Verifone-Bezahlterminals Lösung für bundesweite Probleme bei Kartenzahlungen lässt auf sich warten

Das Bezahlen mit Giro- und Kreditkarten im Einzelhandel bleibt auch am vierten Tag in Folge mitunter schwierig. Der Hersteller der betroffenen Terminals hat noch immer kein Update seiner Software parat.
Schild bei Aldi in Berlin: »EC-Kartenzahlung nur an Kasse 1 möglich!«

Schild bei Aldi in Berlin: »EC-Kartenzahlung nur an Kasse 1 möglich!«

Foto: Georg Hilgemann / dpa

Heute nur Barzahlung, hieß es am Freitag am Eingang des Aquazoo Löbbecke Museums in Düsseldorf. »EC-Kartenzahlung nur an Kasse 1 möglich!«, war am Eingang einer Aldi-Filiale in Berlin zu lesen. Und nicht nur an diesen beiden Orten gab es weiter Probleme mit Giro- und Kreditkartenzahlungen. Es ist bereits der vierte Tag in Folge, an dem Teile des deutschen Einzelhandels und deren Kundinnen und Kunden unter funktionsuntüchtigen Kartenzahlungsterminals eines bestimmten Typs leiden.

Die Störung bei Verifone-Bezahlterminals dauere an, teilte der Zahlungsdienstleister Concardis am Freitag in Eschborn mit. Auch die Einzelhändler Aldi Nord, Netto und Edeka bestätigten, dass das am Dienstagabend durch einen Softwarefehler ausgelöste Problem bei Zahlungen per Giro- oder Kreditkarte weiter besteht.

Der US-Hersteller selbst verwies am Freitag nur auf seine Aussagen vom Vortag: »Wir werden in Kürze ein Software-Update bereitstellen, um das Problem zu beheben, und werden unsere Kunden informieren, sobald dieses verfügbar ist.« Der betroffene Terminal-Typ H5000 wird den Angaben zufolge hauptsächlich in Deutschland eingesetzt. Auch dem SPIEGEL hatte das Unternehmen am Freitagmittag nur versprochen, sich »schnellstmöglich« zurückzumelden, um Fragen nach der genauen Ursache des Problems zu beantworten.

»Dieser komplexe Vorgang kann daher nicht ad hoc in der Fläche ausgeführt werden, sondern wird geraume Zeit in Anspruch nehmen.«

Zahldienstleister Payone

Der Zahldienstleister Payone teilte dem SPIEGEL mit, man habe von Verifone die Information erhalten, dass es aufgrund eines Zertifikatsfehlers nötig sein werde, »auf allen betroffenen H5000-Terminals neue Softwareupdates einzuspielen. Der Hersteller arbeitet nach eigener Aussage mit Hochdruck an der Bereitstellung der Softwarepakete – der Zeitpunkt der Lieferung wurde seitens Verifone noch nicht konkretisiert.«

Ganz automatisch wird sich das Problem möglicherweise nicht lösen. »Nach unserem jetzigen Informationsstand wird die von Verifone in Aussicht gestellte Lösung bei einigen Kunden einen manuellen Eingriff an den betroffenen Terminals erfordern, damit diese für den Softwaredownload aktiviert werden können«, schrieb Payone. »Dieser komplexe Vorgang kann daher nicht ad hoc in der Fläche ausgeführt werden, sondern wird geraume Zeit in Anspruch nehmen.«

Bei einem digitalen Zertifikat handelt es sich um einen Echtheitsnachweis, der die Identität eines Rechners oder eines elektronischen Geräts bestätigt. Damit wird im Fall der Kassensysteme die verschlüsselte Kommunikation zwischen dem Bezahlterminal und dem Kassenserver abgesichert. Auch der Datenfluss zwischen den Wartungsrechnern und den Terminals ist ohne ein gültiges Zertifikat gestört, da Username und Passwort zum Log-in allein nicht ausreichen.

Kein komplett unerwartetes Szenario

Der Sicherheitsexperte Scott Helme hatte bereits vor zwei Jahren vor einem Szenario gewarnt , in dem Zertifikate im Internet der Dinge unbemerkt ablaufen und es dadurch zu großflächigen Störungen kommen könnte. In einem Blogbeitrag verwies er damals auch auf Störungen durch Zertifikatsfehler bei US-Zahlungsdienstleistern.

Das betroffene Kartenterminal H5000 von Verifone war zur Markteinführung auch vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) überprüft und für den Einsatz im Handel zertifiziert  worden.

Payone betreibt bundesweit 60.000 der Geräte, von denen jedoch nicht alle von dem Problem betroffen sind. Von Concardis hieß es: »Von unserer Seite als Netzbetreiber und Zahlungsdienstleister tun wir alles, um nicht mehr funktionsfähige Verifone-H5000-Bezahlterminals bei unseren Händlerkunden schnellstmöglich auszutauschen und Alternativgeräte zur Verfügung zu stellen.« Das könne jedoch einige Tage in Anspruch nehmen.

Der Chef der Verbraucherzentrale in NRW, Wolfgang Schuldzinski, machte in der »Rheinischen Post« auf die Auswirkungen für Bürger aufmerksam: »Es ist für Verbraucher schon schwierig genug, wenn sie auf einmal ihren Einkauf nicht mehr bargeldlos zahlen können, weil ja keineswegs jeder immer genügend Bargeld dabei hat.« Hinzu komme, dass die Systeme – wegen der immer geringeren Zahl an Bankfilialen – auch oft zum Abheben von Bargeld genutzt werden. Dies könne Menschen in arge Bedrängnis bringen, sagte Schuldzinski.

pbe/dpa
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