der Dienst werde von mehr als 25 Websites und Geschäften angeboten, darunter MP3.com, Best Buy Co., Inc., Circuit City Stores Inc. und Tower Records. Universal will das neue Angebot mit der neuen Single von Mariah Carey starten. Die Musikfreunde sollen sich die Single schon vor dem Erscheinen des Albums online aus dem Netz laden können.

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