Urheberrechtsnovelle Noch nicht das Ende vom Lied?

2. Teil: Geräteabgabe: 300 Euro mehr für einen Drucker?


SPIEGEL ONLINE: Was wird denn besser durch den Zweiten Korb?

Bettin: Eine ganz wichtige Sache: Im ursprünglichen Gesetzentwurf stand die sogenannte 5-Prozent-Klausel als Kappungsgrenze für Abgaben der Gerätehersteller an die Urheber. Das bedeutete, dass die Hersteller maximal fünf Prozent des Verkaufspreises für ein kopier- oder abspielfähiges Gerät als Abgabe an die Verwertungsgesellschaften der Urheber abtreten sollten. Da bestand die große Gefahr, dass die Hersteller einfach die Gerätepreise niedrig halten würden, dafür aber die Verbrauchsmaterialien verteuern. Das ist jetzt geändert worden, und darin sehen wir eine deutliche Verbesserung für die Urheber.

SPIEGEL ONLINE: Der IT-Branchenverband Bitkom sieht das im Gegensatz zu Ihnen als Katastrophe, spricht davon, dass sich nun beispielsweise der Preis für Drucker um 10 bis 300 Euro erhöhen könnte.

Bettin: Das sehen wir nicht so. Wir gehen davon aus, dass die Regelung, zu der wir gefunden haben, ausreichend ist und dass es dadurch nicht zu größeren Verteuerungen für die Verbraucher kommen wird. Denn die Vergütungshöhe wird in Zukunft zwischen den beiden betroffenen Seiten – Urheber bzw. Verwertungsgesellschaften auf der einen, Geräteindustrie auf der anderen – ausgehandelt. Das wird zwingend zu einem vernünftigen Konsens führen. Im Streitfall wird ein Schlichtungsverfahren entscheiden.



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DJ Doena 04.04.2007
1.
Der Haken ist doch, dass die Verwerter (nicht mal die Urheber an sich) gern viel mehr Rechte/Überwachung über digitale Werke haben wollen, als sie mit LP/CD/Video je hatten. Das wird immer gerne mit der verlustfreien Kopie begründet, die jetzt möglich ist. Ich würde aber Heller und Pfennig verwetten, dass wenn es DRM schon zu LP-Zeiten gegegben hätte, die MI hätte auch dann versucht, ein PPU (pay per use) einzuführen. Copyrights sollten wie Patente einfach irgendwann verfallen. Und irgendwann meint nicht "forever minus one day"
Think-Smart 04.04.2007
2.
Digitale, kinderleicht kopierbare Medien einzuführen und zu verbreiten, und dabei sich über Kopien zu beschweren, ist so, als würde man einem kleinen Kind eine Rasierklinge zum spielen geben und sagen" Wehe du schneidest dich!" Nicht die Nutzer haben die Medien digital gemacht, sondern die Industrie. Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen sie dann bitte die Packungsbeilage.
Oinki, 04.04.2007
3.
Zitat von sysopViele der Regelungen, mit denen Gesetzgeber und Industrie digital vertriebene Waren schützen wollen, sind den Kunden kaum noch zu erklären. Reichen die bestehenden Rechte in Zeiten von DRM und Kopierschutz einerseits, Brennern, MP3-Sticks und Tauschbörsen andererseits überhaupt noch? Was müsste passieren, um allen Seiten gerecht zu werden?
Letzten Endes sind das alles Rückzugsgefechte einer Vermarktungsform, die noch nie funktioniert hat. Seit es die Idee geistigen Eigentums gibt, gibt es auch deren Diebstahl. Nur ist seit der industriellen Vervielfältigung, angefangen bei Gutenberg, genug für die Urheber und die Vervielfältiger hängen geblieben. Das digitale Zeitalter hat die Karten neu gemischt und es müssen neue Wege gefunden werden, die Urheber angemessen zu honorieren. Ich erwähne ausdrücklich nur die Urheber. Musik-, Spiele- , und sogar Buchdruckindustrie bedienen ein Modell, das abgewirtschaftet hat. Deshalb sind diese ganzen Spitzfindigkeiten, die sich diese Industrien einfallen lassen, eigentlich nichts anderes, als das Gejammer der Kohleindustrie nach künstlicher Lebensverlängerung durch Subventionen.
Patina, 04.04.2007
4.
Bin gespannt, wie sich der neue Ansatz entwickelt, Musik ohne DRM teurer zu verkaufen. Damit wäre das Thema entspannt. Ansonsten hat sich die Musikindustrie in der letzten Zeit nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Die Umsatzrückgänge liegen sicher nur zum Teil an den Kopiermöglichkeiten, sondern wesentlich auch an der immer langeweiliger werdenden Musik.
Pablo alto, 04.04.2007
5. Noch ein Sozialismus-Versuch?
Zitat von DJ DoenaDer Haken ist doch, dass die Verwerter (nicht mal die Urheber an sich) gern viel mehr Rechte/Überwachung über digitale Werke haben wollen, als sie mit LP/CD/Video je hatten. Das wird immer gerne mit der verlustfreien Kopie begründet, die jetzt möglich ist. Ich würde aber Heller und Pfennig verwetten, dass wenn es DRM schon zu LP-Zeiten gegegben hätte, die MI hätte auch dann versucht, ein PPU (pay per use) einzuführen. Copyrights sollten wie Patente einfach irgendwann verfallen. Und irgendwann meint nicht "forever minus one day"
Klar, und die Häuser sollten eines Tages den Mietern gehören, die Fabriken den Arbeitern und der "Spiegel" seinen Lesern.
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