WikiLeaks-Gründer Assange empört sich über seine Autobiografie

Ein britischer Verlag veröffentlicht die Autobiografie von Julian Assange - und der WikiLeaks-Gründer ist wütend. Er wollte das Buchprojekt eigentlich kippen, dabei soll er einen beträchtlichen Vorschuss kassiert und schon ausgegeben haben.
Julian Assange: "Opportunismus und Doppelzüngigkeit"

Julian Assange: "Opportunismus und Doppelzüngigkeit"

Foto: Lefteris Pitarakis/ AP

Bungay - Julian Assanges Verhältnis zum Dogma der totalen Informationsfreiheit ist augenscheinlich gespalten. Einerseits pflegt der WikiLeaks-Gründer zu betonen, dass die Veröffentlichung geheimgehaltener Dokumente die Welt besser machen könne, spricht gern von einem "Kampf" den WikiLeaks führe, um "ein neues Verhältnis zwischen den Menschen und ihren Regierungen" herbeizuführen. Informationsbefreiung ist seine Mission.

Wenn es jedoch um ihn selbst geht, ist sein Bedürfnis nach totaler Informationsfreiheit weniger ausgeprägt - selbst, wenn es um Informationen geht, die er selbst ursprünglich freiwillig zur Verfügung gestellt hat. An diesem Donnerstag erscheint in Großbritannien ein Buch mit dem kuriosen Titel "Julian Assange - die unautorisierte Autobiografie". Assange hat dafür angeblich  50 Stunden mit einem Ghostwriter, dem schottischen Schriftsteller Andrew O'Hagan verbracht. Dann aber entschied der WikiLeaks-Gründer, glaubt man der Darstellung des Verlags, mit dem er einen Vertrag geschlossen hatte, dass "jede Art von Memoiren Prostitution" darstelle. Wenige Monate zuvor war er noch überzeugt gewesen, das Buch könne "eines der einigenden Dokumente unserer Generation" werden.

Der Verlag will Assange einen sechsstelligen Vorschuss gezahlt haben, den der Informationsrebell aber schon in seine Verteidigung vor Gericht investiert habe. Zurückzahlen kann Assange das Geld also nicht, dass das Buch erscheint, will er aber auch nicht. Der Verlag übe sich in "altmodischem Opportunismus und Doppelzüngigkeit", ließ Assange nun in gewohnt moderatem Ton mitteilen, dort sei man offenbar bereit "Leute hereinzulegen, um Geld zu machen". Mit Informationsfreiheit, so Assanges Stellungnahme, habe das rein gar nichts zu tun. Der Verlag profitiere "von einem unvollständigen und fehlerhaften Entwurf". Das schottische Verlagshaus Canongate hat eigenen Angaben zufolge bereits an fast vierzig internationale Verlage die Rechte an dem Werk weiterveräußert.

Die Wut des in England unter Hausarrest stehenden WikiLeaks-Gründers ändert nichts an der Tatsache, dass man das Buch ab heute wird kaufen können - und daran, dass er selbst als Autor des Werkes geführt wird. O'Hagan hatte aufgrund der Kontroverse offenbar entschieden, seinen eigenen Namen nicht mit dem Projekt in Verbindung zu bringen.

cis