E-Mails, Kurznachrichten, Dateien Fünfmal Gratis-Sicherheit im Netz

So surfen Sie sicher im Netz: Mit kostenlosen Online-Diensten kann man E-Mails, Kurznachrichten und Dateien verschlüsseln, um sich vor ungebetenen Beobachtern zu schützen. Fünf nützliche Helfer im Schnellcheck.

Cloud-Dienste machen das Leben leichter, Dateien lassen sich von überall aus abrufen. Doch je mehr Daten in die Wolke wandern, desto attraktiver wird der Zugriff für Datendiebe, Schnüffler und Geheimdienste. Wer sensible Daten über das Internet auf den irgendwo beheimateten Server eines kostenlosen Anbieters lädt, sollte auf Nummer sicher gehen.

Für sicheren Datentausch reicht es nämlich nicht aus, dass die Verbindung vom eigenen Browser zum Server verschlüsselt ist (zu erkennen am "https" in der Adresszeile). Auch die Daten selbst, die auf dem Server abgelegt werden, müssen geschützt werden. Am besten noch, bevor sie überhaupt den eigenen Rechner verlassen und verschickt werden, nicht erst auf dem Server des Anbieters.

Hinter einigen der Dienste steckt kein Unternehmen, sondern ein Open-Source-Projekt. Das heißt, der Software-Quellcode ist frei verfügbar. Wer keinem der Anbieter vertrauen will, kann seinen eigenen Webdienst betreiben.

Gegen neugierige Zaungäste helfen Verschlüsselungsdienste allemal - aber Vorsicht: Absolute Sicherheit gibt es nicht. Manche Hacker nutzen zur Übermittlung sensibelster Informationen vorsichtshalber gar keine Online-Dienste, sondern lieber die herkömmliche Post.

Verschlüsselter Online-Speicher: BoxCryptor

BoxCryptor ist eine Software für Windows, MacOS und Linux. Sie hilft nicht nur dabei, Dateien zu verschlüsseln, sondern bietet auch Apps für Android- und iOS-Smartphones für den Zugriff von unterwegs an.

Der beliebte Cloud-Speicherdienst Dropbox bietet eine Menge nützlicher Funktionen. Auch werden die Dateien vom Nutzer zum Dropbox-Server und zurück über verschlüsselte Verbindungen übertragen. Bei Dropbox liegen die Dateien allerdings ohne zusätzlichen Schutz vor. Mehr Sicherheit lässt sich über eine Datei-Verschlüsselung erreichen. Die Firma Secomba aus Augsburg bietet eine Erweiterung für Dropbox, Box.net und andere Cloud-Speicherdienste an, mit der sich Dateien und Ordner einfach sichern lassen.

Source Code verfügbar: Nein.
Hinweis des Betreibers: "Wir haben keine Möglichkeit, an die verschlüsselten Daten zu gelangen - die liegen bei Dropbox oder dem Gerät des Users. Wir haben auch keine Möglichkeit, an den Schlüssel zu gelangen - den hat nur der User."

Sicher chatten: Cryptocat

Sicher chatten, ohne dass jemand mitlesen kann? Ohne Software installieren zu müssen? Cryptocat  soll genau das möglich machen und präsentiert sich als Alternative zum Facebook-Chat und ähnlichen Diensten. So lassen sich zum Beispiel Passwörter sicher austauschen. Wer der Website nicht trauen will, kann einen eigenen Server mit der Cryptocat-Software ausstatten.

Die Entwickler von Cryptocat warnen allerdings davor, sich allzu sicher zu fühlen: Die Chat-Nachrichten werden verschlüsselt, ohne zusätzliche Vorkehrungen lässt sich aber nachvollziehen, dass man selbst den Chat-Dienst besucht hat. Auch gegen Trojaner und Viren auf dem eigenen Computer, die womöglich Tastatureingaben mitlesen, schützt Cryptocat natürlich nicht.

Source Code verfügbar: Ja.
Hinweis der Entwickler: experimentelle Software, von der man nicht sein Überleben abhängig machen sollte.

Große Dateien sicher verschicken: Elefile

Die Software-Firma Steganos bietet den Dienst Elefile  an, mit dem sich bis zu zwei Gigabyte große Dateien einfach über das Internet tauschen lassen. Die Datei kann dabei bereits vor dem Hochladen auf die Steganos-Server verschlüsselt werden. Nur mit dem richtigen Passwort kann darauf zugegriffen werden. Dieses Passwort sollte dann allerdings nicht per E-Mail übertragen werden, sondern auf einem sicheren Weg - zum Beispiel in einem Cryptocat-Chat.

Für den Webdienst, der in der Basisversion derzeit kostenlos ist, muss keine spezielle Software installiert werden. Wie bei anderen Webdiensten auch, muss man bei Elefile dem Anbieter vertrauen - das fällt allerdings um einiges leichter, wenn es sich um eine bekannte Firma mit Geschäftssitz in Berlin handelt, die sich an deutsche Gesetze halten muss und einen Ruf zu verlieren hat.

Source Code verfügbar: Nein.
Hinweis des Betreibers: "Wir haben den Schlüssel selbst nicht und kommen in keinem Fall an die unverschlüsselten Daten heran."

Geheime Nachrichten senden: Sendinc

Passwörter oder Kreditkarten-Informationen per E-Mail austauschen? Lieber nicht, denn eine E-Mail wird standardmäßig im Klartext durch das Internet geschickt. Wie bei einer Postkarte kann mitgelesen werden, was darin steht. Der Web-Mail-Dienst Sendinc  verschlüsselt deswegen Nachrichten und Dateianhänge. So wird die Nachricht auf den Servern von Sendinc gespeichert. Der Empfänger bekommt einen Link mit einem Entschlüsselungscode geschickt - nur mit diesem Link und einem passwortgeschützten Account bei Sendinc kann auf diese Nachricht zugegriffen werden.

Für den Moment, in dem jemand eine verschlüsselte Nachricht aufruft und entschlüsselt, sieht allerdings auch Sendinc die Botschaft - theoretisch ein Einfallstor für Ermittler, die mit einem richterlichen Beschluss auf der Suche nach E-Mails sind. Wer auf Nummer sicher gehen will, muss seine E-Mails mit einer Software auf dem eigenen Rechner ver- und entschlüsseln, zum Beispiel mit OpenPGP .

Source Code verfügbar: Nein.
Hinweis der Betreiber: Wenn ein Gericht oder eine Behörde das Unternehmen dazu zwingt, können Nachrichten mitgelesen werden.

Texte sicher online teilen: ZeroBin

Pastebins sind einfache Webdienste, mit denen sich Texte und Softwarecode-Fragmente austauschen lassen, mit einer oder mehreren Personen. Text hineinkopiert, einen Button geklickt - fertig. Über einen Link lässt sich der Text aufrufen und im Netz verteilen. Es geht auch ein wenig privater: ZeroBin  speichert den Text verschlüsselt auf dem Server ab, der Schlüssel verbirgt sich in der Adresse, über die der Text aufgerufen wird. Das heißt: Nur mit dem richtigen Link lässt sich der Text lesen, nicht einmal der Serverbetreiber weiß, was da bei ihm abgespeichert wurde.

ZeroBin befindet sich noch in der Entwicklung, das Open-Source-Projekt lässt sich auch auf einem eigenen Server installieren. So kann jeder einen ZeroBin eröffnen. Nutzer müssen allerdings dem Anbieter einer solchen Seite vertrauen, dass er die Software auch genau so einsetzt, wie es vorgesehen ist.

Source Code verfügbar: Ja.
Hinweis des Entwicklers: Testbetrieb, Daten könnten jederzeit gelöscht werden.