Kim Dotcom US-Justizministerium legt seine Erkenntnisse gegen Megaupload vor

Auf fast 200 Seiten listet das US-Justizministerium auf, warum sie die Dateiplattform Megaupload geschlossen hat und den Gründer vor Gericht stellen will. Kim Dotcom beklagt einen "PR-Stunt".

 Megaupload: Nur Dateien getauscht?


Megaupload: Nur Dateien getauscht?


War Megaupload nur eine Plattform, auf der Dateien getauscht wurden - oder haben die Betreiber wissentlich mit illegalen Kopien Geld verdient? US-Ermittler wollen Megaupload-Gründer Kim Dotcom vor Gericht stellen. Nun haben sie Teile ihrer Ermittlungen veröffentlicht, die Megaupload in ein schlechtes Licht rücken.

Auf 191 Seiten erklärt das US-Justizministerium, dass Megaupload von den Urheberrechtsvergehen seiner Nutzer gewusst und diese sogar noch technisch unterstützt haben soll. Rechteinhaber und Strafverfolger seien getäuscht worden. Megaupload war im Januar 2012 von den US-Behörden geschlossen worden. Kim Dotcom kämpft derzeit in Neuseeland gegen seine Auslieferung.

Wie schon in der Anklageschrift bezeichnet das US-Justizministerium Kim Dotcoms Unternehmen als "Mega Conspiracy", als Mega-Verschwörung - und die Liste der Hinweise auf mögliche Straftaten ist lang.

Da wären zum einen die Daten, die zeigen sollen, dass Megaupload vorwiegend der illegalen Verbreitung von urheberrechtlich geschützten Inhalten ging. 43 Prozent aller auf Megavideo gespeicherten Clips seien bereits von den Rechteinhabern zum Löschen markiert worden. Von den 66,6 Millionen registrierten Nutzern hätten nur 5,86 Millionen mindestens eine Datei hochgeladen, der Rest sei nur als Konsument aktiv geworden.

Das Lösch-Tool, das Megaupload auf Druck der US-Behörden eingerichtet hatte und mit dem Rechteinhaber selbständig Daten von den Mega-Servern löschen können sollten, soll nur begrenzt funktioniert haben: Es habe nicht die auf den Servern gespeicherten Dateien gelöscht, sondern nur die Verbindung zwischen öffentlicher URL und Datei - einer (von möglicherweise vielen) Wegen zu so einer Datei wäre damit versperrt gewesen.

475 Millionen verdächtige Zugriffe

Megaupload sei außerdem nicht ausreichend gegen die größten Piraten unter den eigenen Kunden vorgegangen. So seien allein 33 Nutzer für 475 Millionen Zugriffe auf urheberrechtlich problematische Inhalte verantwortlich gewesen - einen Rauswurf hatten sie angeblich nicht zu befürchten. Unter den Uploadern geschützten Materials seien auch die eigenen Mitarbeiter gewesen, etwa der hauptverantwortliche Programmierer.

Um die Legitimität des eigenen Angebots zu untermauern, so die Ermittler, habe Dotcoms Team außerdem zufällig Videos von YouTube ins eigene Angebot kopiert und mit zufälligen Mega-Kunden verbunden. Ein Hinweis auf das Wissen um die Problematik des eigenen Tuns?

Dotcom verurteilte die Veröffentlichung der angeblichen Beweise: Das Justizministerium ignoriere eine richterliche Anweisung aus Neuseeland und veröffentliche "handverlesene, aus dem Kontext gerissene und manipulierte Beweise", das Ganze sei ein "PR-Stunt".

Die Veröffentlichung des Justizministeriums hat ein Ziel: Sie soll nicht nur Transparenz schaffen, sondern auch weitere mögliche Geschädigte ermächtigen, gegen Kim Dotcom und Megaupload vorzugehen. Die Unterlagen wären planmäßig erst im Juli 2014 im Zuge der Auslieferungsverhandlungen Dotcoms veröffentlicht worden.

fkn



insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
Karlos 23.12.2013
1. Die Gretchenfrage wird sein
ob Kim Dotcom als Provider haftbar für die Taten seiner Kunden ist oder nicht. Dass die USA ihn hassen und wahrscheinlich töten werden, so sie ihn erwischen, ist klar. Aber wie ist es in Rechtsstaaten? Wird die Telekom in Deutschland haftbar gemacht, wenn sich Verbrecher für eine Tat übers Telefon verabreden? Muss dann Herr Obermann oder wer ist es gerade, ins Gefängnis? Ist nicht allein die Bereitstellung eines Telefons bereits die Aufforderung zu einer Straftat? Das muss geklärt werden. Eins ist aber jetzt schon klar: Mit Panzern allein wird das nicht gehen.
neu_ab 23.12.2013
2.
Hat Australien denn keinen Auslieferungsvertrag mit den USA? Dieser Kim Schmitz hat den Rechtssystemen schon lange genug schwergewichtig auf der Nase herumgetanzt. Es wird höchste Zeit, daß die XXL-Handschellen klicken.
Ottonormal05 23.12.2013
3.
Zitat von sysopAuf fast 200 Seiten listet das US-Justizministerium auf, warum sie die Dateiplattform Megaupload geschlossen hat und den Gründer vor Gericht stellen will. Kim Dotcom beklagt einen "PR-Stunt". http://www.spiegel.de/netzwelt/web/us-justizministerium-legt-erkenntnisse-gegen-megaupload-vor-a-940627.html
US -Justizministerium? Die machen auch noch was? Diesmal kein Geheimgericht oder Beweise durch die CIA oder NSA Terrororganisationen? Aber das Justizministerium muss wohl die Fassade von Rechtsstaat für den US-Schurkenstaat aufrecht erhalten.
Ostwestfale 23.12.2013
4. Gewaltenteilung?
Zitat von sysopAuf fast 200 Seiten listet das US-Justizministerium auf, warum sie die Dateiplattform Megaupload geschlossen hat und den Gründer vor Gericht stellen will. Kim Dotcom beklagt einen "PR-Stunt". http://www.spiegel.de/netzwelt/web/us-justizministerium-legt-erkenntnisse-gegen-megaupload-vor-a-940627.html
Warum kann ein Ministerium Internetseiten schließen und Ermittlungen anstellen? Ist das nur schlecht formuliert oder hat das US-Justizministerium tatsächlich Befugnisse, die normaler Weie Staatsanwälten und Richtern vorbehalten sei sollte?
kastenmeier 23.12.2013
5.
Zitat von Karlosob Kim Dotcom als Provider haftbar für die Taten seiner Kunden ist oder nicht. Dass die USA ihn hassen und wahrscheinlich töten werden, so sie ihn erwischen, ist klar. Aber wie ist es in Rechtsstaaten? Wird die Telekom in Deutschland haftbar gemacht, wenn sich Verbrecher für eine Tat übers Telefon verabreden? Muss dann Herr Obermann oder wer ist es gerade, ins Gefängnis? Ist nicht allein die Bereitstellung eines Telefons bereits die Aufforderung zu einer Straftat? Das muss geklärt werden. Eins ist aber jetzt schon klar: Mit Panzern allein wird das nicht gehen.
Oh, Mann, das witzigste an Ihrem Post ist, dass man glauben könnte, Sie meinen das ernsthaft.
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