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18. März 2013, 11:17 Uhr

3-D-Drucker

Lizenz zum Waffendrucken

Cody Wilson darf ganz legal Waffen herstellen und vertreiben: Der Jurastudent arbeitet mit seiner Firma an Schusswaffen aus dem 3-D-Drucker, die Anleitungen stellt er ins Netz. Nun hat er eine offizielle Lizenz erhalten.

Hamburg - Ab jetzt ist alles ganz legal: Das Waffenprojekt Defense Distributed, das Schusswaffen aus dem 3-D-Drucker fertigen und verbreiten will, ist seit dem Wochenende ein in den USA staatlich lizenzierter Waffenhersteller. Im Blog und Facebook-Profil veröffentlichte die Firma das Foto einer Federal Firearms License (FFL).

"Schaut mal, wer eine Lizenz zur Herstellung von Schusswaffen hat?", schreibt Waffendrucker Cody Wilson dazu. Eine Überprüfung der Lizenznummer auf Gültigkeit war SPIEGEL ONLINE nicht möglich, da Defense Distributed nur einen Teil der Nummer veröffentlichte.

Die Lizenz vom Typ 7 erlaubt dem Konzessionsinhaber die Herstellung und den Verkauf von Schusswaffen und Munition, allerdings nur bedingt auch von schwereren Waffen und Sprengsätzen. Bewerber für eine solche Lizenz müssen einen Hintergrundcheck und mehrere Gespräche mit der Lizenzierungsstelle "Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives" beim US-Justizministerium über sich ergehen lassen.

Legal Waffen drucken

Der Vorgang ist allerdings, zumindest den Erklärschreiben der Lizenzierungsstelle nach zu urteilen, weder besonders tiefgründig noch auf Ablehnung getrimmt: Theoretisch kann jeder eine Lizenz zum Waffenherstellen bekommen, sofern er bislang nicht gegen Gesetze verstoßen hat und einen Geschäftsplan schreiben kann. Die Überprüfung von Defense Distributed dauerte ein halbes Jahr, ausgesprochen lange. Normalerweise, so heißt es auf der Website der Behörde, benötige man pro Bewerbung mindestens 60 Tage. Allerdings ist eine Lizenz zum Waffenherstellen in den USA keine Seltenheit; die veröffentliche Tabelle mit allen Lizenzen bricht bei über 65.000 Lizenznehmern ab.

Das Tech-Blog "Ars Technica" fragte beim Defense-Distributed-Gründer Cody Wilson nach, was er nun mit der Lizenz vorhabe. Der sagte nur: "Wichtig ist daran, dass ich nun legal [Waffen] herstellen kann. Ich kann Teile verkaufen, mit Schusswaffen handeln und sie transportieren." Als nächstes wolle er sich um eine weitere Lizenz kümmern, die es ihm erlaube, auch schwerere Waffen herzustellen und zu vertreiben, etwa vollautomatische Gewehre.

Denn das ist das Ziel von Defense Distributed: Die Herstellung eines solchen Gewehrs anhand eines frei im Web verfügbaren Konstruktionsplans und mittels eines 3-D-Druckers. Das erste Projekt der Firma ist ein sogenannter Lower Receiver für ein Sturmgewehr: der Teil eines AR-15, in den das Magazin von unten eingeschoben wird und aus dem der Abzugshebel herausragt. Mit einem AR-15 schossen sowohl der Vielfachmörder von Colorado als auch der 20-Jährige, der in der Kleinstadt Newtown 20 Kinder und sieben Erwachsene erschoss.

Anleitungen auf Pirate Bay

Viele andere Teile einer Schusswaffe ließen sich mit einem 3-D-Drucker nicht herstellen - der Kunststoff würde Druck und Hitze nicht standhalten. Doch der Lower Receiver ist ein besonderer Teil eines Gewehrs: Auf ihm steht die Seriennummer, gewissermaßen das Nummernschild der Waffe.

Wilson und seinen Kollegen geht es um mehr als die Herstellung von Waffen. Für sie ist das Waffendrucken eine Sache des Prinzips - sie glauben, dass der Staat die Waffen aus dem 3-D-Drucker nicht verbieten darf. Wilson studiert an der University of Texas Jura. In seiner Freizeit versucht er gemeinsam mit Gleichgesinnten, Waffen zu bauen, genauer gesagt: Waffenteile mit einem 3-D-Drucker selbst herzustellen. Die Anleitungen stellen sie ins Netz, sie lassen sich zum Beispiel über die Filesharing-Plattform Pirate Bay herunterladen.

Die nun erworbene Lizenz dürfte allerdings noch kein Durchbruch für die Do-it-yourself-Waffenszene sein: Bevor die Bastler Waffenteile oder gar Waffen verkaufen, müssen sie Auflagen für Produkt- und Produktionssicherheit erfüllen - und die sind wesentlich schwieriger einzuhalten.

fko

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