Verhaftet Die "Goner"-Autoren sind hinter Gitter

Sie verwischten ihre Datenspuren mit großem Aufwand, indem sie Rechner überall auf der Welt kaperten. Trotzdem klickten die Handschellen nach wenigen Tagen: Die vier jugendlichen "Goner"-Autoren hatten ihre Namen in das Virus hineingeschrieben.


AP

Schon nach knapp 48 Stunden konnten israelische Fahnder ihr Glück kaum glauben: Sie waren offensichtlich den Autoren des "Goner"-Virus auf die Spur gekommen. Da gab es diese kleine Gruppe von Jugendlichen in der israelischen Stadt Nahariya, bei denen passte einfach alles: Einer ihrer Rechner war offensichtlich beteiligt an der Verteilung des Virus und dem Versuch, infizierte Rechner über einen ICQ-Kanal unter Kontrolle zu bekommen.

Das galt zwar für zahlreiche, gekaperte Rechner in aller Welt, doch gab es ein starkes Indiz dafür, dass der Rechner, auf dem alles begann, in Nahariya stand: Immer, wenn "Goner" die Infektion eines ans ICQ-Netzwerk angeschlossenen Rechners gelang, zeigte ein Pop-up-Fenster kurz die Namen der "Virenabsender". Und einer von denen, wurde schnell klar, war Besitzer des verdächtigen Rechners.

Ein Virus mit "Absender"? So etwas ist durchaus nicht selten, in diesem Fall nur selten dämlich umgesetzt. Viele Hacker signieren ihre "Werke" in irgendeiner Form, Defacer verewigen sich mit ihren Namen auf verfremdeten Websites. Was solche Signaturen von denen der vier Jugendlichen in Israel unterscheidet, ist nur eine winzige, aber wichtige Kleinigkeit: Normalerweise registriert man seinen Alias-Namen nicht bei einem Internet-Servicebetreiber, wenn man gerade vorhat, einen Millionenschaden zu verursachen.

So clever die Viren-Kids in vielerlei Hinsicht vorgingen, so dämlich patzten sie im Detail: "Suid", einer der vier jugendlichen Virenautoren, hatte sein Alias tatsächlich beim Betreiber eines ICQ-Chatservices registriert, um sicherzustellen, dass der Name nicht von anderen gebraucht werden könnte. Da "Suid" jedoch über einen festen DSL-Account verfügte, ließ sich sein Alias-Name einer spezifischen IP-Adresse zuordnen - der Rest der Ermittlung der israelischen Polizei war mit ein paar Telefonanrufen erledigt. Als besonderen Service hatte "Suid" noch die Namen seiner Komplizen mit in das Virus geschrieben.

"Goner" kursiert zwar noch immer, doch ist seine fortschreitende Eindämmung klar messbar: Schon Ende letzter Woche zeichnete sich ab, dass das Virus weit geringere Schäden verursachen würde als zunächst befürchtet. So werden sich die vier Jugendlichen wegen einer Reihe von Vergehen und wegen der Verursachung von Schäden in einer geschätzten Höhe zwischen "nur" fünf und neun Millionen Dollar verantworten müssen.

Die vier Jungen sind 15 und 16 Jahre alt und sitzen bis zu ihrer bereits für diesen Montag angesetzten ersten Verhandlung in einem Jugendgefängnis in Tel Aviv. Pech für sie: Israel gehörte zu den ersten Ländern der Welt, das seine Gesetzgebung an die neuen, "digitalen" Vergehen anpasste: Auf die Verbreitung von Viren stehen empfindliche Haftstrafen. Im schlimmsten Fall drohen den vier Jugendlichen bis zu fünf Jahren Gefängnis.



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