Neue WikiLeaks-Enthüllungen NSA belauschte Telefonat von Angela Merkel und Ban Ki Moon

Laut der Enthüllungsplattform WikiLeaks hat der US-Geheimdienst NSA Kanzlerin Merkel umfangreicher abgehört als bisher bekannt. Auch Berlusconi, Sarkozy und Netanyahu sind demnach betroffen.
Kanzlerin Merkel (Archivbild 2012): Lob und Mahnung von Ban Ki Moon

Kanzlerin Merkel (Archivbild 2012): Lob und Mahnung von Ban Ki Moon

Foto: Rainer Jensen/ dpa

Via Twitter hatte WikiLeaks die jüngsten Enthüllungen schon Stunden vorher angekündigt. Es werde um die NSA-Überwachung gehen, hieß es da. Um die Uno, um Angela Merkel, Bank Ki Moon und Nicolas Sarkozy. Gegen ein Uhr nachts deutscher Zeit war es dann so weit: Die Dokumente gingen online .

Demnach hörte der US-Geheimdienst Kanzlerin Merkel umfangreicher ab als bisher bekannt. Außerdem geht es in den Veröffentlichungen um Gespräche zwischen Silvio Berlusconi und Benjamin Netanyahu sowie japanischen und europäischen Handelsvertretern. Der Überblick:

Angela Merkel und Ban Ki Moon:

Den Dokumenten zufolge hörte die NSA im Dezember 2008 unter anderem ein Gespräch zwischen der deutschen Kanzlerin und dem Uno-Generalsekretär ab, Thema war demnach der Kampf gegen den Klimawandel: Ban habe Merkel für ihren Einsatz gelobt und zugleich mehr Engagement von der Europäischen Union gefordert. (Hier geht's zum WikiLeaks-Beitrag .)

Im Oktober 2013 hatte der SPIEGEL erstmals enthüllt, dass die NSA nicht nur die Daten von Millionen Bundesbürgern sammelte, sondern jahrelang auch das Handy der Kanzlerin abhörte. Nun ließ WikiLeaks-Gründer Julian Assange mitteilen: "Wir haben heute gezeigt, dass die privaten Gespräche von Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon über die Bekämpfung des weltweiten Klimawandels von einem Land ausgespäht wurden, das seine größten Ölfirmen schützen will."

Zuerst hatte unter anderem die "Süddeutsche Zeitung " über die Enthüllungen berichtet, sie konnte die WikiLeaks-Dokumente vorab einsehen. Wie genau die NSA an die Gesprächsinhalte gelangte, ist dem Bericht zufolge unklar.

Silvio Berlusconi und Benjamin Netanyahu:

In den neuen Enthüllungen geht es auch um ein Gespräch zwischen dem italienischen Premierminister Silvio Berlusconi und seinem israelischen Amtskollegen Benjamin Netanyahu aus dem Jahr 2010. Die beiden sollen sich über die Beziehungen zu den USA sowie über den Häuserbau in Ostjerusalem unterhalten haben. Berlusconi versprach Netanyahu laut WikiLeaks, ihm bei den Verhandlungen mit Washington zu helfen. Die Informationen sollen aus Berichten italienischer Diplomaten stammen. (Hier geht's zum WikiLeaks-Beitrag .)

Silvio Berlusconi, Angela Merkel und Nicolas Sarkozy:

WikiLeaks zitiert auch aus NSA-Dokumenten, die sich mit einem Gespräch des französischen Präsidenten, des italienischen Premiers und der deutschen Kanzlerin im Oktober 2011 befassen: Berlusconis Berater Valentino Valentini habe das Treffen anschließend als "angespannt und sehr harsch gegenüber der italienischen Regierung" bezeichnet.

Dem Dokument zufolge ging es vor allem um die wirtschaftliche Krise in Italien. Nicolas Sarkozy und Merkel hätten Berlusconi dazu gedrängt, mit "starken, konkreten Maßnahmen" zu zeigen, dass seine Regierung das Schuldenproblem seines Landes ernst nehme.

Japan und EU:

Zudem veröffentlichte WikiLeaks Berichte, in denen es um Verhandlungen zwischen deutschen und japanischen Diplomaten aus dem Jahr 2008 gehen soll. In diesem Fall habe die NSA offenbar japanische Handelsvertreter abgehört.

aar
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