Verschärfte Kampagne Musikindustrie will P2P-Nutzern den Onlinezugang sperren lassen

In ihrem Kampf gegen illegale Filesharer wendet sich die britische Musikindustrie nun direkt an die Internet-Serviceprovider (ISP). Die British Phonographic Industry forderte zwei ISPs auf, insgesamt 59 Nutzer-Accounts wegen "illegalen Filesharings" zu sperren. Einer wehrt sich.

Damit geht die Musikindustrie einen neuen Weg. Bestand die Strategie bisher darin, einzelne Tauschbörsennutzer zu belangen, zielen die Maßnahmen nun auch gegen andere Unternehmen. Die ISPs sollten "ihr Haus in Ordnung bringen und bei diesen Leuten den Stecker ziehen", wird die Musikindustrie von BBC zitiert. Diese Strategie hatte sich schon angekündigt, als vor wenigen Wochen IFPI-Chef John Kennedy in einem exklusiven Interview mit SPIEGEL ONLINE gegen die Provider aussprach.

Cable & Wireless verwies darauf, dass die internen Sicherheitsmaßnahmen bereits dafür sorgten, die Accounts von Nutzern illegaler Tauschbörsen zu schließen und verweigerte nähere Auskünfte zu den beanstandeten Accounts. Ein Sprecher stellte fest: "Wir werden alle notwendigen Schritte unternehmen, um die Angelegenheit zu klären".

Tiscali hingegen stellte klar, man sperre keine Kunden-Accounts nur aufgrund einer externen Anfrage. Dazu bedürfe es zunächst einer Untersuchung. "Wir überprüfen sämtliche uns zur Verfügung gestellten Informationen und werden angemessen reagieren", so laut der Nachrichtenagentur Reuters das Unternehmen.

Nach eigenen Angaben hatte BPI 17 IP-Adressen bei Tiscali und 42 bei Cable & Wireless identifiziert, die "signifikante Mengen von Musik im Besitz von BPI-Mitgliedern" heraufgeladen hätten. BPI-Vorsitzender Peter Jamieson machte deutlich, es sei nicht hinnehmbar, dass die ISPs "gegenüber Copyrightverstößen in industriellem Ausmaß die Augen verschließen".

Tiscali bezeichnete die bloße Übersendung von IP-Adressen als "nicht beweiskräftig". Weder habe die Musiklobby einen Nachweis geleistet, dass über die genannten Adressen Down- oder Uploadvorgänge gelaufen seien, noch, dass die genannten IP-Adressen mit einem "Shared Directory" verbunden gewesen seien, auf das andere hätten zugreifen können. In einem Fall hatte die BPI einen Screenshot übermittelt, über die der Provider nun mit seinem Kunden reden wolle.

Bereits zuvor hatte die BPI 139 Tauschbörsennutzer verklagt und in vier Fällen Urteile zu ihren Gunsten erwirkt, in 111 Fällen wurden außergerichtliche Vergleiche erreicht.

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