Lausch-Schnittstelle Indiens Bundespolizei plant zentrale Netzüberwachung

Telefongespräche und soziale Netzwerke: Die indische Bundespolizei NIA will Kommunikation zentral überwachen. Eine entsprechende Monitoring-Software ist bereits in Entwicklung, die Ermittler beantragen nun eine Betriebserlaubnis beim Ministerium für Telekommunikation.

Smartphone vor Taj Mahal: Die indische Bundespolizei TIA will zentral überwachen
Corbis

Smartphone vor Taj Mahal: Die indische Bundespolizei TIA will zentral überwachen


Die indische Bundespolizei "National Investigation Agency" (NIA) will eine zentrale Überwachungsschnittstelle zum Abhören von Telefon- und Onlinekommunikation nutzen. Die "Times of India" berichtet, dass die NIA beim indischen Telekommunikationsministerium eine Erlaubnis für den Betrieb eines zentralen Monitoring-Systems beantragt hat.

Das System soll es ermöglichen, Telefongespräche abzuhören, aber auch Kommunikation in sozialen Netzwerken zu überwachen. Provider wären daran nicht direkt beteiligt. Wann das System konkret starten könnte, ist unbekannt, die Anfrage zielt auf dessen Installation, sobald es "voll funktionsfähig" sei.

Die NIA war Ende 2008 aufgebaut worden, als Reaktion auf die Terroranschläge in Mumbai. Im "Times of India"-Artikel heißt es, laut des NIA-Gesuchs hätten sich Mitarbeiter der Behörde schon mehrmals mit Personen aus dem Centre for Delevopment of Telematics (C-DoT) getroffen. Das ist die IT-Organisation, die das Monitoring-System im Auftrag der Regierung entwickelt. Einige NIA-Mitarbeiter hätten bereits Schulungen für das System durchlaufen.

In einer Ankündigung ihres diesjährigen Berichts "Feinde des Internets" schrieb die NGO "Reporter ohne Grenzen" zu Indien, die Regierung habe die Onlineüberwachung seit den Anschlägen in Mumbai verschärft. Beispielhaft werden im Bericht die seit einem Jahr geltenden "IT Rules 2011" erwähnt, die es Internetunternehmen vorschreiben, innerhalb von 36 Stunden Inhalte zu entfernen, die als "anstößig" empfunden werden.

Ende 2011 hatte die indische Regierung Firmen wie Google und Facebook gebeten, Inhalte indischer Nutzer zu prüfen, bevor sie online gehen. Im August 2012 blockierte die Regierung im Kontext andauernder Konflikte im Bundesstaat Assam die URLs von mehr als 200 Internetseiten, darunter Berichte von Nachrichtenseiten.

Staatliche Überwachung ist in Indien ein stets präsentes Thema: Anfang des Jahres warf eine Hackergruppe unter anderem Apple und dem Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM) vor, in ihre Handys Abhörschnittstellen zu implementieren, mit der die Regierung verschlüsselte Kommunikation verfolgen könne. Die Firmen dementierten das. Grundlage der Vorwürfe war ein angebliches Memo der indischen Regierung.

mbö



insgesamt 3 Beiträge
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phobos81 16.10.2012
1. Grösste Demokratie der Welt ...
ja wunderbar, sollte ähnliches bei uns versucht werden habe ich endgültig genug und werde mich als Bürger gegen unseren mit Allmachtsphantasien wütenden Staat wehren! Nicht nur mit dem richtigen Kreuzchen bei Wahlen
roland.vanhelven 16.10.2012
2. auweia
Zitat von phobos81ja wunderbar, sollte ähnliches bei uns versucht werden habe ich endgültig genug und werde mich als Bürger gegen unseren mit Allmachtsphantasien wütenden Staat wehren! Nicht nur mit dem richtigen Kreuzchen bei Wahlen
da bin ich aber froh, dass Sie das noch nicht mitbekommen haben...
spon-facebook-1169485720 17.10.2012
3. optional
Indien war nach Saudi-Arabien das Land, das die Blackberry-kommunikation ausgehebelt hat.Mag ich in einer solchen Welt leben? Nein, und meine 53 Jahre waren auch so schon genug...
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