"Wir gruscheln dich" Nachfolger VZ soll StudiVZ beerben

Ein einst ernsthafter Facebook-Rivale verschwindet: Ende Juni schließt StudiVZ seine digitalen Pforten. Doch die Macher des Netzwerks geben nicht auf - und präsentieren eine Alternative.
"Wir gruscheln dich!": VZ.net lockt unter anderem mit Gruppen

"Wir gruscheln dich!": VZ.net lockt unter anderem mit Gruppen

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VZ

"Was wurde eigentlich aus StudiVZ?": Diese Frage wurde hier auf der SPIEGEL-Website schon 2015 beantwortet. Damals hieß es, von den einst 16 Millionen regelmäßigen Nutzern der VZ-Netzwerke seien mittlerweile nur noch gut eine Million aktiv. StudiVZ, ein Netzwerk, das in Deutschland eine Zeit lang erfolgreicher war als Facebook, taumelte in Richtung Nischenunterhaltung, während andere Plattformen wie WhatsApp und Instagram boomten.

Im April 2020, knapp fünf Jahre und eine Insolvenzanmeldung später, ist nun das Aus der bekanntesten VZ-Marke angekündigt worden. Ende Juni soll das 2005 gegründete StudiVZ abgeschaltet werden, genauso wie MeinVZ. Das Ende der VZ-Ära steht damit aber überraschenderweise noch nicht an. Vielmehr wollen die Betreiber des Netzwerks noch einmal auf Nutzerjagd gehen, mit einer neuen Seite, die schlicht VZ heißt.

In dieses Angebot, das sich durch Anzeigen und Kaufangebote innerhalb von Spielen finanziert, sollen sich bis zum 30. Juni noch StudiVZ- und MeinVZ-Daten wie etwa hochgeladene Fotos importieren und somit hinüberretten lassen. Nach diesem Datum, so steht es auf der offiziellen Seite VZ.net, würden dann "alle Daten gelöscht".

Die Macher setzen auf Nostalgie

Potenzielle neue und alte Nutzer wollen die VZ-Macher vor allem mit Erinnerungen gewinnen, mit Anspielungen auf die glorreichen Zeiten, als StudiVZ mal Deutschlands beliebtestes Studierenden-Netzwerk war. "Wir gruscheln dich!", heißt es gleich auf der VZ-Startseite - eine Anspielung auf eine Art Anstups-Funktion des Netzwerks, die auch zum Flirten benutzt wurde.

In einem Werbevideo zur Seite werden kultige Titel von ehemaligen StudiVZ-Gruppen zitiert, wie "Wer zu viel lernt, hat zu wenig Talent" und "Jeder Topf hat einen Deckel! Ich glaub, ich bin ein Wok".

Gruppen werden als ein Schwerpunkt des neuen VZ-Netzwerks inszeniert. Darin sollen sich Nutzerinnen und Nutzer unkompliziert zu Themen ihrer Wahl austauschen können, vom anstehenden Spieleabend bis zum gemeinsam unterstützten Fußballverein. Wie groß das Bedürfnis nach einem solchen Austausch in Zeiten von Nachbarschafts-Websites, Facebook-Gruppen aller Art und Größe und vor allem Messenger- und WhatsApp-Gruppenchats aber noch ist, bleibt abzuwarten.

Bei der Bewerbung ihres Netzwerks setzen die Macher auch auf das Thema Datenschutz. "Wir lesen keine Nachrichten mit", heißt es im Werbevideo (was aber zum Beispiel WhatsApp auch nicht macht), sowie "...und verfolgen auch nicht, was du auf anderen Seiten machst" (was zum Beispiel Facebook tatsächlich in beachtlichem Umfang macht).

Daten würden nur auf deutschen Servern gespeichert, betonen die VZ-Macher in dem Werbeclip zuletzt noch - und dass man seine Gruppen "auch unterwegs" verwalten könne. Das allerdings wäre 2005 ein beeindruckenderes Feature gewesen als 2020.

mbö
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