USA Oberster Gerichtshof verhandelt über Internet-Tauschbörsen

Wer trägt die Verantwortung, wenn Raubkopien im Internet ausgetauscht werden? Diese brisante Frage beschäftigt jetzt den Obersten Gerichtshof der USA. Die Richter nahmen einen entsprechenden Prüfantrag der Unterhaltungsindustrie an.

Washington - Laut der Nachrichtenagentur Reuters wird das Gericht prüfen, ob die dezentralen Netzwerke, auf deren Festplatten Musik und Filme getauscht werden können, für illegales Kopieren ihrer Kunden verantwortlich gemacht werden können. Untergeordnete Instanzen hatten es bislang abgelehnt, Netzwerke wie "Grokster" oder "Morpheus" zu schließen, die es den Nutzern erlauben, Musik und Filme kostenfrei zu kopieren. Zur Begründung hieß es, die Netzwerke dienten auch legitimen Zwecken. Voraussichtlich im März werden die Richter die Kontrahenten anhören. Das Urteil wird bis Ende Juni erwartet.

Der Unterhaltungsbranche war es zwar gelungen, die Musiktauschbörse "Napster" zu schließen, doch sind seither zahlreiche dezentrale Tauschbörsen entstanden. "Grokster" ist nur eine von vielen Internet-Tauschbörsen, die von der weltweiten Musik- und Filmindustrie für jahrelange Umsatzeinbußen verantwortlich gemacht wird.

Der Bertelsmann-Konzern war im Jahr 2000 eine Allianz mit "Napster" eingegangen und hatte damit die Kritik seiner eigenen Musiktochter BMG und deren Konkurrenten wie Universal Music und EMI auf sich gezogen. Die Musikindustrie wirft Bertelsmann vor, durch die Investition die Existenz von "Napster" verlängert und so den Schaden für die Branche vergrößert zu haben. Derzeit verhandelt die gemeinsame Musiktochter von Sony und BMG, Sony BMG, mit "Grokster" über eine Zusammenarbeit.