Versteckte Entwicklerspäße Die schrägsten Web-Geheimnisse

Der Google-Ninja, ein Jodler bei Yahoo und der fiese Firefox-Roboter – wer die richtigen Geheimcodes kennt, enthüllt im Web so manchen amüsanten Programmierer-Gag. SPIEGEL ONLINE zeigt die kuriosesten Web-Schätzchen.

Fast 24 Millionen Menschen haben den neuen Gratis-Browser Firefox 3 geladen , installiert und mit Gratiserweiterungen aufgemotzt. Doch die persönliche Begrüßung des Firefox-Roboters hat kaum jemand entdeckt - die haben die Programmierer des Browsers sehr gut versteckt.

Wenn man in die Adresszeile des neuen Firefox Browser "about:robots" (zu deutsch: "über Roboter") tippt, erscheint im Firefox-Fenster ein Blechmonster mit fies funkelnden Augen und scheppert: "Willkommen Menschen! Wir sind in Frieden und mit guten Absichten gekommen."

Es folgen absurde Sätze (siehe Kasten unten) über Roboter, die nur versteht, wer viel Science Fiction gelesen und gesehen hat - so wie die Programmierer des Firefox-Browser wahrscheinlich.

Google-Teddys, Yahoo-Jodler und der verstecke Amazon-Mitarbeiter - SPIEGEL ONLINE erklärt, wie die kuriosesten Web-Schätzchen zu finden sind.

Der Yahoo-Jodler

1996 war der Internet-Gemischtwarenladen Yahoo kaum bekannt. Damals zahlte das kleine Start-up dem US-Sänger Wylie Gustafson 590 Dollar, damit er den Firmennamen ein paar Sekunden lang jodelt. Der Yahoo-Jodler taucht seitdem in dem Fernsehwerbespot der Firma auf, man hört ihn in den Telefonansagen fast aller Yahoo-Niederlassungen weltweit und sogar in den Yahoo-Büros selbst, wo Buzzer auf Knopfdruck losjodeln - früher zumindest, als es bei Yahoo noch Grund zum Jodeln gab.

Gut versteckt findet sich dieser historische Sound auf der Startseite von Yahoos US-Angebot: Auf Yahoo.com  muss man mit dem Mauszeiger auf das Ausrufezeichen in dem großen Yahoo-Logo im Seitenkopf klicken, dann jodelt Wylie Gustafson los.

Der Yahoo-Jodler Gustafson war mit seinem 590 Dollar Originalhonorar nicht zufrieden - er hat Yahoo im Jahr 2002 verklagt und sehr schnell eine außergerichtliche Einigung erreicht. So jodelt Gustafson auch nach zwölf Jahren - einer Ewigkeit im Web - noch für Yahoo. Und er wird weiterjodeln, zumindest so lange es noch eine Startseite mit Yahoo-Logo gibt.

Die Ninjas im Google Reader

Der Google Reader ist ein schnörkelloser Web-Dienst für eine kleine Zielgruppe: Mit dem Reader kann man sehr bequem RSS-Feeds abonnieren, lesen, einzelne Nachrichten markieren und im Volltext durchsuchen. Sehr praktisch - aber für die meisten Web-Nutzer wohl etwas zu speziell und dröge.

Bis auf diese Spielerei: Tippt man im Google Reader eine bestimmte Kombination aus Pfeiltasten und Buchstaben (siehe Kasten unten), lugt plötzlich aus der Menüspalte des Google Readers ein Ninja hervor.

Wie kommt man darauf, die zehn Tasten in exakt dieser Reihenfolge zu tippen? Computerverrückte Nerds (und davon werden sicher einige bei Google programmieren) kennen die Kombination als den "Konami Code" - in vielen Videospielen des japanischen Herstellers half diese Kombination beim Schummeln.

In der englischsprachigen Wikipedia widmet sich ein sehr ausführlicher Artikel  der "Geschichte des Konami-Codes" und seinem "Einfluss auf die Populärkultur".

Demnach hat der japanische Programmierer Kazuhisa Hashimoto den Schummel-Code als erster Entwickler einem Spiel verpasst, 1985, weil er den Schwierigkeitsgrad des Schießspiels "Gradius" unerträglich hoch fand und Spielern eine kleine Hilfe geben wollte. Mit dem Konami-Code konnten sie in dem Spiel ihr Raumschiff tunen - und heute den Google Reader.

Googles Teddy-Armee

Wie süß! Thomas trägt eine rote Schleife und lässt seine tiefschwarzen Knopfaugen zwischen viel dunkelbraunem Pelz funkeln. Thomas ist ein Teddybär. Und wenn man in Googles Gratisfotoprogramm Picasa  die Tasten Strg + Shift und Y zugleich drückt, taucht ein Bild von Teddy-Thomas in dem Programm auf.

Und mit jedem Tastendruck wächst die Teddy-Armee, bis das Picasa-Fenster völlig mit braunem Teddypelz und roten Schleifen überzogen ist.

Wie der Bär in die Google-Software kommt, erklärt das Picasa-Entwicklerteam im Google-Blog . Teddy Thomas gehört dem US-Fotografen Noah Grey , der viel zur Entwicklung von Picasa beigetragen hat: "Ein alter Freund schenkte Noah diese Bären, der seit mehr als 15 Jahren einen besonderen Platz in Noahs Leben hat." Ein süßer Teddy, eine schöne Geschichte.

404-Seiten: So witzig können Fehlerseiten sein

Wer sich vertippt und auf spiegel.de eine nicht vorhandene Adresse aufrufen will (wie zum Beispiel http://www.spiegel.de/404), liest die nüchterne Mitteilung "Die von Ihnen gewählte Adresse/URL ist auf unserem Server nicht bzw. nicht mehr vorhanden."

Das geht auch kryptischer - und witziger: Das US-Computerspielstudio 3D Realms zum Beispiel zeigt per Zufallsgenerator  ausgewählte verfremdete Fotos seiner Mitarbeiter auf den Fehlerseiten. Da lümmeln Programmierer mit Imkerhut am Schreibtisch herum, leeren Pizzakartons neben dem Firmen-Cola-Automaten oder stieren mit riesigen Pupillen in die Kamera. Unter den Fotos stehen willkürlich ausgewählte, absurde Sätze wie "Du musst einen toten Verwandten in Hongkong treffen und den Teddybären beschaffen."

Die Überschrift "40Fnord - Page Not Found" entschlüsselt das Rätsel ein wenig: Diese Sätze haben ganz schlicht keinen Sinn. Das Kunstwort Fnord hat der Schriftsteller Robert Anton Wilson erfunden und in seiner Illuminatus-Trilogie für Desinformationskampagnen benutzt. Die Scherzbolde bei 3D Realms lassen einen Fnord-Generator  ihre Seite mit Gaga-Sätzen bestücken wie "Nixon ignoriert den Hacker-Kongress und imitiert Kannibalen."

Programmiererhumor eben.

Amazons versteckter Mitarbeiter

Wer ist David Risher? Amazon-Gründer und -Boss Jeff Bezos schreibt: "Du warst der Inbegriff dessen, worum es bei Amazon.com geht: hart arbeiten, Spaß haben, Geschichte schreiben." David Risher war Vize-Boss bei Amazon, bis er sich 2002 entschied, die Firma zu verlassen und an der Universität Washington zu lehren.

Bis heute erinnert eine gut versteckte Seite im Angebot von Amazon.com an Risher: Man muss im Amazon-Gesamtverzeichnis  nach ganz unten scrollen und ein mittig unter der Copyright-Fußnote verstecktes durchsichtiges Bildchen anklicken, um auf die Abschiedsseite  für Risher zu kommen.

Da schreibt Bezos neben vielen warmen Worten auch: "Und weil jede Seite verkaufen muss (und weil ich sicher bin, dass David es nicht anders wollen würde) hier die Möglichkeit, etwas zu kaufen)." Danach folgt eine 25-Punkte-Einkaufsliste mit Rishers liebsten DVDs und Büchern.