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Wikipedia-Schreibwettbewerb 2017: Das sind die Gewinner

Foto: Eadweard Muybridge/ Getty Images

Wikipedia-Schreibwettbewerb Stachelschweine, ein Onkel im Morgenrock und ein Ex-Präsident

Das Onlinelexikon zählt zu den meistbesuchten Webseiten in Deutschland. Eine Jury hat nun besonders lesenswerte Einträge prämiert. Aber: Nicht alles, was auf Wikipedia steht, stimmt.

Wie funktioniert noch mal der Länderfinanzausgleich? Was haben Volt, Joule und Coulomb miteinander zu tun? Wie alt ist Christian Lindner? Manchmal tauchen im Alltag kleine, aber dennoch bohrende Fragen auf, auf die man spontan keine Antwort hat.

Gegoogelt sind die Antworten schnell, und oft führt die Suchmaschine Fragende auf die Seiten der Wikipedia. Das Internetlexikon ist ein einzigartiges Projekt von Freiwilligen und gehört in Deutschland zu den meistbesuchten Webseiten. 5000 bis 6000 regelmäßige Autoren pflegen mehr als 2,1 Millionen deutschsprachige Artikel, jährlich kommen etwa 130.000 dazu. Weltweit existieren etwa 39 Millionen Artikel in knapp 300 Sprachen. Die freie Editierbarkeit von Artikeln für jedermann ist aber auch ein Problem der Wikipedia: Nutzer sollten nicht jedem Artikel des Onlinelexikons vertrauen.

Um Positivbeispiele der Schreibgemeinschaft hervorzuheben, hat eine achtköpfige Jury nun in München die besten deutschsprachigen Wikipedia-Artikel des Jahres prämiert. Die Gewinnertexte des Schreibwettbewerbs  seien spannend geschrieben und machten den Lesern Lust auf die Themen. Geehrt wurden ganz unterschiedliche Texte, etwa über einen ehemaligen US-Präsidenten, Stachelschweine und die wechselvolle Geschichte eines englischen Landschlosses.

Hier sind die Gewinnertexte zum Durchwischen beziehungsweise -klicken:

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Wikipedia-Schreibwettbewerb 2017: Das sind die Gewinner

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Wikipedia-Schreiber: weiß und männlich

Auch wenn viele Schüler bei der Referatsvorbereitung und Deutsche auf der Suche nach Antworten die Wikipedia-Inhalte als unumstößliche Wahrheiten wahrnehmen: Nicht alle Artikel der Wikipedia sind so vorbildlich wie die nun prämierten Texte.

Das bestätigte auch ein Jury-Mitglied mit dem Online-Pseudonym "Magiers" im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. "Wir denken viel zu oft: Was auf Wikipedia steht, stimmt alles", sagte "Magiers", der seinen echten Namen wie viele Wikipedia-Autoren nicht nennt. Das Lexikon bemühe sich, Klarnamen der Schreiber geheimzuhalten, sagte Sprecher Denis Schröder vom Verein Wikimedia Deutschland, der die Online-Enzyklopädie unterstützt.

Jury-Mitglied "Magiers" ist von Beruf Mathematiker und regelmäßiger Autor von Wikipedia-Texten. Er betonte: Statt Informationen blind zu vertrauen, sollten sich Nutzer genau ansehen, ob diese aus guten Quellen stammen. Das sei nötig, weil für die Qualitätskontrolle der Artikel Laien verantwortlich sind. Zwar müssen langjährige Schreiber die Beiträge unerfahrener Autoren überprüfen, bevor sie online gehen, "doch das verhindert nur die ganz groben Schnitzer", warnte er.

Einer der bekanntesten Wikipedia-Fehler geht auf den Scherz eines anonymen Nutzers zurück:  Als der CSU-Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg 2009 Wirtschaftsminister wurde, mogelte ein Wikipedia-Autor in die lange Liste seiner Vornamen auf Wikipedia einen falschen hinein. Zahlreiche Medien, die über den neuen Minister berichteten, übernahmen die falsche Angabe.

In dieser Fotostrecke zeigen wir Ihnen noch mal einige weitere der schönsten Wikipedia-Pannen:

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Online-Lexikon: Sieben Wikipedia-Anekdoten

Foto: Rachel Murray

Hinzu kommt: Wikipedias Sicht auf die Welt ist meist geschrieben aus der westlich geprägten Perspektive von weißen Männern, Frauen schreiben deutlich seltener. Die Idee, eine Kategorie für weibliche Superhelden anzulegen, ist deshalb in der Vergangenheit beispielsweise von der Mehrheit der Wikipedianer abgelehnt worden.

Streit um AfD-Artikel: "rechtsextrem" oder "rechtskonservativ"?

Wie komplex das Ringen um die Wahrheit ist, zeigt sich auch am aktuellen Beispiel der AfD, die offenbar gezielt versucht, Wikipedia-Einträge über Politiker der Partei zu schönen . Soll etwa im Wikipedia-Eintrag zu AfD-Politiker und Bundestagsmitglied Bernd Baumann auf sachlich falsche Aussagen Baumanns hingewiesen werden? Muss in dem Text das Wort "rechtsextrem", bezogen auf einen Parteikollegen Baumanns, durch "rechtskonservativ" ersetzt werden?

Solche sogenannte Versionsänderungen am Eintrag werden standardmäßig genau dokumentiert und sind in diesem Fall hoch strittig. Nutzer, die auf den Text stoßen, bekommen das auch angezeigt .

Weil es zu den wichtigen Themen schon Einträge gibt, sei die Hauptarbeit der vielen freiwilligen Autoren, existierende Stücke zu bearbeiten und zu verbessern, sagt Schreibwettbewerbs-Juror "Magiers". "Dafür ist mehr Wissen notwendig als für das Verfassen von Texten", sagte er. "Als Autor möchte ich nicht verschleiern, dass meine Texte einen Laienblick auf die Themen darstellen." Perfektion wie sie Werke wie der Duden anstreben, ist eben nicht der Anspruch der Wikipedia. Die Nutzer sollten das nicht vergessen.

gru/dpa
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