Wi-Fi 6 Das kann der neue WLAN-Standard

Der neue Mobilfunkstandard 5G ist in aller Munde. Dabei steht mit Wi-Fi 6 eine technische Neuheit in den Startlöchern, die mindestens genauso revolutionär ist. Zumindest in der Theorie.

Auf der Ifa sind gerade die ersten Fritzbox-WLAN-Router mit Wi-Fi 6 vorgestellt worden (Symbolbild)
obs/AVM GmbH

Auf der Ifa sind gerade die ersten Fritzbox-WLAN-Router mit Wi-Fi 6 vorgestellt worden (Symbolbild)


Können Sie mit den Bezeichnungen 802.11n oder 802.11ac etwas anfangen? Wahrscheinlich haben Sie die dahinterstehende Technologie schon oft verwendet und nutzen sie womöglich gerade, um diesen Text lesen zu können. Die kryptischen Kürzel bezeichnen die beiden aktuell wichtigsten Standards für Funknetzwerke also WLANs.

Mit 802.11ax hat das Standardisierungsgremium IEEE (Institute of Electrical and Electronics Engineers) eine neue Norm herausgegeben, die kabellose Netzwerke für die Zukunft fit machen und natürlich viel besser sein soll als ihre Vorgänger.

Mit der Einführung des neuen Standards geht zudem eine Änderung einher, die den sprachlichen Umgang mit WLAN-Technik leichter machen wird: Ab sofort nummeriert das IEEE die WLAN-Generationen einfach durch. Zukünftig muss man sich nur noch die Versionsnummer merken und kann die kryptischen Zahlen-Buchstabenkombinationen vergessen. So wird der neue Standard von WLAN-Organisation Wi-Fi Alliance schlicht als Wi-Fi 6 bezeichnet.

Das kann Wi-Fi 6 besser

Der Umstieg von 802.11ac auf Wi-Fi 6 ist technologisch ein großer Schritt, vergleichbar mit dem Sprung von 4G auf 5G beim Mobilfunk. Nötig ist das Upgrade zum einen, weil die WLAN-Nutzung zunimmt. 2019 sind laut Statista schon fast 15 Milliarden Geräte per WLAN vernetzt, 2021 sollen es bereits 22,2 Milliarden sein. Zudem steigen die Anforderungen an die Bandbreite: Wenn mehrere Familienmitglieder Filme in 4K-Auflösung per WLAN streamen wollen, brauchen sie die dafür nötigen Reserven.

Auch die neuen Streaming-Plattformen für Games sind auf eine möglichst schnelle Internetverbindung angewiesen. Der bisher schnellste WLAN-Standard, Wi-Fi 5, stößt dabei an seine Grenzen.

Wi-Fi 6 soll dem zum Beispiel mit Datenraten von rund 10 Gigabit pro Sekunde Abhilfe schaffen. Das ist weit mehr, als mit Wi-Fi 5 möglich ist. Zudem können WLAN-Router per Wi-Fi 6 mehr Geräte gleichzeitig versorgen und mehr Daten mit diesen gleichzeitig austauschen als ältere Geräte. So soll zum Beispiel das Websurfen an kostenlosen WLAN-Hotspots in Cafés oder an öffentlichen Plätzen deutlich verbessert werden.

Da Wi-Fi 6 die neue WPA3-Verschlüsselung zur Absicherung des Netzwerks verwendet, soll auch die Sicherheit besser werden. Überdies soll Wi-Fi 6 die Akkus der per WLAN vernetzten Mobilgeräte schonen, weil es die Datenübertragung zu ihnen effizienter organisiert als seine Vorgänger.

Nur wenige können es schon

Da das IEEE die Spezifikationen für Wi-Fi 6 nun festgelegt hat, können Hardware-Hersteller zum Beispiel standardkonforme WLAN-Router und Smartphones bauen. Bisher ist die Auswahl allerdings noch bescheiden.

Bei den Smartphones haben unter anderem Samsungs Galaxy S10 und das iPhone 11 Wi-Fi-6-Technik an Bord, die meisten Handys werden aber noch mit Wi-Fi 5 ausgeliefert. Dasselbe gilt für WLAN-Router. Die wenigen, die es gibt, sind vergleichsweise teuer. Dafür sind Wi-Fi-6-Router abwärtskompatibel, versorgen also auch ältere Geräte mit WLAN.

Zu schnell für diese Welt

Neben der geringen Auswahl an Geräten und den Anschaffungskosten für neue Hardware gibt es bei Wi-Fi 6 einen weiteren Haken: Selbst wenn Sie einen passenden Router haben und Ihre Endgeräte die Technik beherrschen, wird sich das Surfen im Internet damit aktuell nicht deutlich vom Websurfen mit Wi-Fi-5-Technik unterscheiden.

Der Grund: Die Bandbreite Ihres Internetanbieters ist mit großer Wahrscheinlichkeit nicht hoch genug, um die Geschwindigkeit von Wi-Fi 6 ausnutzen zu können. In Deutschland lag die durchschnittliche Download-Geschwindigkeit im August 2019 bei rund 74 Megabit pro Sekunde. Das ist weit von den technischen Möglichkeiten des neuen WLAN-Standards entfernt. Im Grunde fahren Sie mit neuer Wi-Fi-6-Hardware zwar einen Sportwagen, stecken mit diesem allerdings in einer Tempo-30-Zone fest.

Die Zukunft lässt auf sich warten

Genau wie 5G ist Wi-Fi 6 ein großer technischer Entwicklungssprung. Doch genau wie 5G hat dessen Verbreitung gerade erst begonnen und mit der Standardisierung durch das IEEE nur die erste wichtige Hürde genommen. Es wird sicherlich noch einige Jahre dauern, bis sich Wi-Fi 6 in allen Geräteklassen durchsetzt und Internetanschlüsse in Deutschland schnell genug sind, um mit der neuen Technik Schritt zu halten.

Wer bisher ein funktionierendes Heimnetzwerk mit Wi-Fi 5 betreibt, für den gibt es in nächster Zeit kaum einen Grund umzusteigen. Wer allerdings ein völlig neues Netzwerk einrichtet, der sollte über Wi-Fi 6 zumindest nachdenken, um für die Entwicklungen der kommenden Jahre vorbereitet zu sein.

Mehr zum Thema


insgesamt 64 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Flying Rain 22.09.2019
1. Ähm
Ähm ja... wenn ich die 4k Filme vom Server daheim (woher die da drauf kommen... naja ein anderes Thema ;D ) auf eines der Geräte streamen möchte ist es siche ne gute Sache. Solange aber in übertrieben gesagt 99% Deutschlands auch 10-15 Jahre alte WLanRouter durch das verfügbare Internet nicht ansatzweise ausgereizt werden dürfte das wohl eventuell nur für die kabellose VR Fraktion interessant werden.
obobilaf 22.09.2019
2. alle streamen unterschiedliche 4k Filme
Was für eine erstrebenswerte Zukunft, jeder Sitz in seinem eigenen Kämmerlein und kommuniziert nur noch mit der virtuellen Welt. Für mich das Ende Menschlichkeit
dietbert.guetter 22.09.2019
3. Wieso ist WiFi-6 so schnell?
Der Artikel ist ein wenig wie eine Werbung konzipiert. Werden neue Frequenzbereiche erschlossen? Sind diese lizenzpflichtig? Gibt es Reichweitenprobleme? … Vielleicht weiß es einer der Leser?
idleberg 22.09.2019
4.
Für den 08/15-Nutzer, der aus Sicherheitsgründen mit dem Upgrade liebtäugelt, wäre vielleicht interessant gewesen, dass WPA3 ebenfalls nicht mehr als sicher gilt.
les2005 22.09.2019
5. Abbrüche
Was meine Familie zur Verzweiflung treibt, sind die vielen Verbindungsabbrüche, die wir von verschiedenen Modellen der Fritzbox gewohnt sind. Und die an der Box (per LAN Kabel) verfügbare Bandbreite kommt nicht ansatzweise bei kabellosen Endgeräten an. Insofern wäre eine neue WLAN Technologie durchaua relevant
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.