Privatsphäre Walmart will bis in den Kühlschrank liefern

Warum denn nur bis zur Haustür? Der US-Handelskonzern Walmart will seinen Kunden online bestellte Waren künftig bis in die Küche bringen, auch wenn die nicht daheim sind - zuschauen können sie bei der Lieferung trotzdem.

So sieht es im Werbevideo aus: Eine Walmart-Mitarbeiterin räumt Einkäufe in den Kühlschrank eines Kunden ein.
Walmart

So sieht es im Werbevideo aus: Eine Walmart-Mitarbeiterin räumt Einkäufe in den Kühlschrank eines Kunden ein.


Das Internet der Dinge soll es möglich machen: Im Netz bestellte Waren, vom Paket Butter bis zum vorgeschnittenen Salat, sollen Walmart-Kunden künftig bis in den Kühlschrank geliefert werden, auch wenn sie nicht da sind. Voraussetzung dafür sind ein bisschen Technik - und viel Vertrauen.

Während man solchen Angeboten in Deutschland noch weitgehend skeptisch gegenübersteht, haben Lieferdienste, die bis in die Wohnung liefern, in den USA schon viele Kunden gefunden. So bietet Amazon Lieferungen in den Hausflur, die Garage oder gar den Kofferraum des Autos an, sofern die Kunden ihre Türen mit entsprechenden fernsteuerbaren Schlössern versehen haben. Ein ähnliches Angebot gibt es von Walmart auch schon. Bis zum Jahresende sollen Kunden ihre Einkäufe in 3100 Filialen zum Abholen vorbestellen und von 1600 Filialen nach Hause liefern lassen können.

Crashkurs in Kühlschrankkunde

Mit dem neuen Kühlschrank-Service geht Walmart nun noch einen Schritt weiter. Statt nur bis hinter die Haustür oder das Garagentor, sollen die Mitarbeiter künftig bis in die Küche des Kunden gehen.

Kunden sollen den Liefervorgang am Smartphone mitverfolgen können.
Rawpixel/ Walmart

Kunden sollen den Liefervorgang am Smartphone mitverfolgen können.

Damit sie dabei alles richtig machen, würden die Liefermitarbeiter speziell geschult, tönt das Unternehmen in einer Pressemitteilung. Demnach soll ihnen ein sorgsamer Umgang mit dem Zuhause des Kunden ebenso beigebracht werden wie die Auswahl besonders frischer Produkte aus dem Walmart-Angebot. Zudem soll ihnen beigebracht werden, wie man Lebensmittel am besten in den Kühlschrank einsortiert.

Liefer-Voyeurismus

Den geplanten Ablauf einer solchen sogenannten InHome Delivery beschreibt Walmart so:

  • Der Kunde stellt seine Bestellung im Webshop des Unternehmens zusammen und wählt an der Kasse die Nach-Hause-Lieferung aus.
  • Während der Kunde beispielsweise seiner Arbeit nachgeht, stellt ein Walmart-Mitarbeiter die Bestellung zusammen.
  • Zur gewünschten Lieferzeit öffnet der Lieferant die Tür zum Haus des Kunden per App. Voraussetzung dafür ist die Installation eines smarten Türschlosses mit Internetanbindung.
  • Schließlich wird der Kühlschrank mit den bestellten Waren befüllt.

Den eigentlichen Liefervorgang dokumentiert der Mitarbeiter mit einer vor die Brust geschnallten Kamera, die auf Pressebildern wie eine billige Version einer GoPro aussieht. Wenn der Kunde das möchte, kann er auf diese Weise per App zuschauen, wie sein Kühlschrank eingeräumt wird, was für alle Beteiligten ein zumindest merkwürdiges Erlebnis sein dürfte.

Vorerst will der US-Konzern den neuen Lieferdienst nur in Kansas City, Pittsburgh und Vero Beach testen. Etwas mehr als eine Million Kunden könnten dann ausprobieren, ob es ihnen geheuer ist, wenn ein Fremder in ihrem Kühlschrank herumwühlt.

mak

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
dummzeuch 08.06.2019
1. Und dass bei schießwütigen Amerikanern
Wie oft liest man von Leuten die in Amerika beim Betreten eines fremden Grundstücks vom Eigentümer mit einer Waffe bedroht, verletzt oder sogar getötet werden. Und da trauen sich Lieferanten in die Wohnung von Unbekannten?
rainerwäscher 08.06.2019
2.
Soviel Vertrauen könnte ich Lieferpersonal nicht entgegenbringen. Hier in Deutschland kann man ja nicht einmal Polizisten vertrauen.
geotie1 08.06.2019
3.
Zitat von rainerwäscherSoviel Vertrauen könnte ich Lieferpersonal nicht entgegenbringen. Hier in Deutschland kann man ja nicht einmal Polizisten vertrauen.
Wenn Sie eine dunkle Hautfarbe haben und nachts in den Staaten oder in Deutschland spazieren gehen, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit von einer verirrten Polizeikugel, die natürlich nur zur Selbstverteidigung abgegeben wurde, getroffen zu werden? Einfach mal die Statistiken befragen, soll helfen!
dasfred 08.06.2019
4. Auch nix neues
Vor etwa einem Jahr wurde im Fernsehen ein Pilotprojekt in Schweden vorgestellt, dass genau so abläuft, nur, dass der Kunde die Lieferung ab Wohnungstür bis in die Küche über seine eigenen Kameras überwacht. Wer damit glücklich wird, soll's machen, hier sehe ich kein großes Potential.
verbal_akrobat 08.06.2019
5. Gelebte Praxis
mein Cousine, Innenstadt Köln, 6WG, alles fertige Akademiker (32-39alter) - am arbeiten, Glaube REWE macht das bei denen. (mussten sogar das WZ aufgeben für den sechsten)
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