Wie aus dem rechten Hashtag #meinedeutscheheimat ein Statement für Vielfalt wurde

Von Thembi Wolf
Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Dieser Beitrag wurde am 24.02.2019 auf bento.de veröffentlicht.

Wem gehört eigentlich Deutschland? Das klingt wie eine ziemlich flache Frage. Debattiert wird sie derzeit trotzdem überall.

In der nächsten "Hart aber Fair"-Sendung (ARD ) soll es laut Titel darum gehen, ob Deustchland eigentlich "nur für Deutsche oder offen für alle" sein sollte. Junge Autorinnen und Autoren fordern in einem neuen Buch, das Wort Heimat gleich ganz abzuschaffen, denn: "Eure Heimat ist unser Albtraum". (Ullstein )

Auch auf Twitter streiten Menschen gerade heftig um den Begriff "Heimat".

Worum geht’s?

Vor drei Tagen haben Twitter-User den Hashtag #MeineDeutscheHeimat gestartet. Schnell sammelten sich darunter Fotos von Sonnenuntergängen in Hessen, verträumten Fachwerkhäusern in Kleinstädten und Bilder von Burgen. Dazu die deutschen Klassiker Bier, Eisbein und Schmalzgebäck. Oder absurdere Szenen von Ritualen wie der "traditionellen Geißbockversteigerung vor dem Rathaus am Pfingstdienstag in Deidesheim". Unverdächtiges Zeug also, vielleicht ein bisschen spießig. (Twitter )

Tenor der Tweets: Deutschland sei schön, malerisch, romantisch.

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Dann kippte die Stimmung.

Der Journalist Volker Dohr entdeckte den Hastag. Dohr findet, dass Heimat ein überholtes Konzept sei. "Wir haben das Glück, in der ganzen Welt zu Hause sein zu können. Als ob es eine Leistung war, dass eure Eltern Deutsche waren und Sex hatten", schreibt er.

Er schlägt vor, das Hashtag zu ergänzen:

Andere beteiligen sich und posten eigene Kommentare und Fotos. Sie wollen aus dem piefigen Patriotismus ein Statement für eine vielfältige Gesellschaft machen.

Das funktioniert ziemlich gut. Die Userinnen und User zeigen so, was neben Rapsfeldern und Eisbein noch so alles zu Deutschland gehört:

Die neuen Tweets werfen wichtige Fragen auf, die zum Begriff Heimat in einem Land wie Deutschland nun einmal dazugehören:

  • Malcolm Ohanwe schreibt: "#MeineDeutscheHeimat bedeutet für mich viele, viele, viele Privilegien ohne irgendetwas besonderes dafür getan zu haben. Critical Almanness"
  • @TheEyjay findet , "das einzig wahre Deutschland ist das Deutschland, das man mit anderen teilt".
  • Denn noch immer fühlen sich viele Menschen ausgeschlossen. So schreibt Eser Aktay : "#MeineDeutscheHeimat versteht oft nicht, dass ich hier geboren und aufgewachsen bin."

Und Kristin stellt klar: Sonnenuntergang in Deutschland ist ja ganz schön – ohne Nazis wäre er noch schöner.

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Aber stecken hinter dem Hashtag nun Rechte – oder nicht?

Viele Twitter-Nutzer finden diese Reaktionen unfair. Nich alles was Heimat ist, sei schließlich rechts. "Ich verstehe nicht, dass alle direkt als Nazis gekeult werden, die hier Bilder posten...." schreibt eine Nutzerin. (Twitter )

Dabei wurde das Hashtag tatsächlich von Rechten initiiert.

Alles begann mit diesem Tweet von @gustavineaus:

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Die Userin nennt sich selbst Patriotin und hat AfD gewählt, wie sie mehrfach auf Twitter schreibt. Frauen mit Kopftuch nennt sie "Schleiereulen", das Rhein-Main-Gebiet ein "Kopftuchland".

Die Idee für den Hashtag kam nicht von ihr, sondern von User @KaramalleMalle. Sonst twittert er über die "Merkelpresse" und hetzt gegen Staatsministerin Sawsan Chebli. Auch er schreibt mehrfach, dass AfD gewählt habe.

Nach dem ersten Tweets bedankt sich Justine für die Empfehlungen: "Tolle Reisetipps dabei... aber vor allem sieht man wirklich, wie faszinierend unsere Heimat ist". Nachdem der Hashtag gekapert wurde, verabschiedet die Userin sich. Das ganze sei nicht politisch gemeint gewesen, aber nun mit "ideologischem Nonsens" zerschossen. (Twitter )

Mittlerweile findet sich unter den Tweets eine Mischung aus Naturbildern, kritischen Anmerkungen und Ärger über das Thema der "Hart aber Fair"-Sendung.

Eines zeigt die kleine Twitter-Debatte: Heimat ist niemals ein unpolitischer Begriff. Er steht nicht nur für krosses Eisbein und grüne Hügel, sondern eben auch für eine bunte kulturelle Mischung und historische Verantwortung. Darüber zu diskutieren, ist dringend nötig. Und zwar mit allen, die hier zuhause sind.

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