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Patrick Beuth

Irreführende Bilder aus den USA Das schwarze Weiße Haus

Patrick Beuth
Ein Netzwelt-Newsletter von Patrick Beuth

Liebe Leserin, lieber Leser,

am Montag habe ich auf Twitter ein eindrückliches Foto  des abgedunkelten Weißen Hauses gesehen und prompt geteilt, zusammen mit dem Motto der "Washington Post" - "Democracy dies in darkness". Das hätte ich nicht tun sollen.

Stundenlang hatte ich mich durch meine Timeline gescrollt, Artikel gelesen und Podcasts gehört, um mir ein Bild davon zu machen, was in den USA gerade passiert. Was man halt so tut, wenn man an einem Feiertag in der Sonne sitzt und nur ein Smartphone dabei hat.

Dass die Außenbeleuchtung des Weißen Hauses fast komplett abgeschaltet worden sei, hatte ich mehrfach gelesen, unter anderem bei der "New York Times" , und auch Bilder aus verschiedenen Perspektiven hatte ich gesehen. Aber das Foto, das ich letztlich teilte, war (qualitativ) zu gut, um wahr zu sein. Unter dem Originaltweet entstand eine Diskussion über die Authentizität. Alsbald verwies jemand auf ein altes Stockfoto, das die Quelle für den Tweet und dazu noch leicht bearbeitet worden war, damit es noch dunkler wirkt. Ich habe meinen Retweet daraufhin gelöscht und erklärt, warum .

Das Weiße Haus am 31. Mai 2020

Das Weiße Haus am 31. Mai 2020

Foto: JONATHAN ERNST/ REUTERS

Die Unruhen in den USA über soziale Medien zu verfolgen, ist faszinierend. Rohe, emotionale, amateurhafte Inhalte wechseln sich ab mit Beiträgen professionell arbeitender Medien, mitunter vermischt sich beides. Die einfachsten Mittel der Selbstbefragung, um Irreführendes zu erkennen, reichen dann mitunter nicht mehr aus: Ist die Quelle zu identifizieren und als seriös einzuschätzen? Gibt es eine zweite Quelle? Ist die Botschaft sachlich oder rein emotional?

Rückwärtssuchen nach Bildern bei Yandex oder Google können manchmal helfen. Oder, wenn möglich, direkte Nachfragen bei der vermeintlichen Quelle, ob sie ein Foto selbst gemacht hat, oder bei den in einem Beitrag erwähnten Personen oder Institutionen, ob die Darstellung korrekt ist. Theoretisch nützlich bei der Einordnung von Fotos wären die EXIF-Daten , aber Twitter und Facebook entfernen diese beim Upload.

Manchmal finden Faktenchecks direkt in den Antworten unter einem Beitrag statt - es kann sich also lohnen, weit nach unten zu scrollen und danach Ausschau zu halten. Mitunter erkennen Nutzer ein Bild oder Video, das aus einem ganz anderen Kontext stammt, nämlich sofort wieder.

Anschauungsmaterial gibt es derzeit bei "BuzzFeed News" . Die Journalisten haben mehrere Dutzend irreführende bis falsche Posts zu den Unruhen gesammelt und richtiggestellt. So erfährt man: Nein, der Fernsehsender MSNBC hat nicht versucht, die Situation mit Ausschnitten aus einem Zombiefilm zu bebildern. Nein, da hat kein Plünderer versucht, einen Geldautomaten mit dem öffentlichen Bus abzutransportieren. Und nein, es ist kein Tiger aus dem Zoo von Oakland entlaufen.

Aber manchmal lassen sich Zweifel an der Echtheit von Inhalten nicht ganz auflösen. Notiz an mich: In solchen Fällen sollte man sie schlicht nicht weiterverbreiten.

Seltsame Digitalwelt: Pandemie auf dem Phone

Haben Sie im Zuge der Corona-Pandemie Ihren Smartphone-Bildschirm angepasst? Welche Apps sind dazugekommen, welche sind unwichtiger geworden? Wenn irgendwann demnächst die Corona-Warn-App fertig ist, welche App würden Sie dafür von Ihrem Startbildschirm schmeißen - sofern Sie beim digitalen Contact Tracing mitmachen wollen?

Bei mir wären es die 13(!) installierten Reise- und Mobilitäts-Apps, die ich auf den ersten Blick als überflüssig identifiziert habe. Keine davon werde ich in absehbarer Zeit brauchen.

Und ist es eigentlich normal, dass ich von mindestens einem halben Dutzend überhaupt nicht mehr weiß, wozu sie gut sein sollen? Wird wohl Zeit für einen Frühjahrsputz.

App der Woche: "Wickie und die starken Männer - Abenteuer"

getestet von Tobias Kirchner

Foto: Midnight Pigeon

"Wickie und die starken Männer - Abenteuer" ist ein charmantes Lernspiel für Kinder, das auf der gleichnamigen Serie basiert. Spielerisch wird dem Nachwuchs das Verständnis für Formen, Zahlen und Farben nähergebracht. Dabei sind die Rätsel in eine unterhaltsame Geschichte eingebaut. So müssen es die Wikinger rechtzeitig nach Hause schaffen, um beim Mondscheinfestival dabei sein zu können. Um das zu schaffen, muss richtig gezählt oder müssen Formen korrekt gezeichnet werden. Die Aufgaben richten sich dabei an Kinder im Vorschulalter.

Für 1,09 Euro (iOS) oder für 1,79 Euro (Android), von Midnight Pigeon: iOS , Android 

Fremdlinks: Drei Tipps aus anderen Medien

  • "The Lawfare Podcast: Bart Gellman on 'Dark Mirror'"  (Englisch, Podcast, eine Stunde)
    Bart Gellmann hat für die "Washington Post" über die Snowden-Leaks berichtet. Nun hat er ein Buch darüber geschrieben, es heißt "Dark Mirror". Im Podcast erzählt er angenehm unaufgeregt, wie es war, mit Snowden zu arbeiten, und welche technischen Sicherheitsvorkehrungen er traf, um es der US-Regierung zumindest "so schwer wie möglich zu machen", ihm die geheimen Dokumente wegzunehmen.

  • "This Bot Hunts Software Bugs for the Pentagon"  (Englisch, vier Leseminuten)
    "Wired" berichtet über eine Software namens Mayhem, die automatisch Sicherheitslücken in Software findet. Ich hatte selbst schon einmal über einen derartigen Hacker-Vollautomaten geschrieben, aber der war damals nicht ansatzweise fertig. Mayhem dagegen ist bereits im Einsatz.

  • "China's giant radio telescope will start searching for aliens in September"  (Englisch, eine Leseminute)
    Ein Riesenteleskop in China wird demnächst (auch) nach Signalen von Außerirdischen suchen. "Engadget" hat kurz und knapp die wichtigsten Fakten zusammengefasst. Wer wissen möchte, wohin das alles führen könnte, muss die ungleich umfangreichere "Trisolaris"-Trilogie von Liu Cixin lesen.

Ich wünsche Ihnen eine sonnige Woche.

Ihr Patrick Beuth

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