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Unveröffentlichte Songs im Netz: Diese Popstars wurden abgezockt

Foto: Tonino Di Marco/ dpa

Unveröffentlichte Hits im Netz Musikdiebe zockten Popgiganten ab

Justin Timberlake, Lady Gaga, Kesha - sie und viele andere Popstars sind von zwei Männern aus NRW bestohlen worden. Mit Hilfe von Trojanerprogrammen brachen die Kriminellen in die Rechner der Musiker ein, stahlen unveröffentlichte Songs und boten diese im Web an.

Mit einer im Netz durchaus gängigen kriminellen Methode haben zwei junge Männer aus Nordrhein-Westfalen die Musikbranche in Aufruhr versetzt. Via Internet sollen sie brandneue Musiktitel internationaler Popgrößen geklaut und als Raubkopien verkauft haben. Zu ihren Opfern gehören unter anderem Justin Timberlake, Lady Gaga, Kesha und Kelly Clarkson, erklärte der Duisburger Oberstaatsanwalt Rolf Haferkamp am Mittwoch der "Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung" zufolge. Bei einem großen Teil der von ihnen angebotenen Titel habe es sich um noch unveröffentlichte Musikstücke gehandelt, zitiert die Zeitung Haferkamp.

Um an die noch unveröffentlichten Songs zu kommen, sollen die beiden Männer sogenannte Trojanersoftware verwendet haben, also getarnte Programme, die beispielsweise über fingierte Mails oder Web-Seiten auf die Computer der Opfer eingeschleust werden und im Hintergrund aktiv sind. "Die Masche als solche ist nichts Besonderes. Es erfordert nur ein gewisses Know-how und Beharrlichkeit, um zum kriminellen Erfolg zu kommen", sagte Haferkamp.

Auf diese Weise haben die mutmaßlichen Täter demnach Zugang zu den E-Mails und anderen Daten ihrer Opfer bekommen. In einem Fall sollen sie auch Nacktfotos erbeutet haben, mit denen sie ihr Opfer erpressten. Um wen es sich dabei gehandelt habe, teilte die Staatsanwaltschaft nicht mit.

Die mutmaßlichen Täter wohnen noch bei den Eltern

Die Folgen waren gravierend: Einige Musiker hätten unter dem Druck, der durch die Verfügbarkeit der Raubkopien entstanden sei, ihre neuen Alben eilig auf den Markt gebracht und seien früher auf Tournee gegangen, sagte er.

Die Beschuldigten, ein 17-jähriger Discjockey aus Duisburg und ein 23-jähriger Mann aus Wesel, wohnen nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch bei ihren Eltern. Bis auf das Nacktfoto hätten sie ausschließlich Musik heruntergeladen. Das Foto sei wohl eher ein Zufallsfund gewesen, den der junge DJ für seine Zwecke zu nutzen versucht habe. Das darauf abgebildete Opfer sollte einen "shoutout" auf einen Tonträger aufsprechen, eine Art Empfehlung für den Discjockey aus berufenem Promi-Mund, wie Haferkamp sagt.

Bei einer Untersuchung der Rechner der mutmaßlichen Täter seien Tausende E-Mail-Adressen, darunter viele von Berühmtheiten der US-Pop-Szene gefunden worden, berichtet die Zeitung. Außerdem habe man auf den Festplatten Zehntausende Popsongs entdeckt.

Die erbeuteten Songs boten die Hacker nach Erkenntnissen der Ermittler online zum Kauf an, sie verdienten damit eine fünfstellige Summe. Der Schaden, der den Musikern entstanden sei, läge allerdings weit über dem Gewinn der Diebe. Das, so der Oberstaatsanwalt, sei "vom Schaden her eine echte Nummer".

Songs gelangen oft zu früh ins Netz

Die beiden Kriminellen wurden schließlich Opfer ihrer Gier, als sie sich mit ihrer Beute an einen Fan-Club von Kelly Clarkson wandten. Dort wurde man misstrauisch, wandte sich an die Künstleragentur, und die ging zur Polizei. Daneben gab es dem Bericht zufolge eine weitere Anzeige von einer nicht namentlich genannten Person.

Seit einigen Jahren komme es immer wieder mal vor, dass Songs auch von großen Künstlern vor der offiziellen Erscheinung im Netz auftauchen, hieß es bei einem Tonträger-Unternehmen. "Dadurch, dass Informationen digital verfügbar sind und mehrere Leute darauf Zugriff haben, kann das immer passieren, dass so was rauskommt", sagte ein Insider der dpa. Das sei immer auch mit einem wirtschaftlichen Schaden verbunden. Kriminelle Machenschaften seien in dem Zusammenhang aber eher selten.

mak/dpa
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