Webseiten-Renovierung Yahoo in neuem Gewand

Kaum eine Webseite ist Surfern so vertraut wie Yahoo.com: Das liegt allerdings vor allem daran, dass sie sich seit langem kaum verändert hat. Zeit für eine Frischzellenkur, befanden die Firmengründer - und entschlackten die Seite kräftig.

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Der Siegeszug von Google begann mit einem minimalistischen Konzept: Viel mehr als Zeile für die Eingabe der Suchanfrage brauche eine Searchengine nicht, fanden die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin. Keine zusätzlichen Dienste, keine Nachrichten, keine Werbung. Google entstand so auch als echter Gegenentwurf zu Yahoo, dem einst als Link-Katalog begonnenen Web-Verzeichnis, das seit nunmehr gut elf Jahren fleißig weiter wuchert.

Vorher: Schön bunt und schön unübersichtlich. "Orientierungsklicken" hätte man hier zum Wettkampfsport machen können

Vorher: Schön bunt und schön unübersichtlich. "Orientierungsklicken" hätte man hier zum Wettkampfsport machen können

Yahoo-Nutzer schätzen die Vielzahl der Inhalte und Dienstleistungen, die über die Webseite erreichbar sind. Weniger schätzen sie, wie gut diese inzwischen verborgen sind: Im Wust der Links, Buttons, Unterverzeichnisse und Werbungen muss man schon relativ genau wissen, wo man was findet. Die heute optisch überladen wirkende Seite  ist der absolute Gegentrend (siehe auch Screenshot).

Das ist vorbei. Jetzt sucht Yahoo den Anschluss an den Zeitgeschmack: Seit Dienstag kann man  einen Blick auf die große Renovierung werfen, die umfangreichste Überarbeitung der Seite seit 2004 (und nicht, dass sich damals viel verändert hätte).

Was bietet die Seite nun?

Zunächst einmal weniger, und das ist ja manchmal mehr. Der erste Eindruck: Die neue Yahoo-Seite kommt heller, leichter und klarer strukturiert daher. Die Navigation am linken Bildrand ist fast ein Standard und erschließt die zahlreichen Community-Services, Shopping- und Kleinanzeigenangebote, Map-Dienste und den Zugang zu Yahoo-Töchtern wie GeoCities. Die Bildschirmmitte wird schwerpunktmäßig vom eigenen Content-Angebot (Features, Unterhaltung, Sport, Finanznachrichten) und vom Nachrichtenangebot eingenommen.

Interessant wird es auf der rechten Seite: Hier finden sich optisch fast gleich gewichtet weitere Inhalte, vor allem aber per "Mouse-over" zu erschließende weitere Dienste. Das ist geschickt: Die Yahoo-Maildienste, die Wettervorhersagen, der Messenger, Radioprogramme, die Filmseiten und die (im amerikanischen Markt sehr wichtigen) lokalen und regionalen Angebote finden so Platz in gerade einmal zwei schlanken Zeilen: Streicht man mit der Maus darüber, klappen die entsprechenden Untermenüs auf. Wie sonst sollte man die Fülle der Dienste erreichbar machen, ohne die Seite wieder zu überladen?

Nachher: Erheblich aufgeräumter, weil die zahlreichen Dienste in Navigationszeilen und Klappmenüs zusammengefasst sind

Nachher: Erheblich aufgeräumter, weil die zahlreichen Dienste in Navigationszeilen und Klappmenüs zusammengefasst sind

Zu den inhaltlichen Neuerungen zählt dann noch "Pulse". Hinter dem Stichwort verbirgt sich der Versuch, die liebe Community zum Inhaltelieferanten zu machen – Web 2.0 lässt grüßen. In den ersten Stunden des Relaunches hatte Yahoo da allerdings einen Platzhalter hinterlegt: "Pulse" steht drüber, "Travel" steckte drin – Reiseanzeigen statt Community-Tipps. Möglich, dass sich das bald ändert. Was Yahoos Community-Angebote wirklich zu bieten haben, ist bisher jedenfalls nicht zu beurteilen. Schaun mer mal.

Fazit: Nicht schlecht, Yahoo!

Doch was soll es? Schlecht sieht das nicht aus, was Yahoo hier vorlegt. An Stelle der bisher schier endlos nach unten verlängerten Papyrusrolle tritt nun also eine in sich geschlossene, in ihren Dimensionen fest definierte Präsentation, die ein Scrollen der Seite (fast) unnötig macht.

Yahoo hofft, mit der überfälligen Seitenrenovierung weiter Anschluss zu halten an die großen Konkurrenten Google und MSN. Das Design ist weit dichter am Puls der Zeit, ob es aber auch "funktioniert", wird sich erst zeigen. Schließlich geht es nicht nur um die Stabilisierung der Nutzerzahlen, sondern möglichst um eine Erhöhung. Gelungen scheint auf jeden Fall der Versuch, die Seite wirklich neu zu strukturieren und trotzdem auf den ersten Blick erkennbar zu halten. Alles in allem nicht der schlechteste Relaunch der letzten Jahre.



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