Werner Müller IT-Sicherheit ist mehr als nur ein Kostenfaktor

Betrug, Hacker-Attacken, Datenspionage - noch immer gibt es genug Probleme im E-Commerce. Wirtschaftsminister Müller drängt darauf, die Sicherheitsstandards zu verbessern.


Werner Müller
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Berlin - Die Sicherheit von Handel und Nachrichtenübermittlung im Internet muss nach Auffassung von Bundeswirtschaftminister Werner Müller verbessert werden. "Attacken auf das Internet, auf Unternehmen und Privatanwender beeinträchtigen das Vertrauen in den E-Commerce", sagte Müller am Dienstag in Berlin anlässlich eines Spitzengesprächs der "Partnerschaft sichere Internet-Wirtschaft".

Dieser Zusammenschluss von Bundeswirtschaftsministerium, Unternehmen und Verbänden hat es sich vor einem Jahr zur Aufgabe gemacht, Technologien für betrugssicheren E-Commerce zu entwickeln und Wirtschaft und Öffentlichkeit über Risiken zu informieren. Beteiligt sind unter anderem der Bundesverband deutscher Banken, der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), Konzerne wie Siemens und SAP und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik.

"Gerade der Mittelstand ist noch nicht ausreichend sensibilisiert und betrachtet IT-Sicherheit vor allem als Kostenfaktor", sagte Müller bei der Vorstellung der Zwischenbilanz der "Partnerschaft sichere Internet-Wirtschaft". Müller will die Aktivitäten des Zusammenschlusses intensiv fortsetzen. Seit einem Jahr, so der Bundesminister, habe sich die Anzahl der beteiligten Unternehmen und Verbände mehr als verdoppelt.

Nach den Schätzungen der Experten beläuft sich der Schaden durch Betrug und Spionage im Internet in Deutschland auf jährlich etwa 30 Milliarden Mark. Davon werden Betrugsfälle in Höhe von etwa fünf Milliarden Mark nachgewiesen, die Dunkelziffer gilt als sechsmal so hoch.

Kreditkartenumsätze scheinen indes weniger betrugsanfällig zu sein als andere Zahlungsformen. Etwa zwei Prozent der Kreditkartenumsätze gehen auf Betrug zurück. Dagegen sind zehn bis 20 Prozent der Zahlungen durch Lastschrift oder Rechnung Betrugsfälle, schätzt Fritz Höring, Geschäftsführer der Deutsche Post Signtrust. "Häufig werden entwendete Kontonummern mit falschen Lieferadressen kombiniert", sagt Höring.

Auch die Wirtschaftsspinonage über elektronische Datenträger hat den Experten zufolge stark zugenommen. "Nur etwa 20 Prozent der deutschen Unternehmen verfügen über Verschlüsselungs-Software", sagte Norbert Pohlmann von TeleTrusT, einem gemeinnützigen Verein, der vertrauenswürdige Technologien im Internet fördern will. Unternehmensinterne E-Mails und die Kommunikation zwischen den Niederlassungen über Intranet sei meist vollkommen ungeschützt.

Die Kosten eines Unternehmens für Verschlüsselungs-Software können von 100 bis 10.000 Mark reichen. An Privatanwender wurden bislang 8000 so genannte digitale Signaturen verkauft. Dieses Verfahren, das der Identifikation des Internetnutzers dient, ist seit 1997 in Deutschland gesetzlich geregelt. Ein weiteres Gesetz machte im vergangenen Monat den europaweiten Einsatz elektronischer Signaturen möglich.



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