Viagra-Handel Medikamentenfälscher vor Gericht

Täglich landen Millionen Werbe-E-Mails mit sonderbaren Viagra-Angeboten in den elektronischen Briefkästen. Der Werbemüll bedient eine Nachfrage: In Saarbrücken stehen vier Viagra-Fälscher vor Gericht, die mindestens zwei Millionen Euro mit ihren Pillen gemacht haben sollen.


Potenz-Wunderpille Viagra: Satte Profite locken kriminelle Hobby-Pharmazeuten auf den Plan

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Die Saarbrücker Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen eine mutmaßliche Medikamentenfälscherbande erhoben. Den drei Männern aus St. Wendel sowie einem weiteren Mann aus Simmern im Hunsrück werden vielfacher Betrug sowie Verstöße gegen das Marken- und Arzneimittelgesetz vorgeworfen, wie die Ermittlungsbehörde am Freitag mitteilte. Sie sollen mit gefälschten Potenz- und Haarwuchsmitteln per Internethandel einen Umsatz von zwei Millionen Euro erzielt haben. Die Staatsanwaltschaft geht allerdings von einem weit größeren Umfang der illegalen Geschäfte aus. Gegen zwei mutmaßliche Hintermänner wird weiter ermittelt.

Die beiden 31 und 37 Jahre alten Hauptangeschuldigten sollen zwischen Dezember 2003 und Dezember 2004 in mehr als 10.000 Fällen unter anderem über Internetseiten der von ihnen betriebenen Firmen in Bliesen und Simmern unter den Domain-Namen "bestmedunion.com" sowie "viagra-best.com" verschreibungspflichtige Medikamente angeboten und europaweit über Paketdienste geliefert haben.

Dabei handelte es sich um Potenzmittel, Appetitzügler, Nikotinentwöhnungspillen und Haarwuchsmittel wie Viagra, Levitra, Cialis, Reductil, Xenical, Propecia und Zyban. Die gehandelten Medikamente waren laut Staatsanwaltschaft allerdings keine Originalpräparate, sondern Fälschungen mit teilweise verunreinigten und gesundheitsgefährdenden Inhaltsstoffen.

Die mitbeschuldigten 38 und 49 Jahre alten Männer sollen sich erst im Sommer 2004 an den Taten beteiligt haben. Ihnen werden rund 1000 Betrugshandlungen mit einem Umsatz von 200.000 Euro zur Last gelegt.

Die Staatsanwaltschaft hat nach eigenen Angaben nur einen Teil der Medikamentengeschäfte, die der Tätergruppe zuzurechnen sind, zur Anklage gebracht. Vermutlich seien durch die Hauptbeschuldigten bereits seit dem Sommer 2002 rund 40.000 Medikamentenlieferungen mit einem Umsatz von mehr als zehn Millionen Euro erfolgt. Aufgrund des erheblichen Aufklärungsaufwandes wurden die Ermittlungen auf die Taten beschränkt, die durch Auswertung von Datenträgern konkretisiert werden konnten. Insgesamt haben die Ermittler rund 50.000 Datensätze mit einem Volumen von 1100 Gigabyte ausgewertet.

Das saarländische Gesundheitsministerium warnte unterdessen davor, Medikamente über das Internet zu beziehen, soweit es sich nicht um offiziell zugelassene Internetapotheken handelt. Vorsicht sei vor allem geboten, wenn per Internet auffallend häufig so genannte Lifestyle-Produkte, die rezeptpflichtig sind, angeboten würden, sagte ein Ministeriumssprecher auf Anfrage. Ebenso solle man bei besonders reißerisch aufgemachten Internetseiten zurückhaltend sein.

Grundsätzlich empfehle das Gesundheitsministerium auch wegen der Möglichkeit professioneller Beratung eine Apotheke aufzusuchen.

Oliver Hilt, ddp



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