USA Wahlkampf mit Barcode-Leser und PDA

Beim Stimmenfang setzen US-Parteien auf Hightech. Mit Barcode-Lesegeräten und Palm Pilots ziehen die Mitglieder von Demokraten und Republikanern durch die Gemeinden und registrieren das politische Potenzial.


Bush-Wahlwebsite: Mit Datenbanken auf Wählerjagd

Bush-Wahlwebsite: Mit Datenbanken auf Wählerjagd

Wenn Zeit Geld ist, dann ist Technik im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf unbezahlbar. Beide Parteien gehen deutlich über das hinaus, was John McCain vor vier Jahren mit seiner Spendensammlung im Internet vormachte und was Howard Dean hinsichtlich des Einsatzes des Internets im Vorwahlkampf zeigte. Die Parteisoldaten vor Ort greifen zu Barcode-Lesegeräten und Palm Pilots, um Wähler zu erfassen und später auf ihre Seite zu ziehen.

"In diesem Jahr ist alles neu", sagt Carol Carr vom Institut für Politik, Demokratie und Internet an der Universität Washington. "Es gibt die Zeit vor Dean und nach Dean."

Die vielleicht auffallendste neue Technik nennt sich WebVoter. Entwickelt wurde sie von Joel Cary, einem Computerunternehmer und langjährigen Mitglied der Republikaner in Minnesota. Die rund 60.000 Parteianhänger in diesem US-Staat erhielten Benutzernamen und Passwörter für eine bestimmte Web-Site. Wenn sie sich anmelden, bekommen sie zur Begrüßung eine Liste mit 25 Namen in ihrer Nachbarschaft, die für die Partei als Wähler gewonnen werden könnten.

WebVoter erstellt diese Liste aus einer Reihe von Datensätzen, wobei Menschen, die schon als Demokraten oder Republikaner registriert sind, herausfallen. Die Parteimitglieder können die genannten Personen dann besuchen oder bei der nächsten Feier ansprechen, um ihre politische Einstellung zu erfahren. Mit diesen Informationen wird die Datenbank dann wieder aktualisiert. Die Republikaner sparen mit dieser Technik viel Geld, weil Personen, die den Demokraten zuzurechnen sind, gar nicht mehr kontaktiert werden. Potenzielle Wähler dagegen werden der Liste hinzugefügt.

Herausforderer Kerry: Palm Pilots für die Basis
AP

Herausforderer Kerry: Palm Pilots für die Basis

Nicht jeder ist über diese Sammlung an Daten erfreut. "Das hat schon was von einer Überwachung nach Big-Brother-Art", sagt Kerry Adelmann, der sich selbst als politisch unabhängig bezeichnet.

In den Parteien hält man diesen Einsatz der Technik durchaus für sinnvoll. "Man macht das Beste aus seinen Möglichkeiten", sagt Jamarr Johnson. Und Larry Colson, der WebVoter zusammen mit Cary entwickelte, erklärt, das Vorgehen sei nicht viel anders, als wenn man mit Zettel und Stift von Haus zu Haus gehe, nur eben viel effektiver.

Auch die Demokraten in Minnesota setzen auf Hightech. Rund 800 Gewerkschaftsmitglieder klopften im Juni an die Haustüren, um Namen, Adressen und politische Präferenzen zu erfragen. Die Ergebnisse wurden in Barcode-Listen eingetragen, die dann eingescannt wurden. Die eher links stehende Gruppe America Coming Together (ACT) rüstete bundesweit 1300 Freiwillige mit Palm Pilots aus, um aktuelle Daten zur Stimmung im Land zu erfassen.

ACT-Sprecherin Meighan Stone erklärte, damit werde viel Geld gespart, weil die Informationen nicht noch einmal abgetippt und in den Computer eingegeben werden müssten. "Wir machen auch immer noch den altmodischen Wahlkampf, aber eben mit modernster Technik", sagt Stone.

Ashley Grant, AP

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