Wahl im Iran Mit SMS und Facebook gegen Ahmadinedschad

Die Anhänger des führenden Reformkandidaten in Iran bedienen sich schon seit Wochen modernster Kommunikationstechnik. Die jüngere Generation versucht, mit dem Einsatz von SMS, Facebook und Blogs Stimmung gegen Präsident Ahmadinedschad zu machen.

Teheran - Täglich werden per SMS Zehntausende Kurztexte verschickt, in denen vor allem junge Menschen aufgefordert werden, bei der Präsidentenwahl am kommenden Freitag für Mir Hossein Mussawi zu stimmen. Auch über Blogs sowie Facebook und andere Internet-Dienste wird zur Teilnahme an der Abstimmung ermahnt. Nur so könne Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad besiegt werden, lautet die Devise. Der Präsident hat übrigens selbst ein Weblog, und zwar schon seit Jahren. Für junge Iraner ist das Web längst eine wichtige Möglichkeit, sich wenigstens halbwegs frei von Zensur und Gängelung miteinander auszutauschen.

In der Tat dürfte die Wahlbeteiligung entscheidend für das Ergebnis sein. Vor vier Jahren haben die Reformer die Präsidentenwahl weitgehend boykottiert, so dass sich in der Stichwahl zwei Konservative gegenüberstanden. Dass der relativ gemäßigte Ex-Präsident Haschemi Rafsandschani dann allerdings von Ahmadinedschad geschlagen wurde, hätte kaum jemand erwartet. Der frühere Bürgermeister von Teheran wird vielerorts immer noch als Mann des Volkes gesehen. Seine Wiederwahl gilt aber nicht mehr als sicher.

Schuld daran ist vor allem die schlechte Wirtschaftslage. Die Inflationsrate beträgt etwa 25 Prozent, die Arbeitslosenquote liegt ebenfalls im zweistelligen Bereich. Vom Anstieg des Ölpreises in den vergangenen Jahren hat das Land kaum profitiert, weil es mangels ausreichender Raffinerien trotz seiner großen Erdölvorkommen Brennstoff importieren musste. Auch die wirtschaftlichen Sanktionen des UN-Sicherheitsrats haben sich negativ auf die Wirtschaft ausgewirkt.

Parole der Mussawi-Anhänger: "Ahmadi-bye-bye"

Mit seinem Konfrontationskurs gegenüber dem Westen - insbesondere im Atomstreit - hat der Präsident sein Land immer tiefer in die Isolation getrieben. Dies wird vielerorts mit Sorge betrachtet.

Ahmadinedschad habe Iran an den Rand des Abgrunds geführt, kritisiert Mohsen Resaei, ein weiterer Präsidentschaftskandidat und einstiger Kommandeur der Revolutionsgarden, der selbst zum konservativen Lager gehört. Auch der zweite reformorientierten Bewerber neben Mussawi, der frühere Parlamentspräsident Mahdi Karrubi, geißelt die Wirtschafts- und Außenpolitik des Amtsinhabers.

Die Anhänger Mussawis verbreiten in ihren Textbotschaften die Parole "Ahmadi-bye-bye". Doch der so Verabschiedete kann sich immer noch auf viele Anhänger verlassen. "Ahmadinedschad kümmert sich um die Armen. Er ist unser Held", lobt ihn die Hausfrau Ask Seinab Hosseini. Aber es mehren sich eben auch die kritischen Stimmen: "Ich habe vor vier Jahren Ahmadinedschad gewählt, weil ich ihn für einen Mann aus dem Volke gehalten habe", sagt der Basarhändler Resa Schams. "Aber jetzt sehe ich ihn nur noch als Populisten, der Iran um Jahrzehnte zurückgeworfen hat." Verlässliche Meinungsumfragen gibt es nicht. Beobachter sowie Anhänger beider Seiten sprechen jedoch davon, dass ein äußerst knappes Ergebnis zu erwarten sei. Karrubi und Resaei werden nur geringere Chancen eingeräumt. Allgemein wird damit gerechnet, dass es am 19. Juli zur Stichwahl zwischen Ahmadinedschad und Mussawi kommt, da keiner in der ersten Runde die notwendigen 50 Prozent erreichen dürfte.

Spott über "Ahmadinedschads Heiligenschein"

Der Wahlkampf zwischen den beiden führenden Kandidaten wurde zuletzt mit immer härteren Bandagen ausgefochten. Ahmadinedschad hat seine politischen Gegner der Korruption bezichtigt und der Ehefrau Mussawis, Sahra Rahnaward, vorgeworfen, sie habe ihren Doktortitel in Politologie ohne die notwendigen Qualifikationen erhalten. Die Asad-Universität in Teheran wies dies zurück.

Mussawis Anhänger wiederum machen sich lustig über eine angebliche Bemerkung Ahmadinedschads, er habe sich bei seiner Rede vor den Vereinten Nationen 2005 von einer Aura umgeben gespürt.

Am vergangenen Montag bildeten die Anhänger Mussawis eine fast 20 Kilometer lange Menschenkette vom armen, konservativen Süden bis zum wohlhabenderen liberalen Norden Teherans. Sie wollten damit beweisen, dass sie die Massen mobilisieren können.

Der Vorsitzende der Wahlkommission, Kamran Daneschdschu, hält es für möglich, dass die Beteiligung diesmal das Rekordergebnis von 79,93 Prozent aus dem Jahre 1997 überschreitet. Damals wurde der Reformer Mohammed Chatami schon in der ersten Runde ins höchste Staatsamt katapultiert - eben weil so viele junge Leute zur Wahl gegangen waren. Dies könnte auch diesmal wieder der Fall sein.

Rolle des Klerus möglicherweise entscheidend

Wahlen in Iran gelten als relativ fair, obwohl keine ausländischen Beobachter zugelassen werden. Vorwürfe von Wahlbetrug hielten sich bisher in Grenzen. Dennoch steht nach Ansicht von Analysten immer die Frage im Raum, ob der allmächtige Klerus einen bestimmten Wahlausgang wünschen und entsprechend steuern könnte. Das geistliche Staatsoberhaupt Ayatollah Ali Chamenei hat sich aber auch kurz vor der Abstimmung noch nicht geäußert.

Von Ali Akbar Dareini, AP
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