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28. Juni 2013, 11:46 Uhr

Zensur

US-Armee sperrt Zugang zu "Guardian"-Artikeln

Die US-Armee verhindert in ihrem Netzwerk den Zugriff auf "Guardian"-Artikel: Die Enthüllungen über geheime Internetüberwachung sind für die Soldaten gesperrt. Es ist nicht das erste Mal, dass die Armee den Zugang zu Medienseiten kappt.

Die Heeresleitung der US-Streitkräfte setzt Netzsperren ein, um die eigenen Soldaten davon abzuhalten, sich über den Prism-Skandal zu informieren. Dafür hat die US-Armee den Zugang zu Teilen der "Guardian"-Website für die eigenen Soldaten gesperrt, meldet der "Monterey Herald". Mitarbeiter des Militärstützpunktes hatten der Lokalzeitung gesteckt, dass Seiten gesperrt wurden, nachdem das Portal diverse Geschichten über das Spionageprogramm Prism der National Security Agency (NSA) veröffentlicht hatte.

Ein Sprecher des Army Network Enterprise Technology Command (Netcom) bestätigte dem "Monterey Herald" per E-Mail, dass "einige Zugänge zu Presseberichten blockiert worden seien, die Inhalte über die geheimen NSA-Dokumente veröffentlicht hatten". Und zwar in allen Militärstützpunkten der US-Armee, nicht nur in der kalifornischen Stadt Monterey.

Netcom ist dafür verantwortlich, dass das Computernetzwerk der Streitkräfte gegen Angriffe geschützt wird, unter anderem gegen Hackerattacken. Doch offenbar wird dort auch der Zugang zu unbequemen Geheimdokumenten verhindert. Selbst dann, wenn sie längst überall auf der Welt veröffentlicht worden sind. Dem Netcom-Vertreter zufolge sei die Sperrung der Seiten eine Maßnahme zur "Netzwerk-Hygiene". Man versuche alles, um die Balance zwischen dem Zugang zu Informationen und dem Betriebsschutz zu finden, sagte der Netcom-Sprecher dem "Monterey Herald".

Der Whistleblower Edward Snowden hatte dem "Guardian" die Geheimdokumente über das Überwachungsprogramm der NSA übergeben. Seither berichten etliche Medien über den Prism-Skandal. Die britische Zeitung hat in den vergangenen Wochen neue Details über das Geheimprojekt der US-Regierung veröffentlicht. Der "Guardian" berichtet auf der eigenen Website bisher nicht über die Netzsperre. Chefredakteur Alan Rusbridger verschickte den Link auf die Nachricht aber über Twitter.

Es ist nicht das erste Mal, dass US-Soldaten von der Berichterstattung über geheime Dokumente der US-Regierung ausgesperrt werden. Im Dezember 2010 blockierte die US-Luftwaffe ebenfalls den "Guardian", genau wie die Nachrichtenportale "New York Times", "Le Monde" und SPIEGEL ONLINE. Der Grund: Den Soldaten sollte der Zugang zu den US-Diplomatendepeschen verweigert werden, die WikiLeaks veröffentlicht hatte. Die US-Armee wurde damals in den Medien heftig für die Maßnahme kritisiert.

jbr

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