Facebook US-Staatsanwälte wollen »Instagram für Kinder« verhindern

Facebook arbeitet an einer Instagram-Variante für Kinder unter 13 Jahren. Die Generalstaatsanwälte aus 44 amerikanischen Bundesstaaten wollen Mark Zuckerberg nun von diesen Plänen abbringen.
Soziale Medien im Kinderzimmer: Geringes Selbstwertgefühl, Depressionen und Selbstmordgedanken

Soziale Medien im Kinderzimmer: Geringes Selbstwertgefühl, Depressionen und Selbstmordgedanken

Foto: Jens Kalaene/ dpa

Studierende, Rentner, Teenager: Instagram hat in den vergangenen Jahren fast sämtliche Altersschichten für sich begeistern können. Doch gerade bei den jüngsten Nutzerinnen und Nutzern sieht die Facebook-Tochter offenbar Nachholbedarf. Im März, kurz nachdem die Foto-Plattform angekündigt hatte, Minderjährige besser vor Cybergrooming schützen zu wollen, wurde bekannt, dass Instagram eine Version der App bauen will, die von Kindern unter 13 Jahren verwendet werden kann.

Man werde eine »neue Jugendsäule« innerhalb der Produktentwicklung aufbauen, zitierte »Buzzfeed News« aus internen Dokumenten , und die Entwicklung einer App-Version vorantreiben, »die es Menschen unter 13 Jahren ermöglicht, Instagram zum ersten Mal sicher zu nutzen«. Nach den aktuellen Nutzungsrichtlinien können sich nur Teenager für das soziale Netzwerk anmelden. Wer sich für ein Konto registriert, wird aufgefordert, sein echtes Alter anzugeben.

Generalstaatsanwälte warnen vor psychischen Folgen

Dass es künftig eine explizite Kinder-Version von Instagram geben soll, sehen Experten kritisch. Die Generalstaatsanwälte aus 44 US-Bundesstaaten haben ihre Sorgen nun in einem Brief an Facebook-Chef Mark Zuckerberg  artikuliert – und drängen darauf, die Pläne aufzugeben. Facebook habe schon in der Vergangenheit darin versagt, das Wohlergehen von Kindern auf seinen Plattformen zu gewährleisten. »Die Generalstaatsanwälte haben ein Interesse daran, unsere jüngsten Bürger zu schützen. Die Pläne von Facebook, eine Plattform zu schaffen, auf der Kinder unter 13 Jahren ermutigt werden, Inhalte online zu teilen, widerspricht diesem Interesse.«

Der Brief zitiert darüber hinaus Forschungsergebnisse, die vor Cybermobbing von Kindern in sozialen Netzwerken warnen sowie vor psychischen Folgen wie geringem Selbstwertgefühl, Depressionen und Selbstmordgedanken. Immer wieder würden Social-Media-Plattformen auch von Erwachsenen genutzt, um Minderjährige zu kontaktieren.

Facebook reagiere nicht auf einen Bedarf, sondern schaffe stattdessen einen neuen, klagen die Generalstaatsanwälte. »Diese Plattform spricht vor allem Kinder an, die bisher kein Instagram-Konto hatten oder keines haben würden.«

Wachstumsmarkt gegen TikTok

Genau das dürfte vermutlich das Wachstumsversprechen sein, das Facebook antreibt. Zwar nutzen schon jetzt viele Kinder die sozialen Netzwerke des Konzerns, weil Instagram und Facebook wenig gegen falsche Altersangaben unternehmen. In den vergangenen Jahren waren es aber vor allem neue Angebote wie Snapchat oder TikTok, die bei Minderjährigen besonders beliebt waren. Da liegt es nahe, dass ein Dienst wie Instagram diesen Plattformen möglichst früh Nutzerinnen und Nutzer wegnehmen will.

Pavni Diwanji, der laut »Buzzfeed News« für das Instagram-Projekt zuständig ist, war zuvor bei Google für die Entwicklung von YouTube Kids verantwortlich. Auch Facebook hatte bereits mit Kinder-Programmen experimentiert: 2017 startete das Unternehmen Messenger Kids – und sah sich innerhalb kürzester Zeit mit Kritik konfrontiert, seine Nutzer nicht ausreichend vor Kontakten zu Erwachsenen zu schützen.

Ähnliche Pannen will Facebook bei Instagram Kids vermeiden. In einer Stellungnahme sagte ein Facebook-Sprecher, das Unternehmen habe gerade erst damit begonnen, an einer Version der App zu forschen. Außerdem verpflichte man sich schon jetzt dazu, auf dieser Plattform keine Anzeigen zu zeigen. Man werde sich außerdem von Experten für Datenschutz, Sicherheit und die psychische Gesundheit von Kindern beraten lassen, sagte Facebook. Eine Ankündigung, die zweifeln lässt: Bei Messenger Kids stellte sich später heraus , dass die meisten Experten, die an der Entwicklung der App beteiligt waren, von dem Konzern bezahlt wurden.

rai