Virales Video Zeitsprung auf Knopfdruck

Ufos, Zombies, heiratswillige Frauen: Ein Kurzfilm, der sich durch diverse Genre-Schubladen arbeitet, wird im Internet zum Publikumshit. Er begeistert mit starken Bildern, schneller Handlung und gelungenen Scherzen. Kaum jemand bemerkt dabei, dass es sich in Wahrheit um einen Werbefilm handelt.

Szene aus "Plot Device": Dauerlauf durch etliche Kino-Genres

Szene aus "Plot Device": Dauerlauf durch etliche Kino-Genres


Hamburg - Was ist wohl ein Plot-Device? Diese Frage stellen sich nicht nur Hunderttausende Web-User, sondern auch ein junger Filmemacher, der beim Stöbern in einem Online-Shop auf ein ebensolches Gerät aufmerksam wird. Schnell bestellt, schnell geliefert muss er feststellen, dass sein neues Gadget bloß ein kleiner gelber Kasten mit einem roten Knopf ist. Keine Anleitung, kein Hinweis auf die Funktion. Nur dieser rote Knopf.

Als der namenlose Protagonist seine Neugier siegen lässt und auf ebenjenen Knopf drückt, bricht die Hölle los. Nun ja, nicht sofort. Erst erscheint in weichgezeichneten Pastelltönen eine Braut vor seinem Haus. Deren Liebesbeteuerungen scheinen den jungen Mann aber derart zu verwirren, dass er gleich noch einmal das Knöpfchen drückt - das hätte er nicht tun sollen.

Denn was jetzt beginnt, ist ein Dauerlauf durch etliche Kino-Genres: Auf gefährliche Schießereien folgen blutrünstige Zombies, verzweifelte Frauen und riesige Ufos. Und immer wieder muss der Held einen Ausweg finden, muss versuchen, irgendwie das Plot-Device zu aktivieren, das ihn - hoffentlich - wieder nach Hause bringt. Mal hilft ihm dabei ein Zombieschädel, mal eine großkalibrige Waffe.

Mehr als eine halbe Millionen User haben sich das Neun-Minuten-Spektakel schon bei Vimeo angesehen, ein paar Zehntausende bei YouTube. Die Kommentare auf den Video-Seiten borden über vor Begeisterung. Von 800 Bewertungen bei YouTube sind 794 positiv. Der Film ist ein Erfolg.

Darüber dürften sich die Macher der Actionkomödie besonders freuen, denn "Plot Device" ist eigentlich Werbung. Virale Werbung, die sich ohne weiteres Zutun selbst verbreitet und ihre Botschaft vermittelt, ohne das beworbene Produkt in den Vordergrund zu stellen. Das nämlich ist die Videosoftware, mit der der Film bearbeitet und geschnitten worden ist.

Der Coup ist gelungen. In jeder Sequenz von "Plot Device" wird ein anderer Videoeffekt maßgeblich eingesetzt - potentielle Kunden können sich ansehen, wie er in einer echten Filmsequenz wirkt. Wie viele sich dadurch haben überzeugen lassen, die beworbene 800-Dollar-Software tatsächlich zu kaufen, ist unklar. Aber bei einem Film, der derart populär ist, reicht es der Software-Firma sicher aus, wenn ein paar Prozent der Zuschauer zur Kreditkarte greifen.

Wie hoch der Prozentsatz ungefähr sein dürfte, lässt sich an dem "Behind the Scenes"-Video zum Film abschätzen, das bisher nur 4500 Leute sehen wollte. Der Rest hat sich nur unterhalten lassen - gut unterhalten.

mak

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