Web-TV Yahoo erobert die Fernbedienung

Google will ins Fernsehen, Konkurrent Yahoo ist bereits drin: Im vergangenen Jahr entwickelte der Suchmaschinenbetreiber seine Widgets auch für TV-Geräte. Jetzt hat Yahoo mit Sony einen wichtigen Player als Partner gewonnen. Ist das nun die viel beschworene TV-Revolution im Wohnzimmer?

Flickr-Widget für Fernseher: Zugriff auf einzelne Dienste

Flickr-Widget für Fernseher: Zugriff auf einzelne Dienste


Erst vor wenigen Wochen sorgte Google für Furore, weil bekannt wurde, dass der Suchmaschinenriese mit Intel und Sony zusammenarbeitet, um endlich die Lücke zwischen dem heimischen Wohnzimmer und dem weltweiten Web zu schließen. Google-Konkurrent Yahoo sieht sich hier bereits am Ziel: Schon seit dem vergangenen Jahr bieten die Kalifornier mit "Connected TV" kleine Web-Helferlein für TV-Geräte an. Bislang waren die TV-Widgets vor allem auf amerikanischen Fernsehern der Marke Vizio vertreten, jetzt kommt mit Sonys Bravia-LCD-Serie ein dicker Fisch dazu - rund 25 Prozent aller von Sony verkauften TV-Geräte wird die Yahoo-Web-Verbindung bekommen.

Bereits in den vergangenen Jahren gab es immer wieder Versuche verschiedener Hersteller, irgendwie auch dieses Internet in ihre Geräte zu integrieren, Netzwerkanschlüsse an aktuellen Geräten gehören fast zum Standard. Nennenswerte Erfolge blieben bisher aus, nach wie vor greifen Nutzer eher auf Mediaplayer, Streaming-Clients oder Laptops und ähnliche Geräte zurück, wenn sie ihren Fernseher mit dem Internet verbinden wollen. Yahoo ist dennoch optimistisch und verspricht "Millionen Sony-Kunden in über 100 Ländern ein verbessertes Fernseherlebnis", will mit seinem Dienst gar das Fernsehen bereits revolutioniert haben.

Das TV-Web á la Yahoo: 50 Dienste

Das scheint dann doch ein wenig übertrieben. Yahoo veröffentlichte bereits 2009 eine Entwicklersoftware, mit der Betreiber von Webdiensten eigene Widgets programmieren können. Bisher seien rund 50 Widgets verfügbar: Wie die vom iPhone her bekannten Apps schaffen diese jeweils einen Zugang zu einzelnen Anwendungen. Darunter finden sich etwa Zugänge zu den Social-Web-Diensten Twitter und Facebook oder auf das Onlineauktionshaus eBay - wie bisher üblich ist also auch der Yahoo-Zugriff auf das Web nur ein selektiver.

Wie könnte es auch anders sein? Für den Web-Zugriff via Fernbedienung ist das Widget bisher der Königsweg. Das Grundproblem des Internet via TV ist, dass das Stochern im großen Angebot mit erheblichen haptischen Problemen verbunden ist. In der Regel zappt man per Fernbedienung und virtueller Tastatur ungewohnt mühselig durch die Weiten des Webs - ein Menügeführtes Mini-Web ist da die naheliegend dürre, aber zumindest nutzbare Alternative, eine Art Best-of-Auswahl des Webs. Laut Yahoo-Pressemitteilung stehen den Nutzern so immerhin schon "auf Wunsch tausende Inhalte, Filme, Fernsehshows und Internetdienste schnell und einfach auf Abruf bereit".

Das klingt ganz sinnvoll, aber absolut nicht revolutionär: Es behandelt das Netz wie ein zusätzliches Programmangebot. Verändern dürfte es die Sehgewohnheiten nur dahin, dass kaum noch auf den Fernseher geschaut werden kann, wenn man Facebooknachrichten oder E-Mails mit der Fernbedienung und einer virtuellen Tastatur eingeben muss - in Sachen Usability liegen Netbook oder Smartphone auch weiterhin vorne. Für die Partner Yahoo und Sony ist das Ganze ein werbewirksamer Mehrwert, zudem das Setzen einer Duftmarke auf dem keimenden Web/TV-Markt. Abzuwarten ist nun, ob Google es mit seiner angekündigten TV-Funktion besser machen wird. Auch dabei heißt der Geräte-Partner Sony.

jmö

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