Verbreitung von Falschinformationen Wie Facebook und Twitter auf Trumps Wahlsieg-Behauptung reagieren

Facebook und Twitter haben Donald Trumps Falschbehauptung, er habe die Wahl gewonnen, schnell mit Warnhinweisen versehen. Im Detail gingen die Social-Media-Dienste aber sehr unterschiedlich vor.
Donald Trump behauptet fälschlicherweise: "Offen gesagt, wir haben diese Wahl gewonnen"

Donald Trump behauptet fälschlicherweise: "Offen gesagt, wir haben diese Wahl gewonnen"

Foto: KIM KYUNG-HOON / REUTERS

US-Präsident Donald Trump hat am frühen Mittwochmorgen mit den Worten "Offen gesagt, wir haben diese Wahl gewonnen" seinen Wahlsieg erklärt, lange bevor die Auszählung der Stimmen beendet war. Wer den Präsidentschaftswahlkampf 2020 in den USA tatsächlich gewonnen hat, wird möglicherweise erst in Tagen oder gar Wochen feststehen. Aber bei Facebook war man auf exakt dieses Szenario vorbereitet: Schon Anfang Oktober hatte das Unternehmen gezeigt , wie die Hinweise aussehen würden, die es auf Instagram und Facebook in so einem Fall einblenden würde.

So kam es auch am Mittwochmorgen deutscher Zeit. "Sobald Präsident Trump anfing, verfrühte Behauptungen über seinen Sieg zu verbreiten, haben wir auf Facebook und Instagram darauf hingewiesen, dass die Stimmen noch gezählt werden und ein Gewinner noch nicht prognostiziert wurde", teilte Facebook mit . "Wir versehen außerdem entsprechende Posts beider Kandidaten automatisch mit Hinweisen."

Auf Facebook war das zuerst unter Trumps kurzem Post  "Ich werde heute Abend ein Statement abgeben. Ein großer SIEG!" zu sehen. Facebook blendete darunter den Hinweis "Stimmen werden noch gezählt. Der Gewinner der US-Präsidentschaftswahl 2020 wurde noch nicht prognostiziert" ein.

Unter dem Facebook-Video von Trumps Ansprache, in der er sich vorschnell zum Wahlsieger erklärte, hieß es: "Endresultate können anders ausfallen als erste Ergebnisse, da die Auszählung Tage oder Wochen dauern kann".

Beide Posts können aber weiterhin geteilt und kommentiert werden, was auch bereits zehntausendfach geschehen ist. Das Unternehmen bestätigte auf SPIEGEL-Anfrage, dass die Reichweite der Beiträge nicht eingeschränkt worden sei. Diesen Schritt unternimmt Facebook manchmal bei irreführenden oder falschen Inhalten, um dafür zu sorgen, dass sie weniger Nutzerinnen und Nutzern angezeigt werden.

Twitter erschwert das Teilen des Trump-Tweets

Auf Twitter dagegen kann ein wortgleicher Beitrag von Donald Trump nicht mehr ohne Weiteres verbreitet werden. Wenn Nutzerinnen und Nutzer Trumps Tweet teilen wollen, in dem er ohne Belege vom Versuch "die Wahl zu stehlen" spricht, wird zunächst ein Warnhinweis angezeigt. Man solle dabei helfen, dass Twitter weiterhin ein Ort für zuverlässige Informationen bleibe, heißt es dort.

Erst nach insgesamt vier Klicks lässt sich Trumps Tweet dennoch teilen, allerdings nur versehen mit einem selbst geschriebenen Kommentar.

Twitter äußerte sich bereits kurz nach Trumps Tweet zum eigenen Vorgehen. In einem Tweet erklärte das Unternehmen, Trump habe eine "möglicherweise irreführende Behauptung über Wahlen" verbreitet. Außerdem verwies das Unternehmen auf die eigenen Regeln, mit denen die Integrität von Wahlen geschützt werden sollen.

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Laut den Unternehmensregeln können Beiträge, in denen sich Kandidaten noch vor Verkündigung des offiziellen Ergebnisses zum Sieger erklären, mit einem entsprechenden Warnhinweis versehen oder vollständig gelöscht werden. Twitter setzt aktuell also genau das um, was es in seinen noch im Oktober aktualisierten Regelungen zum Umgang mit Wahlen  angekündigt hat.

Auf YouTube hingegen gibt es unter dem Video in Trumps offiziellem Kanal bisher keinerlei Hinweis darauf, dass der Präsident falsche Behauptungen zum Wahlausgang verbreitet.

Hinweis: Ein YouTube-Sprecher teilte am Nachmittag mit, US-Nutzern würde unter dem Trump-Video ein Banner mit Informationen zur Wahl gezeigt.

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