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22. Oktober 2018, 10:40 Uhr

"Whopaid99Cents.com"

Ein dämlicher Dollar-Deal

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Eine Website wirbt mit einem verrückten Versprechen: Wer 99 Cent zahlt, erfährt, wer noch alles Geld auf der Seite ausgegeben hat. Die Idee ist bescheuert, aber vergleichsweise erfolgreich.

Wenn Sie glauben, alle bescheuerten Ideen im Internet schon gesehen zu haben, liegen Sie falsch. Mit der Website "Whopaid99Cents.com" legt ein Entwicklerstudio aus New York noch eine Schippe auf all die blödsinnigen Idee drauf, mit denen Menschen im Internet um ihr Geld gebracht werden. Der absurde Deal: Wer den Betreibern der Seite 99 US-Cent bezahlt, bekommt angezeigt, wer diese Summe bereits zuvor gezahlt hat - und wird selbst in die Liste eingetragen.

Das Verfahren ist schnell und einfach: Man muss nur drei Felder ausfüllen: Name, E-Mail-Adresse und Kreditkartennummer. Dabei spielt es keine Rolle, ob man seinen echten Namen oder ein Pseudonym eingibt. Im nächsten Schritt werden die Namen aller Nutzer angezeigt, die zuvor einen knappen Dollar überwiesen haben. Die Seite ist dabei so programmiert, dass man bei jedem erneuten Aufruf der Seite wieder zur Kasse gebeten wird.

Hinter dem Projekt steckt ein kleines Studio namens Thinko, das von einem Büro im New Yorker Stadtteil Brooklyn aus arbeitet. Während das Team normalerweise Comicfilmchen erstellt und Videospiele programmiert, machen sich die Mitarbeiter mit ihrer Website nun über Nutzer lustig, die ihr Geld im Netz verprassen. Mit markigen Werbesprüchen wie "Findet für das absolut großartige Schnäppchen von 99 Cent heraus, wer sich noch getraut hat, 99 Cent zu bezahlen" wird für das Spaßprojekt geworben.

Das Geld ist weg

Eine ernsthafte Geschäftsidee ist die Seite nicht. "Wir haben die Website erstellt, weil wir dachten, dass es eine witzige Idee wäre", sagt Pasquale D'Silva von Thinko dem SPIEGEL. Man habe sich bei einem Abendessen die Frage gestellt, wie viele Menschen tatsächlich Geld ausgeben würden, um zu sehen, wer sonst noch Geld auf der Seite bezahlt hat. Es seien viel mehr Menschen als gedacht, heißt es bei Thinko.

Mittlerweile haben etwa 400 Nutzer für ihre Neugier bezahlt. Am Freitagmittag funktionierte die Kreditkartenzahlung bei "Who paid 99 Cents?" allerdings nicht mehr.

Mit Ironie und Witz haben die Betreiber ihre Website betextet. "Alle Käufe sind endgültig" und "bitte verklagt uns nicht", heißt es in der Beschreibung. Doch die Zahlungen sind kein Witz. Der Transfer wird über einen Online-Bezahldienst aus San Francisco abgewickelt. Beklagen kann man sich über die nutzlose Geldausgabe nicht, schließlich wird man vorher darüber aufgeklärt, wie sinnlos die 99 Cent investiert sind.

Wer gehofft hatte, das so gesammelte Geld würde wenigstens für einen guten Zweck gespendet, liegt leider falsch. "Wir investieren alle unsere Einkünfte in Projekte, an denen wir bei Thinko arbeiten", sagt D'Silva.

Die Idee erinnert ein wenig an das Projekt eines britischen Studenten, der eine Million Pixel auf seiner Website "Million Dollar Homepage" verkaufte. Für einen Dollar pro Pixel konnte sich jeder seinen Platz auf einem virtuellen Flickenteppich sichern. Das Projekt war ein voller Erfolg: Der Erfinder hat tatsächlich für alle Pixel Käufer gefunden, wurde mit seiner Idee zum Millionär.

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