Mixed-Martial-Arts-Kämpferinnen "Ich verdiene leider mehr Geld auf Social Media als bei Kämpfen"

In sozialen Netzwerken ringen Kampfsportlerinnen um Klicks und Fans. Zwei Mixed-Martial-Arts-Stars erklären, wie sie ihren Marktwert online in die Höhe treiben.

Paige VanZant: Der Online-Auftritt beeinflusst auch die Präsenz im Ring
Noah K. Murray/ USA TODAY Sports/Reuters

Paige VanZant: Der Online-Auftritt beeinflusst auch die Präsenz im Ring

Aus Lissabon berichtet


Sie schlagen, kicken und würgen - und posten darüber fleißig auf Plattformen wie Facebook und Instagram. Denn den Marktwert von Mixed-Martial-Arts-Kämpferinnen beeinflussen längst nicht nur deren Kämpfe in der Arena, sondern auch die Leistung im Internet, in sozialen Netzwerken. Deshalb sind auf der Tech-Konferenz Web Summit in Lissabon zwischen vielen Digitalexperten auch Kampfsportlerinnen vertreten.

"Social Media hatte einen großen Einfluss auf meine Karriere", sagte Profi-Kämpferin Paige VanZant dem SPIEGEL. "Online baut man seine Fangemeinschaft auf - das Internet ist sehr wichtig, um sich als Marke zu positionieren." Auf Instagram präsentiert sich die 25-jährige Amerikanerin etwa in Fotos und Video-Clips beim Training, aber auch auf Reisen, privat mit ihrem Freund und Hund - und mehr als 2,3 Millionen Abonnenten sehen dabei zu. Dazu kommen rund 700.000 Menschen, die ihre Facebook-Fanpage verfolgen und 329.000 Twitter-Follower.

"Die Fans wollen nicht nur den Prozess sehen, nicht nur die erfolgreichen Momente - sie wollen hinter die Kulissen blicken", sagte VanZant. "Sie interessieren sich eher für die detaillierteren Beiträge, wenn es zum Beispiel auf einen Kampf zugeht, und beteiligen sich stark."

Besseres Ranking durch Social Media

Der weltweit größte MMA-Veranstalter UFC hat in den letzten Jahren massiv in Marketing und Social Media-Formate wie Videoblogs und Serien investiert. Die UFC und ihre Kämpfer produzieren der Digitalexpertin Maya Hampton mittlerweile so viele Inhalte wie eine eigene Medienorganisation. Die Beliebtheit des lange als brutal geltenden Kampfsports, bei dem verschiedene Kampftechniken zum Einsatz kommen und bei dem es früher kaum Regeln gab, sei auch dank des Marketings "explodiert". schreibt Hampton in einer Analyse. Auch die Stars selbst wüssten sich zu vermarkten: "Sie alle haben charakteristische Bewegungen, Spitznamen und Stile, um sich zu unterscheiden und Sponsoren anzuziehen", so Hampton.

Der früheren UFC-Kämpferin und Titelträgerin im Federgewicht Cristiane "Cris Cyborg" Justino zufolge beeinflusst die Social Media-Strategie heute maßgeblich die Präsenz im Ring: "Social Media hat einen großen Einfluss bei der Vermarktung von Kämpfen und dem Markenaufbau", sagte die Brasilianerin dem SPIEGEL. "Häufig kann man sehen, dass Kämpfer, die in der Rangliste schlechter platziert sind, mit Kämpfen mit einem besseren Profil belohnt werden - nur aufgrund ihrer Social Media-Followerzahlen."

Auch Justino ist MMA-Influencerin: Am meisten hat sie in ihren YouTube-Kanal investiert, aber auch Instagram (mehr als 1,1 Millionen Fans), Facebook (900.000 Fans), Twitter (220.000 Follower) und TikTok sind für sie wichtige Kanäle.

Justino hat ein eigenes Social Media Team, das sie dabei unterstützt, Inhalte für die jeweiligen Plattformen zu erstellen. "Es ist viel Arbeit, aber ich behalte alles im Blick und ich mag es, weil ich mit meinen Fans in Kontakt sein kann", sagt die 34-Jährige. "Und ich kann damit Geld verdienen, weil viele meiner Sponsoren einen Wert in gesponserten Posts sehen." Vor kurzem ist die Kämpferin zu der MMA-Firma Bellator gewechselt und hat dem CEO Scott Coker zufolge "den größten Vertrag in der Geschichte des Frauen-MMA" abgeschlossen.

Forderungen nach mehr Gehalt

Die Amerikanerin Paige VanZant bespielt ihre Social Media-Kanäle allein - ein Kraftakt, der sich für sie aber ebenfalls bei Deals mit Sponsoren und anderen Unternehmen auszahlt. Bei Verhandlungen präsentiert sie Nutzerdatenanalysen von Facebook und Instagram, um ihre Reichweite zu belegen.

Social Media ist auch die Plattform für VanZants derzeit größten Kampf - gegen den sogenannten Gender Paygap, die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen, in der Kampfsportszene. VanZant war in den letzten Jahren beim UFC unter Vertrag und verhandelt gerade neu. Verlängern will sie aber nur zu deutlich besseren Konditionen. Denn obwohl sie eine der populärsten Kämpferinnen des UFC sei, verdienten männliche Einsteiger mehr, kritisiert sie - und prangert das Gehaltsgefälle immer wieder öffentlich an.

"Ich verdiene leider mehr Geld auf Social Media als bei Kämpfen, obwohl Kämpfe meine eigentliche Karriere sind", sagt VanZant dem SPIEGEL. "Das ist auch der Grund, warum ich so offen über die Gehälter für Frauen spreche - es ist etwas, was ich ändern will."



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Horst Scharrn 10.11.2019
1.
Wer mehr Geld verdienen will, einfach aus UFC aussteigen und zur WWE gehen. Hat Ronda Rousey auch gemacht. Und nebenbei dann halt noch bei Instagram, Facebook, Twitter usw. Geld verdienen.
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