Verhaftung in China Schwere Vorwürfe gegen Yahoo

Wer in China Geschäfte machen will, muss mit der dortigen Regierung kooperieren. Doch wie weit soll und darf man dabei gehen? Reporter ohne Grenzen wirft Yahoo vor, mit Informationen die Verhaftung eines Journalisten ermöglicht zu haben. Yahoo prüft den Vorwurf noch.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen wirft dem Online-Unternehmen Yahoo vor, der chinesischen Regierung mit Informationen bei der Inhaftierung und Verurteilung eines Journalisten geholfen zu haben. Dieser hatte in einer E-Mail über Beschränkungen der Pressefreiheit in China berichtet.

Es ist der bislang letzte Fall, in dem einem der großen US-Internet-Unternehmen eine zu enge Zusammenarbeit mit den chinesischen Behörden vorgeworfen wird, um deren Wohlwollen bei der Expansion im boomenden Online-Markt zu erlangen. Eine Unterstützung der chinesischen Zensur wurde auch schon Google und MSN von Microsoft vorgehalten. Yahoo aber soll sich praktisch als Informant der Polizei betätigt haben.

"Wie weit geht es (Yahoo) noch, um Peking zu gefallen?", fragt Reporter ohne Grenzen in einer Erklärung.

Die Gruppe erklärte, Gerichtsunterlagen zeigten, dass Yahoo Holdings Ltd. (Hongkong) den chinesischen Behörden Informationen gegeben habe, die zur Verurteilung von Shi Tao führten. Ohne die Kooperation des Unternehmens wäre dies vermutlich nicht möglich gewesen. Eine Sprecherin von Yahoo Holdings wollte dazu keine Stellung nehmen. Der Nachrichtenagentur AFP sagte Yahoo, das Unternehmen prüfe die Vorwürfe noch.

Yahoo drängt wie alle maßgeblichen, international arbeitenden Internet-Unternehmen seit Jahren auf den chinesischen Markt. Der hat sich in den letzten Jahren zum zweitgrößten Internet-Markt weltweit entwickelt: Schätzungen zufolge waren Ende Juni rund 103 Millionen Chinesen online aktiv, was eine Steigerungsquote von mehr als 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet.

Im letzten Monat machte Yahoo mit dem bisher größten Business-Deal eines westlichen Internet-Unternehmens in China Schlagzeilen: Das US-Unternehmen kaufte sich mit rund einer Milliarde Dollar beim chinesischen Handelsportalbetreiber Alibaba.com ein, von dem die US-Firma nun 40 Prozent hält.

Der 37 Jahre alte Journalist Shi Tao arbeitete bis zum April für eine Business-News-Webseite. Laut des von Reporter ohne Grenzen als Übersetzung veröffentlichten Urteils  wurde er wegen "Veröffentlichung von Staatsgeheimnissen" zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Shin Tao soll ausländischen News-Webseiten per E-Mail eine für den internen Gebrauch bestimmte Botschaft der Kommunistischen Partei weitergeleitet haben. Darin wurden die chinesischen Medien vor eventuell drohenden Unruhen gewarnt, die durch die "Rückkehr bestimmter Dissidenten" zum 15. Jahrestag des Tiananmen-Massakers verursacht werden könnten - eine mehr als implizite Aufforderung, über dieses Thema nicht zu berichten.

Shin Tao gab im Prozess zu, diese Botschaft an ausländische News-Webseiten weitergeleitet zu haben, bestritt aber, dass es sich dabei über eine "Top Secret" klassifizierte Nachricht gehandelt habe. Dieser E-Mail-Verkehr, behauptet Reporter ohne Grenzen, sei von Yahoo an die Behörden weitergeleitet worden.

Dass westliche Unternehmen sich der chinesischen Zensur unterordnen, ist kein Geheimnis. Im Jahr 2002 unterzeichnete Yahoo freiwillig eine "Öffentliche Verpflichtung zur Selbstdisziplin für die chinesische Internet-Industrie". Alle großen Suchmaschinen folgen den chinesischen Direktiven, Suchanfragen mit regimekritischem Inhalt zu unterbinden (z.B. Suchen nach "Falun Gong"). Gegen Yahoo und Microsoft waren in der Vergangenheit zudem Vorwürfe laut geworden, auch die Inhalte von durch die US-Unternehmen in China gehosteten Webseiten und Weblogs zu zensieren.

Auch Yahoo Deutschland will die Vorwürfe im Augenblick nicht kommentieren.

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