Erpressersoftware 450 Computer der Bahn von "WannaCry"-Virus betroffen

Wohl nirgendwo in Deutschland waren die Folgen des "WannaCry"-Online-Angriffs präsenter als auf Bahnhöfen. Bis die Anzeigetafeln der Deutschen Bahn wieder funktionieren, kann es noch dauern. Lösegeld will der Konzern nicht gezahlt haben.
Elektronische Anzeigentafel der Bahn im Hauptbahnhof Leipzig

Elektronische Anzeigentafel der Bahn im Hauptbahnhof Leipzig

Foto: Jan Woitas/ dpa

Von der weltweiten "WannaCry"-Attacke mit Erpressersoftware waren nach Angaben der Berliner Staatsanwaltschaft insgesamt 450 Rechner der Deutschen Bahn betroffen. Es gebe auch Hinweise auf weitere Geschädigte, sagte Sprecher Martin Steltner am Dienstag. Möglich sei, dass sich Betroffene bislang nicht gemeldet hätten, weil sie eine Rufschädigung befürchteten.

Die Hacker wollten mit ihrem Angriff Geld erpressen. Die Bahn habe aber nichts gezahlt, heißt es. Ermittelt werde auch wegen Computersabotage. Europäische Behörden wie Eurojust (für die Justiz) und Europol (für die Polizei) arbeiten laut Staatsanwaltschaft bei der Aufklärung zusammen. In Deutschland führt das Bundeskriminalamt die Ermittlungen.

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Wegen des "WannaCry" genannten Cyber-Angriffs waren deutschlandweit zahlreiche digitale Anzeigetafeln sowie Ticketautomaten an Bahnhöfen ausgefallen. Die Reparatur der Anzeigen sollte laut Bahn mehrere Tage dauern. Auch die Technik zur Videoüberwachung war laut Bundesinnenministerium betroffen.

Nach SPIEGEL-Informationen war auch die Bahn-Logistiktochter Schenker von "WannaCry" betroffen. "Bei Schenker ist der Virus eingedämmt und die Auswirkungen auf Kunden waren minimal", sagte ein Bahn-Sprecher.

Nach der Angriffswelle haben die Grünen die IT-Sicherheitsstrategie der Bundesregierung scharf kritisiert. Sie werfen der Koalition vor, den Schutz von Bürgern und Unternehmen zu vernachlässigen, dabei seien diese "bislang am häufigsten tatsächlich Opfer von schlecht geschützten IT-Systemen, aber auch von gezielten Angriffen", heißt es in einem Positionspapier der Bundestagsfraktion, das dem SPIEGEL vorliegt.

Besonders harte Kritik üben die Grünen darin an Innenminister Thomas de Maizière (CDU). "Die Maßnahmen des Bundesinnenministeriums beschränkten sich allenfalls auf die Sicherheit der Bundesverwaltung." Es existiere "keine übergreifende Strategie, etwa für staatlich unterstützte Beratungsangebote oder zur Stärkung der Medienkompetenz." Das Thema IT-Sicherheit sei bei de Maizière falsch aufgehoben.

Leseraufruf

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mbö/fab/dpa
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