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07. Mai 2012, 17:14 Uhr

Vintage Computer Festival Europa

Mit dem Agentenkoffer im Wohnmobil

Von , München

Sind alte Rechner bloß Elektroschrott? Nein, finden Technikliebhaber und pflegen Computer des vergangenen Jahrhunderts. "Datenstationen" aus der DDR, Agentenkoffer mit Plasmaschirm und Stücke, für die man einen Gabelstapler braucht. Ein Besuch beim "Vintage Computer Festival".

Peter Guhl ist die Nacht durchgefahren, über Österreich nach München, den "James-Bond-Koffer" und den "Hackerkoffer" im Wohnmobil. "Wenn mich mal jemand kontrolliert und die Grenzbeamten misstrauisch werden", sagt der Schweizer am nächsten Vormittag, "ich könnte es ihnen nicht übelnehmen. "

Peter Guhl, 35, transportiert zwar kein Agentenspielzeug, doch seine Ladung ist trotzdem ungewöhnlich. Die meisten seiner Gepäckstücke sind alte Computer. Der "Bond-Koffer" ist zum Beispiel ein IBM P70 386, ein transportabler Rechner mit Plasmabildschirm und acht Megabyte Arbeitsspeicher. "Fast zehn Kilogramm schwer, keine Batterie, aus dem Jahr 1989", zählt Guhl auf. "Ich kenne wenige Rechner, die so gut verarbeitet sind."

Die Kofferrechner, denen er Spitznamen gibt, zeigt Peter Guhl beim "Vintage Computer Festival Europa", einem zweitägigen Treffen für Sammler und Freunde historischer Technik. In einer Münchner Sporthalle, wo sonst Judokämpfer auf die Matten knallen, blinken und piepsen einmal im Jahr Computer und Spielautomaten, insgesamt rund hundert Geräte. Zwischen DDR-Datenstationen und Rechnern zum Selbstlöten aus den siebziger Jahren wirken selbst Guhls Koffercomputer unauffällig.

"Mindestens zehn Jahre alt - und cool"

"Eigentlich gibt es nur die Regel, dass jedes Ausstellungsstück mindestens zehn Jahre alt sein muss", sagt Hans Franke, 50, der das Festival jährlich ausrichtet. "Ich habe sie aber um einen Coolness-Paragraf ergänzt, damit niemand PC-Einheitsmist anschleppt." Cool findet Franke zum Beispiel einen aufgebohrten Cambrigde Z88 - ein Mini-Notebook aus dem Jahr 1987, dem ein Bastler eine Bluetooth-Schnittstelle spendiert hat.

50 Sammler präsentieren an diesem Aprilwochenende ihre Rechner, beim ersten Festival kam nur ein Dutzend. Der aktuelle Einladungstext des "Vintage Computer Festival Europa" ist derselbe wie vor zehn Jahren: "Also lasst uns zurückkehren in die guten alten Tage, als Hacker noch keine Sicherheitsberater, Bytes noch keine Megabytes und kleine grüne Männchen noch kleine grüne Männchen waren!"

Servicehotlines längst abgeschaltet

Doch das kleine Festival ist mehr als ein Nostalgikertreff, es wird nicht nur geschwärmt. Viele Aussteller teilen ihre Probleme, Computersammeln ist schwieriger als es klingt. Die Probleme fangen beim knappen Lagerplatz an, reichen über Festplatten, die nach jahrzehntelangem Betrieb kaputtgehen, bis hin zu fehlenden Anleitungen. Rechner pflegen sei schon deshalb ein kommunikatives Hobby, weil man ständig Kontakte knüpft, um an Ersatzteile zu kommen, sagen die Sammler.

"Bei einem so alten Gerät kann man keine Hotline mehr anrufen", erzählt Martin Käser, 55. Er hat seinen Friden Computyper ausgestellt, eine Schreibmaschine mit Recheneinheit, gebaut Ende der sechziger Jahre. "Leider fehlt mir ein Schaltplan, ich weiß nicht, wie man sie richtig verkabelt." Seit nunmehr drei Monaten versucht er, das Gerät in Betrieb zu nehmen. Ausgang: ungewiss.

Stilbruch per Monitorwechsel

Historische Rechner stellen Computerliebhaber oft vor eine Grundsatzentscheidung: Modernisiert man die Geräte mit neuen Teilen und bekommt sie so eventuell zum Laufen? Oder erhält man sie möglichst lang im Originalzustand? Immer wieder fällt der Begriff "Stilbruch". Ein Stilbruch sei zum Beispiel, findet Besucher Martin Neitzel, dass er einen seiner Lieblingsrechner nicht mehr mit dem passenden Monitor betreibt. Seine SGI Octane, einen Rechner aus den neunziger Jahren, auf dem er bis heute programmiert, hat er an einen TFT-Monitor angeschlossen. "Das ist ein kleines Dilemma", sagt Neitzel, 49. "Aber der Originalmonitor wiegt eben rund 30 Kilogramm."

Noch gewichtigere Probleme beschäftigen Wolfgang Stief. Der Diplomingenieur engagiert sich ehrenamtlich für die datArena, eine Art Computermuseum, dessen Team sich für die Zentralrechner von Banken und Versicherungen interessiert. "Mich beeindrucken die Ausmaße von Großrechnern", sagt Stief. "Am spannendsten finde ich die Peripherie und den Stromverbrauch." Anhand von früherer Technik lasse sich gut nachvollziehen, wie die moderne funktioniert.

Zwei Sattelschlepper voll Technik

Einmal musste Stief für die Sammlung nach Zürich fahren, um einen Bankenrechner abzuholen. Eine schwierige Mission, die überlassene Technik füllte zwei Sattelzüge. "Staplerfahren ist eine wichtige Fähigkeit, wenn man diese Art von Computern sammelt", meint Stief. "Das Verladen der Teile nenne ich nur Lkw-Tetris". Gespannt war Stief beim Grenzübergang: "Versuchen Sie mal, Elektroschrott als museales Kulturgut über die Grenze zu bringen".

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