"War Driving Day" Brüder zur Sonne, zum Funknetz

Was haben Sie eigentlich am Wochenende vor? Wenn Sie einen tragbaren Computer haben, könnten Sie sich zum Beispiel auf die Suche nach drahtlosen Funknetzen mit kostenlosem Zugang zum Internet machen. Am Samstag haben Hacker weltweit zum "War Driving Day" geladen. Die IT-Sicherheitsindustrie freut sich drauf.

Hamburg - Drahtlose Netzwerke, so genannte W-LANs, sind eigentlich eine feine Sache. Ohne lästige Kabel erlauben sie den Zugang ins weltweite Datennetz. So lässt sich zum Beispiel in diesen schönen Sommertagen die Computerarbeit problemlos aus dem Park erledigen. Oder man surft beim Kaffeetrinken, quasi nebenbei, ein bisschen im Web – drahtlos versteht sich. Soweit jedenfalls die Theorie. Allerdings hat sie einen kleinen Schönheitsfehler.

Denn prinzipiell gibt es zwei Arten von drahtlosen Netzwerken. Da sind zum einen diese weithin beworbenen öffentlichen Einstiegspunkte ins Netz an so genannten Hot Spots. Dazu zählen etwa die 1200 Filialen der US-Kaffeebrauer-Kette Starbucks, wo Kunden seit gut einer Woche neben Koffein-Drinks auf Wunsch auch einen Webzugang geboten bekommen.

Der andere Fall: Zutritt unerwünscht, aber nicht unmöglich

Zum anderen gibt es aber weit mehr drahtlose Netzwerke, die sich nicht über Besucher freuen. Das sind W-LANs von Unternehmen, die eigentlich eingerichtet wurden, um den Kabelsalat in den Büros zu entwirren und Mitarbeitern an verschiedenen Standorten unkompliziert Zugang zum Firmennetz zu geben. Doch auch viele dieser Funknetze sind längst schon zu einem quasi öffentlichen Einstiegspunkt für Leute mit einem Mindestmaß an Technikverständnis geworden: Mangelnde Sicherungsmaßnahmen machen Surfen auf fremde Kosten möglich, einfach von der Straße aus.

Und so wurde seit dem vergangenen Sommer "Wardriving" zum beliebten Hacker-Sport. Der Trend stammt ursprünglich von der US-Westküste, wo zuerst die Mitglieder der Bay Area Wireless Users Group (BAWUG) mit ihren Autos die Highways entlang fuhren und mit drahtlosen Rechnern und GPS-Empfängern die so genannten "Access Points" ungeschützter Netze erschnüffelten und in Landkarten einzeichneten. Anfang August dieses Jahres, beim Hackerkongress Defcon in Las Vegas, vertrieben sich die Teilnehmer ebenfalls die Zeit mit einem Wardriving-Wettbewerb, und auch in zahlreichen anderen Ländern zieht es die Hacker längst ins Freie.

Ist erst einmal ein offenes Funknetz gefunden, wird es häufig mit Kreidezeichen auf der Straße oder an Hauswänden markiert. So verraten etwa zwei nach außen geöffnete Halbkreise die Existenz eines offenen Netzknotens, außerdem sind der ID-Name und die Bandbreite angegeben. Inzwischen warnt sogar das FBI vor den postmodernen Kreidezeichnungen: "Wenn sie diese Symbole in der Nähe ihres Unternehmens finden, ist es wahrscheinlich, dass ihr Netzwerk als öffentlich zugänglich identifiziert wurde", zitiert die BBC aus der Warnung eines Pittsburgher FBI-Mitarbeiters.

Am Samstag wird gesucht

Für das Wochenende haben nun Hacker erstmals zum "War Driving Day" aufgerufen. So heißt ein Aktionstag, an dem weltweit Interessierte ausschwärmen wollen, um schlecht geschützten W-LANs auf den Pelz zu rücken und so auf die massiven Sicherheitsprobleme aufmerksam zu machen. Die Idee hatten übrigens Freiluft-Fans aus der kanadischen Stadt Red Deer. Doch längst wollen sich auch Hacker aus mehreren anderen Ländern - darunter Australien, Deutschland, Japan, Russland und die USA - anschließen, berichtet der Newsdienst "heise online".

Indes scheint das Ereignis auch IT-Sicherheitsfirmen anzulocken, die quasi als Trittbrettfahrer von den Sicherheitsmängeln profitieren wollen. So will dem Bericht zufolge ein Unternehmen allein in Köln sechs Leute mobilisieren, die zum "War Driving Day" zeigen sollen, wo überall noch Beratungsbedarf im Bezug auf sichere Funk-Netze besteht – nicht ganz uneigennützig, denn mit den bloß gestellten Unternehmen ist ganz sicher gutes Geld zu verdienen.

Nur Fliegen ist schöner

Der neueste Trend im punkto Wardriving kommt übrigens aus Australien. Dort gehen die Hacker inzwischen sogar in die Luft. Mit einem Kleinflugzeug erschnüffelten unlängst Hacker in Perth rund 100 Einstiegspunkte für W-LANs – aus knapp 460 Metern Höhe. Ein ähnliches Experiment von fliegenden Wireless-Aktivisten in San Diego förderte in dieser Woche sogar rund 400 "Acces Points" zu Tage, die inzwischen alle auf einer Landkarte eingezeichnet und im Web nachzulesen sind.