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Twitter: Die Tweets auf der Weltkarte

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Visualisierte Geodaten Ein Meer aus Tweets mit Inseln des Hasses

Eine türkisfarbenes Netz zieht sich durch die Metropolen der Welt; hier wird getwittert. Das Unternehmen selbst hat Abermilliarden Tweets visualisiert und zeigt sie nun auf einer Landkarte. Eine externe Forschergruppe nutzt solche Daten für ein weniger braves Projekt.

Twitters Visualisierungsabteilung sitzt auf einem Datenschatz: Abermilliarden geolokalisierte Tweets, deren Absendeort bekannt ist. Alle Kurznachrichten seit 2009 hat die Firma jetzt in ein Punktemuster überführt  und daraus hübsche Landkarten der 140-Zeichen-Aktivität erstellt. Jeder Tweet ist ein Punkt in diesem Geflecht, das sich wie ein Adernnetz über die Landkarte zieht. Die Metropolen bilden leuchtende Flecken, weil dort besonders viele Kurznachrichten verschickt wurden. Vor allem die Küstenregionen treten deutlich hervor - und die weicheren Grenzen zwischen urbanen und ländlichen Gegenden, in Nordamerika, Russland oder Westeuropa.

Auf Flickr sind all diese Bilder in großen Auflösungen abrufbar ; von manchen Städten gibt es Detailaufnahmen, etwa von Moskau , Tokio  und Istanbul . Spannend sind vor allem die großen Karten, etwa die von Europa . Twitter, sieht man dort, ist eben doch nur ein lokales Phänomen; kein Wunder, dass die Firma keine Weltkarte veröffentlicht hat. Zu deutlich wäre die Ungleichverteilung und global ziemlich dünne Twitter-Aktivität, wie etwa globale Google-Visualisierungen  von entsprechenden Suchbegriffen andeuten.

Geolokalisierte Hassbotschaften

Doch Twitters Geodaten lassen sich in mehr als hübsche Visualisierungen übersetzen. Das zeigten jüngst die Hackerforscher von Floatingsheep.org , die auf die Verortung von Nutzeraktivitäten spezialisierten. Ihre Untersuchung von diskriminierenden und erniedrigenden Begriffen in nordamerikanischen Tweets  - eine Liste samt Erklärung haben sie hier  veröffentlicht - soll das soziografische Potential von Tweets darstellen: Aus der räumlichen Verteilung von Twitter-Nachrichten kann man etwas über die Struktur und den Wandel von Gesellschaften erfahren.

Dazu haben die Forscher und Forscherinnen 150.000 automatisch als rassistisch, homophob oder behindertenfeindlich kategorisierte Tweets analysiert, deren Absendeort bekannt ist. Ihre Ergebnisse: In den Vereinigten Staaten ist solche gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit überall als ein "blauer Smog des Hasses" vorhanden. Es gebe zwar regionale Hot Spots bestimmter Feindlichkeiten, aber keine größeren geografischen Zusammenhänge zwischen Hass-Tweets und Absendeort, so die Forscher. Um vielleicht verborgenen Zusammenhängen auf die Spur zu kommen, wollen sie nun als nächstes einzelne "Hass-Ansammlungen" mit der Demografie abgleichen und untersuchen, welche Schimpfwörter mit welcher Bevölkerungsstruktur einhergehen.

Ob Twitter langfristig solche Ressentiments verstärkt oder schwächt, kann mit derartigen Daten leider nicht beantwortet werden. Dabei wäre das wohl die spannendste Frage: wie eigentlich so ein globales Kommunikationswerkzeug den Kontakt und damit das Zusammenleben verändert.

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