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Webvideopreis Antanzen gegen das indische Tanzverbot

Mit engen Hosen und schwingenden Hüften protestiert Fabian Sixtus Körner gegen ein Tanzverbot. Im indischen Bangalore gibt es nicht nur eine strenge Sperrstunde, sondern auch ein grundsätzliches Verbot rhythmischer Bewegung in Clubs und Bars. Körner drehte einen (Tanz-)Film gegen das "absurde Gesetz".

Fabian Sixtus Körner ist viel unterwegs. Im Moment soll er sich Gerüchten zufolge in Kolumbien aufhalten, aber vor nicht allzu langer Zeit war er auch in Malaysia, in China - und in Indien, wo dieses Video namens "The Bollywood Superstar" entstand. Auf den ersten Blick sieht es aus wie eine Art Kurzdokumentation, ein Musikclip oder ein überlanger Werbespot. Tatsächlich aber handelt es sich um ein Dokument des Widerstands.

Körner: "Das Projekt entstand im Zuge eines Protests gegen ein verrücktes Gesetz, das vor ein paar Jahren in der südindischen Stadt Bangalore verabschiedet wurde. Einst mit florierendem Nachtleben gesegnet, wurde der Regierung das nächtliche Treiben mit lauter Musik, ansteigendem Drogenkonsum und vermehrten Übergriffen gegen Frauen zu viel des Guten und so entschied sie sich dazu, ein Gesetz zu entwerfen, das alle diese Fliegen mit einer Klappe erschlagen würde. Es entstand die Verbannung des Tanzens."

Für die Clubszene und das Nachtleben von Bangalore habe all das natürlich verheerende Auswirkungen gehabt, sagt Körner, und so habe er sich entschieden, mit dem Video, in dem er selbst ständig tanzend zu sehen ist, gegen das absurde Verbot zu protestieren.

Der Clip zeigt ihn, wie er ein Plakat für einen fiktiven Film entwirft, es in einer kleinen indischen Druckerei in neuer, ziemlich lauter Form vervielfältigt herstellen lässt und die Plakate schließlich an eine Wand klebt. Dabei ist Körner ständig in - rhythmischer - Bewegung. Verbotswidrig, gewissermaßen.

Körner reist seit zwei Jahren um die Welt, nach eigenen Angaben ist er "studierter Innenarchitekt, Fotograf und Grafikdesigner". In den Ländern, die er durchstreift, bietet er seine Dienste an, war schon Juror eines Modelwettbewerbs in Malaysia, Gartenarchitekt in Südindien, Dokumentarfilmer auf Kuba und Musikproduzent in Australien. Dazwischen dreht er solche Clips wie den "Bollywood Superstar".

Beim Deutschen Webvideopreis  ist der Film in der Kategorie OMG (Oh My God)  nominiert. In dieser Kategorie laufen kurze kuriose Werke, die für Verblüffungsmomente sorgen sollen.

Deutscher Webvideopreis

Der deutsche Webvideopreis wurde im Jahr 2011 zum ersten Mal vergeben. In diesem Jahr wurden in neun Kategorien Dutzende Netz-Filme nominiert, aus allen nominierten Einreichungen konnte jeder Interessierte vom 1. März bis 29. März online die Publikumspreisträger 2012 wählen. Die Gewinner der Abstimmung wurden zusammen mit den Jury-Preisträgern am 31. März 2012 in Düsseldorf gekürt. SPIEGEL ONLINE ist Medienpartner des Deutschen Webvideopreises .

cis
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