Webtipp So sieht das Twitter-Universum aus

In der Web-Schwatzbude Twitter spricht jeder mit jedem über alles mögliche - zwei Londoner Designer visualisieren das Kommunikationschaos. Ihre Browserspielerei "Social Collider" analysiert die Kommunikationsstränge - und macht daraus wunderschöne Grafiken.

Von Christina Hollstein


Planetenbahnen, Sternenbilder, Kometenflüge: Was wie die Darstellung eines Sonnensystems anmutet, visualisiert Nachrichten im Mikro-Blogging-Dienst Twitter, die sich aufeinander beziehen. Social Collider heißt dieses Statistik-Tool zur Sichtbarmachung von Daten. Seine Erfinder, Karsten Schmitt und Sascha Pohflepp, steuerten es dem Google-Browser-Projekt "Chromeexperiments" bei.

15 animierte Web-Design Projekte werden auf Cromeexperiments.com vorgestellt: Ein sprechender Browser, ein durch Gravitation gestörtes Suchfenster, sowie ein alle Dokumente durchspringender, durchdringender Ball - niedliche Spielereien.

Anders ist es beim Social Collider: Die Anwendung lässt Twitter-Reaktionen einzelner Nutzer visuell aufeinanderprallen. "Die Internet-Spuren eines einzelnen sollen in den Kontext zum Weltgeschehen gesetzt werden", schreibt Schmitt auf seiner Homepage, "der Social Collider visualisiert, wie das Geschehen um uns herum unsere Stimmung und unser Verhalten beeinflusst, ohne dass wir uns dessen bewusst sind."

Auf Anfrage filtert das Programm zu einem Hauptthema passende Nachrichten aus einem Blog. Aufeinander bezugnehmende Meldungen werden durch Kurven miteinander verbunden. Spiralen, die kosmischen Wirbelstürmen ähnlich sehen, erfüllen die Aufgabe von Textmarkern: Sie heben Besonderheiten hervor - also Nachrichten, die in der Twitter-Gemeinschaft auf extreme Resonanz gestoßen sind. Nur "Re-Tweets" liegen auf dem gleichen Graphen wie die Ursprungsmeldung. Thematisch ähnliche Posts werden auf in einem parallelen Handlungsstrang verlegt.

Das sieht nicht nur schick aus, sondern hat auch einen praktischen Nutzen: Ein Blick genügt und man ist informiert, welche Themen die Twitter-Gemeinschaft gerade beschäftigen.

Publikumsreaktionen auf Medienmeldungen könnte man damit grafisch sichtbar machen. Obwohl der Auftrag des Social Collider inzwischen über sein Animationsfeature hinausgeht, stünden Web-Design und Funktionalität, laut Schmitt, in keinem Widerspruch. Im Gegenteil: Zukünftig seien diese Begriffe sogar eng miteinander verbunden. Statistiken mit Balkendiagrammen und Clustern entsprächen längst nicht mehr den Ansprüchen der Moderne. Auch Datenverarbeitung werde künftig ästhetischen Ansprüchen unterworfen. "Das ist ein junger Markt", sagt Schmitt, "wir werden also noch viel experimentieren müssen."

Trotzdem, räumt er ein, sollen noch einige Verbesserungen am Social Collider vorgenommen werden. Der Zoom auf einzelne Meldungen, sowie die Isolation einzelner Themenstränge stehen auf seiner Liste ganz oben. Auch das Zeitfenster, aus dem die Meldungen entnommen werden können, soll vergrößert werden.

Foren wie die Fotoplattform Flickr und der Social-Bookmarking-Dienst del.icio.us sollen in Zukunft vom "Social Collider" untersucht werden. Fotos, die zur gleichen Zeit aufgenommen wurden oder Links, die im selben Moment gespeichert wurden, könnten so unmittelbar mit Twitter-Meldungen in Verbindung gebracht werden.

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