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Eltern im Internet: Darum geht es in Väterblogs

Blogs von Vätern Windeln, Gadgets, Pillermänner

Über "Schreibtischväter" schimpfte einst der Kolumnist Wiglaf Droste - über Autoren, die Kolumnen mit Anekdoten über ihre Kinder füllen. Was für Männer stecken hinter Blogs wie "Papa-Online", "Papaganda" und "Zwillingswelten"? Wir stellen sie vor.

Andreas Lorenz ist kaufmännischer Angestellter, hat zwei Kinder im Alter von sechs und vier Jahren. Doch manchmal stellt sich der 35-Jährige auch als "400-Euro-Blogger" vor, als Anspielung auf den Zeitaufwand und das Einkommen, das ihm sein Hobby beschert. Seit 2008 schreibt Lorenz auf "Papa-Online " über die Themen Erziehung und Vatersein; darüber, wie man Job und Familienleben in Einklang bringt - oder es zumindest versuchen kann.

Mal testet Lorenz eine App für werdende Väter, mal gibt er Tipps, wie sich beim Windelkauf Geld sparen lässt. In einem anderen Beitrag plädiert er dafür, Kinder nicht ständig zu fotografieren : Im Fotowahn vergesse man sonst schon mal, den Augenblick selbst zu erleben. "Man ist als Vater bewusster unterwegs, wenn man bloggt", glaubt er.

"Papa-Online" zählt zu den sogenannten Väterblogs, jenen privaten Internetseiten, auf denen Väter Einblicke in ihren Alltag geben. Einige Dutzend regelmäßig geführte Seiten  dieser Art gibt es auf Deutsch, sie tragen Namen wie "New Kid and the Blog ", "Kuckucksvater " und "Herzdamengeschichten ". Auf manchen finden sich kolumnenartige Texte, auf anderen Gadget-Tests im Stil des Tech-Blogs "GeekDad" , auf wieder anderen Kinderfotos.

Mütterblogs gibt es dagegen wie Sand am Meer

Im Vergleich zu Blogs von Müttern sind Väterblogs jedoch selten. Allein die Blogübersicht des Magazins "Brigitte Mom"  verweist auf Hunderte Angebote von Frauen, darunter kleine Websites mit Bastel- und Erziehungstipps, aber auch reichweitenstärkere Angebote wie "Das Nuf Advanced ", dessen Betreiberin Patricia Cammarata auf Twitter mehr als fünftausend Nutzer folgen.

Auf der Internetkonferenz re:publica nahm Cammarata Anfang Mai an der Diskussion "Sind bloggende Väter eine Nischenerscheinung?" teil, die zumindest nicht damit endete, dass jemand die Ausgangsfrage entschieden verneint hätte. Väterblogs existieren, doch sie sind deutlich weniger präsent und vernetzt als die Mütter-Pendants.

Auf dem Podium saß auch Holger Reuss, der seit Februar unter "Papaganda"  bloggt. "Ich mache das für meine Kinder und manchmal auch mit ihnen", sagt Reuss, der seine Söhne gern wörtlich zitiert, jedoch ohne ihre Namen zu nennen oder Bildern von ihnen zu veröffentlichen. "Papaganda" soll ein "Erzählblog aus dem Alltag mit einem Augenzwinkern" sein, sagt er.

Motto: "Glücklich mit Augenringen"

Die Teilanonymität erlaubt es Reuss, über Themen zu bloggen, die anderswo tabu sind: Unter dem Titel "Fummelei am Pillermann " schreibt er über die Beobachtung, dass die Hände seiner Söhne gern mal in der Hose verschwinden. Gefragt nach einem typischen Artikel, verweist der Blogger auf "Oh nein, meine Söhne laufen mit lackierten Fingernägeln in der Öffentlichkeit umher ".

Reuss will kein Wohlfühlblog führen, das Werbekunden anzieht, bislang verdient er mit "Papaganda" nichts. Wichtiger ist ihm, von den Anstrengungen des Elternseins zu berichten, nach dem Motto "Augenringe und trotzdem glücklich". Kritische Entwicklungen oder Krankheiten seiner Kinder lässt allerdings auch der Stuttgarter weg: "Ich will vermeiden, dass ihnen meine Artikel auf lange Sicht schaden, zum Beispiel bei der Berufswahl."

Einst eine Plattform für die Großeltern

Stärker professionalisiert als "Papaganda" wirkt "Zwillingswelten", das Blog von Sven Trautwein, Vater von zwei Sechsjährigen. Hier finden sich zum Beispiel Blogbeiträge mit Titeln wie "Mit Obi zum Traumbaumhaus", sogenannte Advertorials, redaktionell aufgemachte Werbeanzeigen. "Das findet nicht jeder gut", sagt Trautwein, der hauptberuflich in einer Übersetzungsagentur arbeitet. "Zwillingswelten" bringe ihm nur ein paar Hundert Euro zusätzlich.

Doch auch dieses Geld kommt nicht von allein. Zwei bis drei Stunden täglich schreibt Trautwein täglich für sein Blog, das ursprünglich für den Austausch mit den Großeltern der Kinder gedacht war. Mit der Zeit wurde "Zwillingswelten" dann größer, an manchen Tagen erscheinen mehrere Artikel. Darin geht es dann etwa um den Einkauf mit Kindern  oder um deren Mediennutzung . "Allgemein würde ich mir wünschen, dass in Väterblogs mehr über Gefühle geschrieben wird", sagt Trautwein, "in dieser Hinsicht bieten Mütterblogs deutlich mehr."

Einen Schritt in Richtung mehr Lesernähe hat gerade "Papa-Online"-Blogger Andreas Lorenz gemacht. Es stecke schon jetzt viel Persönliches in einigen Artikel, sagt Lorenz: "Ich schreibe über meine innersten Gefühle, über Sex, über meine Sterilisation". Doch nun, nach sechs Jahren, will er nochmal experimentieren und hat einen Podcast gestartet. Man kann Lorenz jetzt also nicht mehr nur lesen, sondern auch hören.

Sie werden langsam lauter, die Väterblogs.