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WayGuard-App: Alarm schlagen per App

"WayGuard" Begleitschutz per App

Mit einem Fingertipp Alarm schlagen und seinen Aufenthaltsort versenden: In den USA sind Security-Apps mit solchen Funktionen schon geläufig. Ein Test in Köln will das Konzept nun auch in Deutschland erproben.

Tina ist nicht gern allein unterwegs. Sie hat irgendwie ein ungutes Gefühl. Aus der Dunkelheit vor den schemenhaften Hochhäusern im Hintergrund starren gelbe Augenpaare auf sie. Tina zückt ihr Smartphone, tippt, es spannt sich eine helle, schützende Aura um sie auf. Die gelben Augen sind weg, Tina fühlt sich viel wohler auf dem Heimweg.

So einfach ist das mit dem sicheren Nachhauseweg, jedenfalls in der Animation auf der Website  der App "WayGuard". Die App stammt aus einem Versuchslabor für innovative Konzepte beim Versicherungskonzern AXA.

Wird die App gestartet, übermittelt sie fortlaufend die Geo-Koordinaten des Handys, zum Beispiel an einen vom Nutzer ausgewählten privaten Begleiter. Ist gerade niemand verfügbar, können Nutzer sich auch an einen Mitarbeiter in einer rund um die Uhr besetzten Leitstelle wenden. Ein Telefongespräch oder ein Chat sind möglich, aber kein Muss.

Wer sicher daheim ankommt, kann die App einfach beenden. Das signalisiert: Alles in Ordnung. Wenn aber auf dem Weg der Kontakt plötzlich abbricht, wenn die Wayguard-Nutzerin den Notfall-Button drückt oder den Begleiter um Hilfe bittet, dann wird ein Notruf an die Polizei ausgelöst.

Dieses Konzept von "WayGuard" soll jetzt in Kooperation mit der Kölner Polizei in der Stadt getestet werden. Insgesamt 1500 Personen sollen mitmachen, im Moment werden gerade die Studentinnen an den Kölner Universitäten angesprochen. App und Teilnahme sind gratis.

Personenschützer dritter Klasse

In anderen Ländern sind Security-Apps mit ähnlichen Konzepten schon länger im Einsatz. Bei "bSafe" etwa ist die App und der "Begleitschutz" durch Freunde gratis, der Premiumdienst mit ständig besetzter Leitstelle kostet zwei Dollar pro Monat oder 15 Dollar pro Jahr.

Das auf Geschäftskunden ausgelegte "Guardly" hat ein ähnliches Premium-Preismodell. An US-Colleges und Universitäten ist "Circle of 6" sehr populär; die Notfall- und "Begleiter"-Optionen der App sollen vor allem bei Verabredungen oder Feiern schützen. Hier sorgen die Geo-Daten für ein spezielles Feature: Bei einem Notfall auf dem Schulgelände kommt direkt die Campus-Polizei, außerhalb geht der Alarm an die normale 911-Notrufnummer.

Gut fürs Gefühl, aber nicht wirklich hilfreich?

Wie hilfreich Apps wie "WayGuard" in einer konkreten Gefahrensituation tatsächlich sind, ist aber unklar. Nachrichtenmeldungen, bei denen derartige Apps geholfen haben, sucht man jedenfalls vergeblich. Nichtsdestotrotz könnten solche Apps Frauen - und auch Männern, die sie benutzen möchten - zumindest ein besseres Gefühl auf dem Heimweg verschaffen.

Eine Axa-Sprecherin betonte, dass die "WayGuard"-App stark auf Prävention setze. Man habe Verhaltenstipps der Polizei integriert. Die App solle niemanden dazu verleiten, sich bewusst in eine Risikosituation begeben, sagte die Sprecherin.

Gibt es einen Angriff, hilft eine App natürlich nicht weiter, bestenfalls kann damit schneller auf einen solchen aufmerksam gemacht und Hilfe geholt werden - wenn dem Smartphone nicht im unpassenden Moment die Puste ausgeht. Die Apps verbrauchen nämlich ordentlich Akku.