Verschämte US-Bürger Kanadier in 30 Sekunden, eh?!

Seit der Wiederwahl von Präsident Bush geben sich immer mehr Amerikaner auf Auslandsreisen als Kanadier aus, um sich peinliche Fragen zu ersparen. Ein US-Internethändler bietet nun ein Paket, das jeden binnen Sekunden zum fast waschechten Kanadier werden lässt.

Beim ersten Lesen klingt das, was die britische Tageszeitung "Times" in dieser Woche da schrieb, wie ein kleines Wunder. Unter der Überschrift "Why americans pretend to be Canadians"  berichtete das renommierte Blatt darüber, dass sich immer mehr US-Bürger auf Reisen ins Ausland als Kanadier ausgeben, um nicht den Kopf hinhalten zu müssen für die oft zweifelhafte politische Linie ihres Landes.

Bisher: "Blame Canada"

Verwunderlich ist das vor allem deswegen, weil es bis jetzt für manchen US-Amerikaner einer Beleidigung gleichgekommen wäre, wenn man ihn fälschlicherweise für einen "Canuck", einen Kanadier, gehalten hätte. Man erinnere sich nur an die auch hier zu Lande recht populäre US-Cartoon-Serie "South Park": "Blame Canada" - "Gebt Kanada die Schuld" hieß deren wohl populärster Song. Jahrzehntelang waren die Nachbarn im hohen Norden, die in der Wahrnehmung vieler US-Bürger in Iglus hausen, kaum mehr als Witzfiguren.

Doch jetzt ist es offenbar, jedenfalls für kritische Amerikaner, en vogue, ein Kanadier zu sein - oder so zu tun. So hatte die Webseite, auf der die kanadische Regierung Informationen für Einwanderungswillige  bereithält, in den Tagen nach George W. Bushs Wiederwahl mit einer nie gekannten Menge an Zugriffen zu kämpfen. Fünfmal so viele Interessenten wie sonst sollen sich eingeloggt haben.

Jetzt: "Go Canadian"

Nun bietet Bill Broadbent, selbst ernannter "T-Shirt-King", seit kurzem in seinem Webshop so genannte "Go Canadian"-Pakete  an. Damit will der Unternehmer, der immerhin zwei Jahrzehnte Erfahrung im Bekleidungs-Business hat, all den US-Amerikanern etwas an die Hand geben, die sich im Ausland für ihr Land schämen. Binnen 30 Sekunden können sie die nationale Identitätskrise für sich beheben und zum Kanadier werden.

Für den Freundschaftspreis von 24,95 Dollar gibt es ein weißes T-Shirt mit der kanadischen Fahne und den ersten Worten der Nationalhymne ("Oh, Canada"), einen Aufnäher für den Rucksack, einen Aufkleber für den Koffer oder fürs Auto, einen Pin fürs Hemdrevers - und vor allem das Büchlein "How to Speak Canadian, Eh?!"

Die Antwort lautet 'Wayne Gretzky'

Das an beinahe jeden Satz angehängte "Eh?!" ist nämlich eines der Markenzeichen des kanadischen Englisch . Und wenn das ein Möchtegern-Kanadier vergisst, dann hat er sich binnen Sekunden selbst disqualifiziert. Genauso wie er auf jeden Fall wissen muss, dass es sich bei Toronto durchaus nicht um eine Provinz handelt, wie noch immer viele US-Bürger glauben, sondern um eine Stadt. Aber ein Kanadier hätte statt Toronto vielleicht ohnehin "Hogtown" gesagt.

Unter der Rubrik "Sport" hat das Büchlein auch einen einfachen und wirkungsvollen Tipp parat: "Es gibt nur einen echten Sport in Kanada, und das ist Hockey. Und egal wie die Quizfrage heißen mag, die Antwort lautet 'Wayne Gretzky'" .

"Jeder kennt jemanden, der sagt, dass er am liebsten nach Kanada ziehen würde", sagt Internethändler Broadbent, der mit seiner Aktion natürlich auch aufs bevorstehende Weihnachtsgeschäft zielt. Er, so sagt er selbstlos, gebe den Leute die Chance, zu Hause und im Ausland schon einmal ausprobieren, wie es sich denn so lebt  als fast waschechter Kanadier.

Ganz so neu ist die Idee übrigens nicht. Schon einmal, während des Vietnamkrieges, gaben sich manche US-Bürger im Ausland lieber als Kanadier aus, um in Ruhe gelassen zu werden. Und das war vergleichsweise einfach, erinnert sich ein Amerikaner: "In Ländern, die Amerikanern feindlich gegenüberstanden wurde ich regelmäßig zum Canuck. Es war einfach: Das einzige was ich zu tun hatte, war ein bisschen dumm auszusehen und arglos zu tun."