Webcam Amerikas härtester Sheriff zeigt Knackis live im Internet

Haftstrafen sollen abschrecken. Das Problem ist nur, dass sie dies anscheinend nicht tun: Die Rückfallquoten sind enorm. Das, meint Joe Arpaio, der "härteste Sheriff der USA", könnte und sollte man ändern. Künftig können Männer, die mit Prostituierten erwischt wurden, ihren Ehefrauen per Webcam aus der Zelle zuwinken. Das schreckt ab.


 Er ist das Gesetz im Maricopa County: Joe Arpaio
Maricopa County Sheriff's Office

Er ist das Gesetz im Maricopa County: Joe Arpaio

"Big Brother", schrieb George Orwell, "is watching you". Das, meint Joe Arpaio, kann man auch umdrehen: Bald schon soll man über seine Website so manchen "Big Brother" beobachten können. Er will die Insassen eines Gefängnisses im Bezirk Maricopa (Arizona) im Internet zeigen.

Über zwei Videokameras im Gebäude sollen die Inhaftierten ab kommender Woche weltweit im Datennetz zu sehen sein. "Das wird erzieherisch wirken", meint der umstrittene Gesetzeshüter, der 1992 von einem Boulevard-Magazin zum unnachsichtigsten Sheriff der Nation gekürt worden war. "Es wird der Abschreckung dienen", erklärte Arpaio. Die Männer, die mit Prostituierten aufgegriffen würden, könnten künftig ihren Ehefrauen durch die Kamera zuwinken.

Menschenrechtler kritisierten Arpaios Pläne: "Sheriff Joe vergisst offenbar, dass viele der Menschen in seiner Obhut nicht einmal verurteilt sind", protestierte Eleanor Eisenberg von der Bürgerrechtsorganisation Arizonas. "Sie ins Internet zu stellen, wo sie alle Welt sehen kann, ist eine nicht gerechtfertigte Verletzung ihrer Privatsphäre." Wegen angeblicher Misshandlung Gefangener wurde bereits mehrfach gegen die Haftanstalten unter Arpaios Verantwortung ermittelt.

Maricopa County Sheriff's Office
Sheriff Arpaio wurde mit seinen harten Methoden landesweit bekannt. So brachte er Insassen seiner Gefängnisse in drückend heißen Zelten unter, ließ sie in pinkfarbener Unterwäsche herumlaufen oder schickte an den Füßen gefesselte Häftlingsgruppen zum Unkraut jäten. Er hat außerdem Filme für Erwachsene sowie Männermagazine aus den Zellen verbannt - und auch Kaffee.

In Amerika ist der harte Mann des Gesetzes so berühmt-berüchtigt wie kultverdächtig. Sein Maricopa County Sheriff's Office unterhält eine abschreckend- umfassende Website - und seine Kritiker von der "Phoenix New Times" widmeten ihm die "Unofficial Joe Arpaio's Web Site for Tough Guys". Inhaltlich muss man sich da auf so einiges gefasst machen: Die Zeitung "verkauft" den Surftrip als eine Art Mutprobe für Leute, die sich für hart genug halten, Arpaio unzensiert und ungefiltert ertragen zu können. "Think you're tough? Yeah, we're talking to you, punk. Well, you better think twice before you come in here."



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