Medienbericht über xHamster Wie eine der größten Pornoseiten verbotene Aufnahmen filtert

Mehr als hundert Löscharbeiter sollen für xHamster Aufnahmen von Minderjährigen oder Vergewaltigungsvideos löschen. Doch laut einem Medienbericht werden Opfer sexualisierter Gewalt nicht ausreichend geschützt.
Was online bleibt, entscheiden auf xHamster auch freiwillige Löscharbeiter mit (Symbolbild)

Was online bleibt, entscheiden auf xHamster auch freiwillige Löscharbeiter mit (Symbolbild)

Foto: Federico Gambarini/DPA

Alle großen Pornoplattformen haben ein Problem: Immer wieder laden anonyme Nutzer und Nutzerinnen Inhalte hoch, in denen sexualisierte Gewalt und ihre Opfer zu sehen sind. Um die Verbreitung solcher Aufnahmen zu verhindern, arbeiten für die besonders in Deutschland beliebte Pornoplattform xHamster zahlreiche festangestellte und freiwillige Mitarbeiter. Das geht aus einem Bericht des Onlinemagazins "Vice" hervor.

Demnach entscheiden offenbar mehr als 100 unbezahlte Freiwillige in dem sogenannten Reviewers Club mit darüber, ob bereits hochgeladenes Bildmaterial gegen die Regeln der Plattformen verstößt. Doch die Regeln sind laut dem "Vice"-Bericht nur rund 2800 Zeichen lang. Das entspricht ungefähr der Textlänge von einer DIN-A4-Seite. Zusätzlich sind in dem internen Handbuch auch beispielhafte Bilder zu sehen.

Die Mitglieder des "Reviewers Club", zu dem sich die Journalisten für ihre Recherche undercover Zugang verschafft haben, müssen unter anderem entscheiden, ob Minderjährige zu sehen sind oder sexuelle Handlungen gegen den Willen Beteiligter vorgenommen werden. Auch ob es sich um heimlich gefilmte Spanneraufnahmen, wie zum Beispiel sogenannte Upskirting-Videos, handelt, müssen die Reviewer entscheiden.

Altersschätzung durch freiwillige Mitarbeiter

Gerade wenn es darum ginge, das Alter der abgebildeten Personen zu bestimmen, gäbe es unter den Löscharbeitern Unsicherheiten, heißt es in dem "Vice"-Bericht . Im Handbuch finden sich unter anderem eher vage Empfehlungen, wie zum Beispiel auf Details, wie Tätowierungen, Piercings oder Dehnungsstreifen zu achten. Dort steht aber auch: "Lösche keinen Content, wenn du nicht zu 100 Prozent sicher bist, dass er hier illegal ist".

xHamsters Vizechef, Alex Hawkins, erklärte auf SPIEGEL-Anfrage, dass die Mitglieder des "Reviewers Club" nur Bilder und keine Videos sichten und verwies auf die festangestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Diese seien rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr, im Einsatz. Wie viele bezahlte Angestellte daran arbeiten, verbotene Inhalte zu filtern und wie weitere Angaben zu den Kontrollen aussehen, ließ xHamster allerdings offen. Man wolle potenziellen Kriminellen keine Einblicke in die internen Verfahren geben.

xHamster zählt zu den weltgrößten Pornoplattformen. Laut dem Analysedienst Similarweb hat die Seite monatlich rund 120 Millionen Aufrufe, die meisten davon aus Deutschland.

Teils zweifelhafte Motive der ehrenamtlichen Löscharbeiter

Problematisch könnte laut den "Vice"-Recherchen sein, dass es verhältnismäßig einfach sei, als freiwilliger Löscharbeiter für xHamster tätig zu werden. Voraussetzung zur Aufnahme in den Reviewers Club sei es demnach lediglich, ein 200 Tage altes xHamster-Profil zu haben und eigene Inhalte zu veröffentlichen. Seinen Namen müsse man nicht preisgeben.

Die Motive der freiwilligen Löscharbeiter sind offenbar teilweise zweifelhaft. So soll aus dem Chatprotokoll mit einem weiteren Löscharbeiter hervorgehen, dass dieser sich von der Mitgliedschaft "Privilegien" verspricht, also den Zugang zu eben dem Material, das gegen die Richtlinien der Plattform verstoße.

xHamster erklärte auf SPIEGEL-Anfrage, dass neue Mitglieder auch von eigenen Mitarbeitern überprüft würden, bevor sie in den "Reviewers Club" aufgenommen werden.

Trotz der massiven Größe von xHamster fällt die Plattform in Deutschland nicht unter das Netzwerkdurchsetzungsgesetz. Dieses sieht unter anderem hohe Strafzahlungen vor, wenn Plattformen Inhalte nicht löschen, obwohl sie von Nutzerinnen und Nutzern gemeldet wurden.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.