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Neue Hacker: Marodierende Teenager piesacken das Netz

Foto: Jana Pape/ dpa

Web-Blockierer Hausdurchsuchung bei mutmaßlichen Anonymous-Mitgliedern

Überlastungsangriffe auf italienische Websites: Ermittler in Italien und der Schweiz durchsuchen Wohnungen mutmaßlicher Anonymous-Aktivisten. Sie sollen die Internetangebote des italienischen Parlaments lahmgelegt haben. Ein mutmaßlicher Täter wurde im Tessin verhaftet.

Nach Informationen der italienischen Zeitung " Corriere della Sera " haben Polizisten in einer konzertierten Aktion die Wohnungen von insgesamt 30 mutmaßlichen Online-Aktivisten in Italien und der Schweiz durchsucht.

Zu einer Festnahme kam es nach Informationen von SPIEGEL ONLINE nur im Schweizer Kanton Tessin: Dort wurde der 26-jährige Italiener Luca F. verhaftet, der unter dem Hacker-Kürzel "Phre" die italienische Anonymous-Zelle gelenkt haben soll. Im Telefonat mit SPIEGEL ONLINE erklärte die Schweizer Bundespolizei (die weiter nichts mit dem Fall zu tun hat), dass die Festnahme im Tessin auf Anfrage italienischer Kollegen durch die Kantonspolizei erfolgte.

Die italienischen Behörden werfen den Aktivisten vor, sich an Überlastungsangriffen (DDoS, Distributed Denial of Service) gegen die Web-Präsenzen des italienischen Parlaments und des Medienkonzerns Mediaset von Silvio Berlusconi beteiligt zu haben. Ähnliche Angriffe führt Anonymous regelmäßig durch. Etwa, um sich im Namen der Informanten-Website WikiLeaks an Kreditkartenfirmen zu rächen, die den Spendenstrom zu WikiLeaks blockierten.

Für Anonymous sind diese Web-Blockaden nur eine besondere Form des Protests. Es gibt allerdings auch andere Einschätzungen. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger differenzierte in einem Interview  so:

"Die Grenze zwischen straffreiem Protest und Computersabotage liegt da, wo anderen gezielt ein Schaden zugefügt wird, indem man seine Datenverarbeitung lahmlegt. Das ist bei einer richtigen Demonstration aber auch nicht anders, da dürften Sie auch nicht als Zeichen des Protestes die Filialen von Unternehmen verwüsten."

Zu große Hoffnung auf ein Ende von Anonymous in Italien und der Schweiz sollten sich die verantwortlichen Behörden deshalb nicht machen: an den Überlastungsangriffen konnte sich jeder beteiligen, der eine maßgeschneiderte Software installierte. Diese so genannte "Low Orbit Ion Cannon" aber verrät ihre Schützen. Gut denkbar, dass das den nun kontrollierten Anonymous-Aktivisten zum Verhängnis wurde - das führt zu vielen Festnahmen, trifft aber eher die naiven Mitläufer als die zentralen Figuren.

fko
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