Bauanleitungen im Internet Staatsanwälte drängen US-Regierung zu Maßnahmen gegen Waffen aus 3D-Druckern

Der US-Aktivist Cody Wilson bietet im Netz Anleitungen an, mit denen sich Waffen im 3D-Drucker herstellen lassen. In einem Schreiben drängen US-Ermittler nun darauf, die Website vom Netz zu nehmen.
"Gefahr für die nationale Sicherheit." Cody Wilson präsentiert eine 3D-gedruckte Kunststoff-Pistole

"Gefahr für die nationale Sicherheit." Cody Wilson präsentiert eine 3D-gedruckte Kunststoff-Pistole

Foto: Eric Gay/ dpa

Die Generalstaatsanwälte von 25 amerikanischen Bundesstaaten drängen die US-Regierung, härter gegen die Onlineplattform Defcad vorzugehen. Die Website wird von dem US-amerikanischen Waffenrechtsaktivisten und Kryptoanarchisten Cody Wilson betrieben und bietet Pläne zur Herstellung von Waffen mit 3D-Druckern zum Download an. Weil solche Waffen keine Seriennummern haben und deshalb von Behörden nicht zu ihren Besitzern zurückverfolgt werden können, werden sie auch als "Ghost Guns" bezeichnet.

In einem Schreiben  an US-Justizminister William Barr und Außenminister Mike Pompeo plädieren die Generalstaatsanwälte dafür, die Website in ihrer jetzigen Form vom Netz zu nehmen. Die Veröffentlichung der Pläne für 3D-gedruckte Waffen im Netz verstoße gegen das US-Waffenrecht und Exportbestimmungen, sei eine Gefahr für die nationale Sicherheit.

Sorgen macht den Ermittlern, dass die Waffen aus Kunststoff gefertigt werden können und deshalb leicht durch Sicherheitskontrollen geschmuggelt werden könnten. "Wenn sie jetzt nicht handeln, wird die Wirksamkeit unserer an Flughäfen und in Schulen verbreiteten Metaldetektoren kompromittiert", heißt es in dem Schreiben der Generalstaatsanwälte. Unterschrieben ist der auf den 13. April datierte Brief unter anderem von den Generalstaatsanwälten der Bundesstaaten Kalifornien, New York und Washington.

SPIEGEL ONLINE

Cody Wilson zählt mit seinem Unternehmen Defense Distributed zu den prominentesten Verfechtern von 3D-gedruckten Waffen. Bereits seit mehreren Jahren liefert er sich mit US-Behörden eine juristische Auseinandersetzung, inwieweit das Waffenrecht auch für solche Waffen gilt. Unter der Obama Administration wurde Wilsons Plattform Defcad wegen Verstößen gegen Exportgesetze gestoppt.

Die Trump Regierung scheint Wilson mehr Spielraum zu geben und im März 2020 ging die Defcad-Seite wieder online. Gegen eine Jahresgebühr von 50 Dollar soll man dort über 3000 Dateien für die Waffenherstellung herunterladen können, berichtet das "Wall Street Journal ".

Betreiber Cody Wilson bezeichnet Defcad gegenüber der Zeitung als "Netflix für Waffen." Er sagte, dass er unter anderem mithilfe der IP-Adressen seiner Nutzer sicherstellen wolle, dass nur US-Bürger Waffenpläne von seiner Seite herunterladen. Er könne aber nicht ausschließen, dass die Pläne auch anderweitig kursierten.

In den vergangenen Jahren wurden auf Flughäfen mehrmals Passagiere festgenommen, die nach solchen Plänen gedruckte Waffen im Gepäck hatten. Die "Welt" berichtet , dass in rechtsterroristischen Chat-Kanälen Werbung für 3D-gedruckte Waffen gemacht würde. Auch der Attentäter von Halle produzierte für seinen Anschlag auf eine Synagoge mehrere Waffenteile im 3D-Drucker. In Deutschland ist die Herstellung von Waffen mit einem 3D-Drucker illegal.

hpp